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Gutachter sagen im Gullydeckel-Prozess aus
LKA-Experten belasten Lokführer schwer

Verteidiger Dennis Tungel bespricht sich mit dem  angeklagten Lokführer.

howe Bad Berleburg.  Zwei absolute Fachleute auf ihrem Gebiet, die beiden Sachverständigen Dr. Dirk Porstendörfer und Dr. Markus Eßer vom Landeskriminalamt NRW in Düsseldorf, haben den angeklagten Lokführer am Freitag im Bad Berleburger Amtsgericht erheblich belastet. Der sitzt bekanntlich auf der Anklagebank, weil ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, einen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr vorgenommen zu haben. Wir erinnern uns: Zunächst waren die Ermittler an jenem Tag im April vorigen Jahres von einem Mordanschlag auf den 49-jährigen Zugführer ausgegangen. Der hatte den Triebwagen der Hessischen Landesbahn „am Steinchen“ in Raumland durch einen Tunnel gefahren, als plötzlich ein an Seilen hängender Gullydeckel mit Karacho in die Frontscheibe einschlug.

howe Bad Berleburg.  Zwei absolute Fachleute auf ihrem Gebiet, die beiden Sachverständigen Dr. Dirk Porstendörfer und Dr. Markus Eßer vom Landeskriminalamt NRW in Düsseldorf, haben den angeklagten Lokführer am Freitag im Bad Berleburger Amtsgericht erheblich belastet. Der sitzt bekanntlich auf der Anklagebank, weil ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, einen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr vorgenommen zu haben. Wir erinnern uns: Zunächst waren die Ermittler an jenem Tag im April vorigen Jahres von einem Mordanschlag auf den 49-jährigen Zugführer ausgegangen. Der hatte den Triebwagen der Hessischen Landesbahn „am Steinchen“ in Raumland durch einen Tunnel gefahren, als plötzlich ein an Seilen hängender Gullydeckel mit Karacho in die Frontscheibe einschlug. Der 49-Jährige blieb unverletzt. Vor Ort ermittelte die HagenerMordkommission, die routinemäßig auch den Lokführer selbst unter die Lupe nahm.

"DNA in allen Merkmalen übereinstimmend“

Am Freitag schließlich legte zunächst Dr. Dirk Porstendörfer, absoluter DNA-Experte beim LKA in Düsseldorf, seine gutachterlichen Ergebnisse vor. Dabei verriet der 52-jährige Diplom-Biologe, dass die gefundenen Asservate auf DNA-Spuren untersucht worden seien. Dabei habe er auch eine Vergleichsspeichelprobe des vermeintlichen Opfers erhalten. In allen Einzelheiten berichtete der Fachmann dem Schöffengericht, – unter Vorsitz von Amtsrichter Torsten Hoffmann – wie die einzelnen Gegenstände wissenschaftlich und labortechnisch unter die Lupe genommen wurden. An einigen Knoten und Enden der Seile fand Dr. Dirk Porstendörfer ein DNA-Gemisch einer unbekannten Person, daneben aber auch „Beimengen“ des Zeugen. „Er kommt somit als Spurenmitverursacher in Betracht.“ An weiteren Seil-Enden haftete ebenfalls DNA-Spuren, diesmal sogar deutlich. Der Experte: Aus dem DNA-Gemisch sei die DNA des Angeklagten dominant. „Sie ist in allen Merkmalen übereinstimmend und biostatistisch zuordenbar.“ Und zwar mit einem Beweiswert von 1:30 Milliarden, wie der Fachmann betonte. Neben den Seilen für die Gullydeckel-Aufhängung untersuchte der Experte auch die schweren Deckel selbst – und zwar an denjenigen Stellen, den Rippen, an denen die massiven Eisendeckel mit den Händen angefasst worden sein dürften. An Gullydeckel 1 und 3 hafteten denn auch DNA-Spuren. „Dominierend zu dem Angeklagten. Sie können ihm mit 1:30 Milliarden zugeordnet werden.“ Im Übrigen, und das stellte Dr. Dirk Porstendörfer auch fest, seien Handschuhe DNA-technisch nicht immer ein Schutz. Auch daran könnten DNA-Spuren nachgewiesen werden. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft resümierte die Ergebnisse – Richtung Verteidiger Dennis Tungel – mit einem unterschwelligen Hinweis auf sein Plädoyer: DNA-Spuren an einem Seil und an einem Gullydeckel, der in 2,90 Meter Höhe hänge? Spuren des Angeklagten an Gullydeckel neben dem Zug und an allen weiteren Seilkombinationen. „Das will ich nur mal feststellen.“

Textil-technische Analyse

Noch eindeutig klangen die Ausführungen des zweiten Gutachters Dr. Markus Eßer. Der Kriminalwissenschaftler befasste sich mit der textil-technischen Analyse, untersuchte im Labor die Gegenstände aus dem Auto des Angeklagten, das am Erndtebrücker Bahnhof geparkt war. Hier hatte die Kripo zuvor einen Rucksack mit Handschuhen, mehrere Handschuhe im Kofferraum sichergestellt sowie Kofferraum, Sitze und Hutablage professionell mit Folien abgeklebt, um entsprechende Partikel zu sichern.
Ziel sei dabei gewesen, so Dr. Markus Eßer, eine mögliche Verbindung zwischen Gegenständen aus dem Lebensbereich des Angeklagten und den am Tatort gefundenen Dingen herzustellen. Ebenso akribisch wie der DNA-Kollege ging auch der Textil-Gutachter vor. Der konstatierte zunächst, dass es sich bei dem Seil am Tatort um einen spurenabgabe-unfreundlichen Stoff handele. Anders als bei einem Wollpullover seien hier Spuren nur schwerlich nachweisbar. Und: Die Polypropylenfasern des Seils seien „sehr selten“ und in seiner zehnjährigen gutachterlichen Arbeit „sehr außergewöhnlich“. Das wiederum bedeute, dass sechs bis sieben gefundene Fasern nicht wenig seien. Anhand der Kofferraum-Folien wies der Experte gelbe, rote und rosa-farbene Fasern nach, die „material-identisch zum Eigenmaterial des Seils“ sind.
Sogar an den Handschuhen, die im vorderen Fach des Rucksacks steckten, entdeckte Dr. Markus Eßer eine gelbe Faser sowie drei rotbraune Fasern, die ebenfalls als Spurfasern nachgewiesen werden können. Die Bewertung des Fachmanns fiel klar aus. Er sprach von einem „deutlichen Hinweis auf direkten Kontakt zwischen den Handschuhen und den Seilen.“ Gleiches gelte für Kofferraum und Seil.
Mehr noch: Bei den Fasern zog Dr. Markus Eßer darüber hinaus gehende Merkmale hinzu. Er fand „ungelöste Farbpigmente als Herstellungsmerkmal“ und wies somit nach, dass somit eine weitere „individuelle Zuordnung“ zum Angeklagten gegeben sei. Am kommenden Freitag,
2. Oktober, wird – sicherlich mit Spannung – das Urteil in dem außergewöhnlichen Prozess erwartet.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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