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Dr. Dietmar Schäfer im SZ-Gespräch
Long-Covid-Patienten: Corona-Folgen werden brutal unterschätzt

Ein nicht unerheblicher Anteil von Corona-Patienten klagt über Erschöpfung und Müdigkeit, an Sport ist lange Zeit nicht zu denken. Die Vamed-Rehaklinik Bad Berleburg wird sich verstärkt mit ihnen beschäftigen und sammelt Erfahrungswerte.
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  • Ein nicht unerheblicher Anteil von Corona-Patienten klagt über Erschöpfung und Müdigkeit, an Sport ist lange Zeit nicht zu denken. Die Vamed-Rehaklinik Bad Berleburg wird sich verstärkt mit ihnen beschäftigen und sammelt Erfahrungswerte.
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vö Bad Berleburg/Siegen. Die Corona-Pandemie hat nicht nur das gesellschaftliche Leben komplett auf den Kopf gestellt, sondern auch zu Veränderungen in Krankenhäusern und Reha-Kliniken geführt. Die Vamed-Rehaklinik in Bad Berleburg kündigte aktuell an, verstärkt Long-Covid-Patienten am Standort zu behandeln (die Siegener Zeitung berichtete). Über die bislang gesammelten Erfahrungen, die Zielsetzungen und den Umgang mit der Pandemie generell spricht die Siegener Zeitung mit Dr. Dietmar Schäfer, dem Ärztlichen Direktor und Chefarzt Neurologie der Vamed-Rehaklinik.

Wie hoch ist der Anteil der Long-Covid-Patienten in der Klinik?
Wir müssen da eine grundsätzliche Unterscheidung vornehmen. Zum einen behandeln wir Patienten mit sehr schwerwiegenden Erkrankungen, die maximal geschwächt sind.

Bad Berleburg/Siegen. Die Corona-Pandemie hat nicht nur das gesellschaftliche Leben komplett auf den Kopf gestellt, sondern auch zu Veränderungen in Krankenhäusern und Reha-Kliniken geführt. Die Vamed-Rehaklinik in Bad Berleburg kündigte aktuell an, verstärkt Long-Covid-Patienten am Standort zu behandeln (die Siegener Zeitung berichtete). Über die bislang gesammelten Erfahrungen, die Zielsetzungen und den Umgang mit der Pandemie generell spricht die Siegener Zeitung mit Dr. Dietmar Schäfer, dem Ärztlichen Direktor und Chefarzt Neurologie der Vamed-Rehaklinik.

Wie hoch ist der Anteil der Long-Covid-Patienten in der Klinik?

  • Wir müssen da eine grundsätzliche Unterscheidung vornehmen. Zum einen behandeln wir Patienten mit sehr schwerwiegenden Erkrankungen, die maximal geschwächt sind. Da geht es um eine dauerhafte Beatmung und Dialyse. Diese Krankheitsbilder haben wir schon lange, das macht zehn Prozent unserer Neurologie aus. Die Menschen müssen alles neu erlernen.
Mit Corona-Leugnern mag sich Dr. Dietmar Schäfer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Neurologie der Vamed-Rehakliniken in Bad Berleburg, gar nicht groß beschäftigen.
  • Mit Corona-Leugnern mag sich Dr. Dietmar Schäfer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Neurologie der Vamed-Rehakliniken in Bad Berleburg, gar nicht groß beschäftigen.
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Und was ist der andere Bereich?

  • Hier sprechen wir von Long-Covid-Patienten. Sie sind sicherlich nicht schwerst betroffen, aber sie merken acht, zehn oder vielleicht zwölf Wochen nach einer Corona-Erkrankung, dass etwas nicht in Ordnung ist. Und das sind mehr Menschen, als man es vielleicht vermutet. Da geht es um sozial-medizinische Fragen. Wie komme ich wieder zurück in den Beruf und wie erreiche ich meine Leistungsfähigkeit, die mich vor Corona stark gemacht hat?

Wird dieser Aspekt der Pandemie unterschätzt?

  • Ja, definitiv. Es gibt ein noch sehr wackeliges Bild an unterschiedlichen Folgeerkrankungen – und zwar bei Menschen, die das Krankenhaus längst verlassen haben. Das auffälligste Symptom ist die rasche Erschöpfung, die Patienten ermüden sehr schnell.

Sind das in der Regel Patienten mit Vorerkrankungen?

  • Nein, das kann jeden treffen. Auch Menschen, die vor Corona topfit waren. Leistungssportler beispielsweise merken natürlich sofort, wenn etwas nicht in Ordnung geht, wenn ein Bruchteil ihres Potenzials nicht mehr vorhanden ist.

Gehen Sie davon aus, dass dieser Komplex in Ihrer Arbeit künftig mehr Raum einnehmen wird?

  • Wir wollen und wir werden uns intensiv mit diesen Patienten beschäftigen. Eine kleine Gruppe hat Probleme mit dem Gasaustausch in der Lunge, eine viel größere Gruppe klagt über die beschriebenen Erschöpfungszustände. Hinzu kommt das Phänomen von Patienten, die dabei sind, ihre Leistung wieder aufzutrainieren – aber unter dem Strich Rückschritte hinnehmen müssen. Das Thema hat ja nicht nur eine körperliche Komponente, sondern auch eine geistige.

Da müsste es Ihnen doch in die Karten spielen, dass der Reha-Standort Bad Berleburg sehr breit aufgestellt ist.

  • Das ist für uns eine sehr günstige Situation, weil wir hier mit vielen Indikationen arbeiten. Wir können in Bad Berleburg ja auch die andere Seite der Krankheit beleuchten. Die Patienten reagieren sehr unterschiedlich. Frustration über den eigenen Leistungsverfall kommt dazu, soziale Distanzierung wird zum Thema, außerdem eine erhöhte Reizbarkeit. Frauen betrifft das noch mehr als Männer. Im ersten Lockdown spielten psychische Veränderungen bei den Menschen kaum eine Rolle, jetzt umso mehr.

Ärgert es nie, dass ein kleiner Teil der Gesellschaft die Corona-Pandemie leugnet oder verharmlost?

  • Ich bin gelassener geworden. Es gibt einfach Menschen, die unbelehrbar sind. Ich habe keine Lust, mit denen meine Energie zu verschwenden. Wir haben bei uns in der Klinik ein restriktives Hygienekonzept umgesetzt und uns ist es gelungen, dass wir bislang keinen Ausbruch zu verbuchen hatten. Kein Patient hat sich bei einem anderen angesteckt. Ich bin einfach stolz auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das super gemacht haben. Sie leben unser Konzept, da sitzt jeder Handgriff.
Ein nicht unerheblicher Anteil von Corona-Patienten klagt über Erschöpfung und Müdigkeit, an Sport ist lange Zeit nicht zu denken. Die Vamed-Rehaklinik Bad Berleburg wird sich verstärkt mit ihnen beschäftigen und sammelt Erfahrungswerte.
Mit Corona-Leugnern mag sich Dr. Dietmar Schäfer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Neurologie der Vamed-Rehakliniken in Bad Berleburg, gar nicht groß beschäftigen.
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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