Psychisch Kranker fuchtelt vor der Familie mit dem Messer herum
Mann bedroht Mutter und Elfjährigen

howe Bad Berleburg. Wie krank der 56-jährige Mann aus Bad Laasphe ist, das wurde am Freitag im Bad Berleburger Amtsgericht mehrfach deutlich. Verzweifelt versuchte die Dolmetscherin, das in stark gebrochenem Deutsch Gesprochene des Angeklagten zu übersetzen. Auch Richter Torsten Hoffmann bat mehrfach darum, der 56-Jährige möge doch bitte in seiner Muttersprache sprechen, damit man ihn überhaupt verstehen könne.

Während Staatsanwältin, Richter oder – wer auch immer – sich äußerten, plapperte der Angeklagte dazwischen, murmelte vor sich hin oder gestikulierte. „Wenn Sie weiter stören, werden wir die Verhandlung ohne Sie weiterführen“, drohte Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel dem Mann. Der, so verriet dessen Anwalt Harald Hommel (Siegen), könne sein Verhalten wegen einer psychischen Erkrankung nicht steuern. Offensichtlich, denn auch bei der ihm vorgeworfenen Tat scheint er sich nicht unter Kontrolle gehabt zu haben.

Mit Messer bedroht

So warf die Staatsanwaltschaft dem 56-Jährigen vor, an einem Nachmittag im September vorigen Jahres eine Mutter zweier Kinder vor einem Bistro als „Hure“ bezeichnet zu haben. Viel schlimmer noch: Am Abend des gleichen Tages soll er sie mit einem 15 bis 20 Zentimeter langen Messer bedroht und „ich schneide dir die Kehle durch“ gesagt haben. Die Zeugin, eine 31-jährige Frau, verriet dem Gericht, die Beleidigungen und Bedrohungen hätten bis heute nicht aufgehört. „Er hat am Sonntag meinen Sohn bedroht“, so die Zeugin. Ständig fertige er Fotos von ihr und der Tochter an, fotografiere mit dem Handy. Im Park hinter dem Haus des Gastes habe er vor den Augen der Kinder mit dem Messer herumgefuchtelt.

„Als ich zur Polizei gegangen bin, ist er mit einem Pitbull auf uns zu und hat ’fass’ gerufen.“ Ihr Sohn habe inzwischen ständig Angst, ihm habe der Beschuldigte schon den Mittelfinger gezeigt. Einem Jungen von elf Jahren. „Wir haben alle Angst und ziehen jetzt aus Bad Laasphe weg“, erklärte die Mutter. Dem Gericht notierte sie im Saal die neue Adresse auf einem Zettel, um den Umzugsort nicht öffentlich preisgeben zu müssen. Verteidiger Harald Hommel brachte die „eingeschränkte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten“ ins Spiel, die sich – wie es hieß – durch den Konsum von Alkohol und Drogen verstärke. Das Verhalten im Gerichtssaal allerdings wollten Judith Hippenstiel als Vertreterin der Staatsanwaltschaft und Richter Torsten Hoffmann nicht durchgehen lassen.

Beschuldigter mehrfach ermahnt

Mehrfach wurde Judith Hippenstiel laut, ermahnte den Beschuldigten und schlug einmal sogar fest auf die Tischplatte, um den mitunter wirres Zeug redenden Mann endlich zur Ruhe zu bringen. Schon vor dem Landgericht in Siegen hatte die Richterin das „aggressive Verhalten“ des 56-Jährigen beklagt.

Diesmal stellte Torsten Hoffmann fest: „So können wir nicht verhandeln.“ Nach kurzer Unterbrechung, in der dem Angeklagten offenbar nochmal die Leviten gelesen wurden, lief es dann etwas besser. „Ich habe einfach nur Angst. Ich habe sogar hier im Gericht angerufen, dass ich nicht so gerne hier auftauchen möchte“, berichtete die Zeugin. Der Täter sei jedesmal stark alkoholisiert gewesen und mit dem Messer habe er herumgefuchtelt, um der Familie Angst einzuflößen.

Fass richtig aufmachen

Judith Hippenstiel sprach von einer „Spitze des Eisbergs“. Sie werde sogar darüber nachdenken, in den Bereich des Stalkens hineinzugehen. „Wenn wir hier sitzen und das Fass aufmachen, dann machen wir es richtig auf.“ Deshalb sei ebenfalls festzustellen, dass bei einer Bedrohung von Kindern der Spaß komplett aufhöre.

Richter Torsten Hoffmann setzte das Verfahren am Freitag erst einmal aus. Für die Fortsetzung muss noch eine Zeugin gehört werden, die in dem Bistro arbeitet und die Beleidigungen mitbekommen haben soll. Außerdem soll der Lebensgefährte der 31-jährigen Mutter gehört werden, für ihn wird aber ein Dolmetscher benötigt.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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