Mariella Mehr lieferte »schwer verdauliche Kost«

Schweizer Autorin stellte ihre Werke in Bad Berleburg vor

JC Bad Berleburg. Am Sonntag vor 60 Jahren wurden 134 als »Zigeuner« bezeichnete Berleburger Bürger deportiert. Anlässlich des denkwürdigen Jahrestages las Autorin Mariella Mehr, selbst eine Roma, in der Baumrainklinik der Odebornstadt einige Abschnitte aus ihren Büchern. In der Toskana lebend, verschlug es die Schriftstellerin zum ersten Mal in die Wittgensteiner Gegend. »Die Frühling ist hier weiter als bei uns zu Hause«, war die Schweizerin überrascht.

Ihrem Herkunftsakzent entsprechend, trug sie den rund 40 Zuhörern mit »rollendem R« die Anfangskapitel aus der Trilogie »Daskind«, »Brandzauber« und »Angeklagt« vor. Die mitveranstaltende Buchhandlung am Markt bot zwei der drei Titel zum Verkauf an. Als roter Faden zieht sich durch alle drei dieselbe Problematik: Die Protagonistinnen sind Gewalt ausgeliefert und reagieren darauf mit derselben. »Angeklagt« etwa berichtet – nach einer wahren Begebenheit – von einer Brandstifterin, deren Zerstörungsdrang in einem dreifachen Frauenmord gipfelt. Moderatorin Rikarde Riedesel vom ausrichtenden Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus hakte nach, in wie weit die Romane mit ihrem Erschaffer zu tun haben.

Die 1947 geborene Schriftstellerin erlebte selbst eine von Gewalt geprägte Kindheit. Die fast blinde Mariella Mehr wuchs in Heimen auf. »Es ist wichtig, sich mit Gewalt auseinander zu setzen«, erklärte sie ihre Motivation. Die Autorin trug eine Episode aus dem Leben der Frauenmörderin vor. Aus der Ich-Perspektive wird geschildert, wie der Nachbarshund die Mutter beißt. Die Hauptperson empfindet Dankbarkeit und streichelt das Tier. Als das wieder zuschnappt, entschließt sie kurzerhand, Rex – so der Name des Übeltäters – zu vergiften.

Eine Zuhörerin fand das Gebotene »schwer verdaulich«. Im Anschluss an die Lesung war eigentlich eine Diskussion vorgesehen. Die Gäste hüllten sich aber lieber in betretenes Schweigen. Mariella Mehr hielt eine Aussprache auch nicht für nötig. Die Autorin meinte: »Ich lasse sie auch gerne allein mit den Eindrücken.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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