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Kurioser Fall vor dem Amtsgericht Bad Berleburg
Männer streiten Diebstahl von AfD-Plakat ab

Ein Wahlplakat der AfD wird von einer Straßenlaterne genommen. Während ein Zeuge den Vorfall beobachtet und sich das Nummernschild merkt, weisen die Angeklagten alle Schuld von sich.
  • Ein Wahlplakat der AfD wird von einer Straßenlaterne genommen. Während ein Zeuge den Vorfall beobachtet und sich das Nummernschild merkt, weisen die Angeklagten alle Schuld von sich.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

howe Bad Berleburg. Ganz einfach soll sich die Sache im November vorigen Jahres abgespielt haben: Ein 37-jähriger Mann fährt mit seinem Auto durch Arfeld und hält an einer Straßenlaterne. Der Beifahrer, ein 35-jähriger Mann, steigt aus, montiert das Wahlplakat der AfD ab, wirft es in den Fußraum und steigt wieder ein. Die beiden fahren weiter. Beobachtet hat das ein Anwohner aus seinem Küchenfenster. Der merkt sich das Nummernschild und ruft seinen Bekannten an, der genau für die „abgehängte“ Partei kandidiert. Der Kandidat wiederum meldet den Vorfall der Polizei, die macht den Halter des erkannten Fahrzeugs ausfindig. Kurios an der Geschichte: Bereits bei der Vernehmung streiten die beiden Männer die Tat vehement ab. Ja, sie hätten an der Laterne gehalten, aber nur zum Telefonieren.

howe Bad Berleburg. Ganz einfach soll sich die Sache im November vorigen Jahres abgespielt haben: Ein 37-jähriger Mann fährt mit seinem Auto durch Arfeld und hält an einer Straßenlaterne. Der Beifahrer, ein 35-jähriger Mann, steigt aus, montiert das Wahlplakat der AfD ab, wirft es in den Fußraum und steigt wieder ein. Die beiden fahren weiter. Beobachtet hat das ein Anwohner aus seinem Küchenfenster. Der merkt sich das Nummernschild und ruft seinen Bekannten an, der genau für die „abgehängte“ Partei kandidiert. Der Kandidat wiederum meldet den Vorfall der Polizei, die macht den Halter des erkannten Fahrzeugs ausfindig. Kurios an der Geschichte: Bereits bei der Vernehmung streiten die beiden Männer die Tat vehement ab. Ja, sie hätten an der Laterne gehalten, aber nur zum Telefonieren. Der Beifahrer sei ausgestiegen, um zu „pinkeln“.

Angeklagte weisen vor dem Amtsgericht alle Vorwürfe zurück

Dagegen will der Zeuge zumindest eindeutig gesehen haben, wie derjenige, der das AfD-Plakat von der Laterne geholt habe, in genau das Auto eingestiegen sei, von dem er sich extra das Kennzeichen gemerkt habe. Die beiden Angeklagten lasen am Dienstag im Sitzungssaal ihr „Statement“ vor. „Ich weise die Beschuldigungen entschieden zurück“, sagte der 35-Jährige. „Mir sind keine Wahlplakate aufgefallen, noch habe ich sie wahrgenommen. Ich habe lediglich meine Notdurft verrichtet.“ Ohnehin sei der Wagen mit Sachen vollgepackt gewesen, da hätten auch keine sperrigen Plakate mehr hineingepasst. Auch der 37-jährige Fahrer des Autos gab eine Stellungnahme ab.

Er sei zum Telefonieren rechts rangefahren. Bei der Gelegenheit habe der Kollege die Notdurft verrichtet. Genau hingeschaut habe er natürlich nicht. „Ich wollte ihm nicht so gerne beim Pinkeln zusehen.“ Darum sei ihm auch kein Diebstahl eines Plakats aufgefallen. Der Zeuge, ein 52-jähriger Mann, hatte den Diebstahl zwar beobachtet, allerdings überhaupt keine Personen, geschweige denn Gesichter, im Kopf. „Ich habe nur gesehen, wie einer das Plakat abgerissen hat und ins Auto gestiegen ist. Ich stand in der Küche.“

Klare Sache für Gericht und Staatsanwaltschaft

Angesprochen auf die Tatsache, dass AfD-Plakate ja zuweilen etwas höher an der Laterne hängen und den Diebstahl erschweren: Zwei Plakate hätten übereinander gehangen, erinnerte sich der Zeuge. Das CDU-Plakat oben, das von der AfD unten. Abgenommen worden sei nur das von der AfD auf einer Höhe von rund 1,60 Meter. „Ich finde, das muss nicht sein“, so der Zeuge. Für Judith Hippenstiel von der Staatsanwaltschaft Siegen und Richter Torsten Hoffmann war der Fall am Dienstag klar. Denn die Zuordnung des Fahrzeugs zu den Fahrern und zu dem Diebstahl sei eindeutig. Die Angeklagten selbst hätten zugegeben, genau am Tatort gewesen zu sein. Und der Zeuge habe zwar keine Gesichter erkannt, aber er habe den Dieb samt Plakat in besagten Wagen steigen sehen.

Richter Torsten Hoffmann stellte fest, der Zeuge habe eindeutig keine Belastungstendenzen den Angeklagten gegenüber. Denn weder kenne er beide, noch habe er einen der beiden erkannt. Den Vorschlag des Gerichts, man könne das Verfahren wegen Diebstahls geringwertiger Sachen und wegen Beihilfe auch ohne Urteil beenden und es mit einer Geldauflage einstellen, lehnten die Angeklagten ab. „Ich kann nichts einräumen, was ich nicht getan habe“, so der 35-Jährige. Er glaube, der Zeuge habe ihn mit Sicherheit verwechselt. Auch der Fahrer beteuerte seine Unschuld: „Das Plakat ist ultra sperrig. Ich frage mich, wie das noch in den Fußraum gepasst hätte.“

Männer wollen kein AfD-Plakat gestohlen haben

Sogar beim letzten Wort, das den Angeklagten vor Gericht kurz vor der Urteilsverkündung gewährt wird, wiesen die Männer alle Schuld von sich. „Was will ich mit einem AfD-Plakat“, fragte der 37-Jährige. „Ich bin weder in einer politischen Partei noch habe ich ein Interesse, das Plakat zu Hause aufzuhängen.“
Und außerdem wisse er, dass ein Diebstahl strafbar sei. Deshalb würde er so etwas auch nicht tun. Torsten Hoffmann verurteilte die Angeklagten zu Geldstrafen: 15 Tagessätze zu je 45 Euro für den 35-Jährigen und zehn Tagessätze zu je 80 Euro für den 37-Jährigen.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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