Mit 2,4 Promille auf dem Mofa durch Wittgenstein

Bad Berleburger muss sechs Monate ins Gefängnis

Bad Berleburg. Die kriminelle Karriere eines 43-jährigen Bad Berleburgers fand gestern Morgen vor dem Amtsgericht der Odebornstadt ihren zweifelhaften Höhepunkt. Der mehrfach Vorbestrafte muss sechs Monate hinter Gitter – kurioserweise wegen Trunkenheit am Steuer.

Das Vergehen im Mai dieses Jahres, das eigentlich am untersten Rand des Strafregisters anzuordnen ist, brachte das Fass im wahrsten Sinne des Wortes zum Überlaufen: Trunkenheit im Straßenverkehr. Ein Streifenwagen der Polizei war auf den Mann in Rinthe aufmerksam geworden, »der uns im Allgemeinen sehr gut bekannt ist«, so einer der Beamten im Zeugenstand. Der war nämlich auf seinem Mofa von Bad Berleburg in Richtung Weidenhausen unterwegs, hielt sich aber offenbar nicht ganz an die Spielregeln. Zum einen lag die Höchstgeschwindigkeit seines Mofas bei rund 50 km/h, was einen Führerschein erforderlich gemacht hätte – und eben den besitzt der Bad Berleburger schon seit Jahren nicht mehr. Zum anderen stellte die Polizei bei dem Zweiradfahrer einen Blutalkoholwert von 2,4 Promille fest.

Daher warf Staatsanwalt Wolfgang Nau dem Angeklagten Trunkenheit im Straßenverkehr und Fahren ohne Fahrerlaubnis vor. Die Promille-Fahrt räumte der Arbeitslose auch ein, »aber mein Mofa fährt nicht schneller als 25 km/h und ist auch nie schneller gefahren«. Und in diesem Fall habe er schließlich keine Fahrlizenz benötigt. Vor Fahrtantritt habe er ein paar Cognac und vielleicht zwei Flaschen Bier getrunken, so der Angeklagte. Reaktion von Richter Torsten Hoffmann: »Bei 2,4 Promille waren das aber wohl Fünf-Liter-Flaschen.«

Dass die beiden Polizeibeamten bei dem Angeklagten »keine großen Ausfallerscheinungen« ausmachen konnten, deutet freilich darauf hin, dass der 43-Jährige ein Alkoholproblem hat. Dass dem so ist, untermauerte Bewährungshelfer Reinhold Vater in seinem Bericht: »Das Hauptproblem des Angeklagten ist der Alkohol.« Hinzu komme der Drogenkonsum und die Tatsache, dass der 43-Jährige seit Jahren arbeitslos sei. Zudem sei er nicht motiviert, eine stationäre Therapie anzutreten, »er lehnt das strikt ab«. Selbst der sporadische Besuch bei den Anonymen Alkoholikern habe ihn nicht vom Trinken abgehalten. Es fehle einfach die Struktur in seinem Leben.

Staatsanwalt Wolfgang Nau forderte in seinem Plädoyer eine sechsmonatige Strafe ohne Bewährung und eine Führerscheinsperre auf Dauer. Zu Gunsten des Angeklagten »fällt mir herzlich wenig ein«, so Wolfgang Nau, zu seinen Lasten sei zu berücksichtigen, dass aktuell noch drei Bewährungsstrafen liefen, davon zwei einschlägige. Auch Verteidiger Albrecht Beitzel musste augenscheinlich überlegen, um für seinen Mandanten Punkte auf der Habenseite gut zu machen: »Er ist ein freundlicher, netter Mensch mit einer positiven Lebenseinstellung.« Der Rechtsanwalt bedauerte, dass sich der Angeklagte nicht in sein Leben hinein schauen lasse und offenbar auch nicht gewillt sei, das Alkoholproblem mit vereinten Kräften in den Griff zu bekommen. Albrecht Beitzel bat um eine »milde Bestrafung« für seinen Mandaten, obgleich er einräumte, »dass der Mann in drei Bewährungsfällen versagt hat«.

Auf Lebenszeit ohne Führerschein

Richter Torsten Hoffmann beantwortete die Frage nach einer möglichen Bewährung mit einem »klaren Nein«. Das Urteil: sechs Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Hinzu könnten drei weitere Monate kommen, die aus einer Bewährungsstrafe widerrufen würden. Zudem sprach der Richter einen Führerscheinentzug auf Lebenszeit aus. Der Angeklagte habe die Brücken, die ihm die Justiz aufgebaut habe, stets wieder eingerissen. Von einer positiven Sozialprognose könne überhaupt keine Rede sein, »ohne stationäre Therapie ist bei dem Angeklagten nichts zu machen«.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen