„Mehr Dummheit als kriminelle Energie“

Bad Berleburg. War das knapp für einen 25-Jährigen aus einem Bad Berleburger Stadtteil: Wegen Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz wurde der Maurer gestern zu einer viermonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er einen Monat auf seinen Führerschein verzichten und zudem in Raten ein Bußgeld von 3000 Euro zahlen - an das Freizeitzentrum in Wemlighausen.

Dabei schrammte der Angeklagte hauchdünn am Gefängnis vorbei, denn die jüngste Straftat unterlief dem 25-Jährigen trotz zweier laufender Bewährungen. Der Hergang ist schnell erzählt: Am 24. Oktober 2009 wurde der Bad Berleburger von der Polizei bei einer Rundfahrt in seinem Ort ertappt - mit seinem neu erworbenen Gebrauchtfahrzeug, allerdings ohne Kennzeichen. Eine Erklärung für sein Verhalten konnte der Beschuldigte auf Nachfrage auch nicht liefern: „Eine große Dummheit meinerseits.“ Er habe das Fahrzeug kurze Zeit später anmelden und zuvor bei der Rundfahrt die Batterie aufladen wollen.

Dafür hatte Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel von der Staatsanwaltschaft Siegen überhaupt kein Verständnis: „Batterien werden instandgesetzt durch Aufladegeräte oder in Werkstätten, nicht aber durch Losfahren.“ Das Problem sei in diesem Zusammenhang das umfangreiche Vorstrafenregister des Angeklagten.

Von einer „absolut positiven Zusammenarbeit“ mit dem 25-Jährigen sprach dessen Bewährungshelfer Reinold Vater. Er lebe in einer stabilen familiären Situation, verfüge über einen guten Arbeitsplatz und habe bis zu dem Vorfall im Oktober sämtliche Bewährungsauflagen erfüllt. Über den Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz und die Dinge, die für ihn auf dem Spiel stünden, habe er sich leider „überhaupt keine Gedanken gemacht“.

Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel meinte, dass der Angeklagte seine bisherigen Bewährungsstrafen offenbar stets als Freisprüche verstanden habe. Für ihn spreche zwar sein Geständnis, gegen ihn allerdings die Tatsache, dass er zweifacher Bewährungsversager sei. Unter diesem Gesichtspunkt sei auch die jüngste Straftat alles andere als ein Kavaliersdelikt. Die Anklägerin forderte eine viermonatige Freiheitsstrafe und ein Fahrverbot von drei Monaten.Auch Verteidiger Norbert Hartmann bezeichnete es als „unverständlich, dass mein Mandant seine Existenz leichtfertig aufs Spiel gesetzt hat“. Er habe den Verstoß eingeräumt, wobei er allerdings auch keine Erklärung habe liefern können. Der Rechtsanwalt plädierte dennoch auf eine dreimonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung und ein „geringeres Fahrverbot“ als das von der Staatsanwaltschaft geforderte.Vier Monate auf Bewährung, ein Monat Führerscheinsperre und 3000 Euro Bußgeld - so lautete das Urteil von Richter Torsten Hoffmann, „unter Zurückhaltung erheblicher Bedenken“. Die Tat entspreche „mehr Dummheit als krimineller Energie“, es gehe hier nicht um den typischen Fall eines Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Nicht von der Hand zu weisen seien die beiden Bewährungsstrafen, bemerkte Torsten Hoffmann, allerdings nehme er dem Angeklagten die gezeigte Reue vor Gericht ab.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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