»Mit aller Konsequenz aufklären«

Verfahren wegen sexueller Nötigung gestern fortgesetzt / Weitere Zeugen benötigt

Bad Berleburg. Das Strafverfahren gegen einen 37-jährigen Coesfelder, dem die sexuelle Nötigung einer 45-jährigen Berleburgerin auf dem Raumländer Sportplatz vorgeworfen wird (Siegener Zeitung berichtete), bekam gestern neue Brisanz. Während sein Anwalt Torsten Peckedrath noch vor zwei Wochen angedeutet hatte, dass man wohl zu einer Urteilsfindung komme, ohne dass weitere Zeugen gehört werden müssten, entwickelte sich das Verfahren gestern bei der Fortsetzung im Berleburger Amtsgericht in eine ganz andere Richtung. »Wir möchten die Dinge mit aller Konsequenz zu Gunsten meines Mandanten aufklären«, betonte Torsten Peckedrath.

Warum die Verteidigung diesen Weg gewählt hat, dies machte das Statement des emotional deutlich bewegten Angeklagten am Ende der gestrigen Verhandlung deutlich: Durch das Gehörte vor Gericht sei er in seiner Annahme bestärkt worden, »dass es einen einseitigen Informationsfluss gibt und systematisch gegen mich gearbeitet wird«. Gewisse Damen diffamierten seine Person, es würden vermeintliche Informationen weitergereicht, die einfach nicht richtig seien. Mit gravierenden persönlichen Konsequenzen für seine Person, erklärte der 37-Jährige. »Ich führe ein Geschäft, in dem acht Mitarbeiter beschäftigt sind.« Wenn sich an dem Montag nach dem ersten Verhandlungstag vier Mitarbeiterinnen krank meldeten, müsse er sich schon die Frage stellen, wie dies passieren könne. Seine frühere Ehefrau wolle aus Coesfeld wegziehen und das alleinige Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder beantragen.

»Mein Mandant befürchtet, dass die Sache eine Eigendynamik bekommt. Es geht hier nicht allein um eine mögliche Bestrafung, dieses Verfahren hängt auch mit einer Existenzbedrohung zusammen«, argumentierte Rechtsanwalt Torsten Peckedrath. Richter Torsten Hoffmann wies allerdings darauf hin, dass es die Aufgabe des Schöffengerichtes sei, den Sachverhalt aus der Oktobernacht 2005 aufzuklären, was darüber hinaus gehe, müsse auf zivilrechtlichem Weg passieren. Nach einer Beratung des Schöffengerichtes gab Torsten Hoffmann außerdem den Hinweis, dass im Falle einer Verurteilung sowohl eine versuchte als auch eine vollendete sexuelle Nötigung in Frage komme.

Als einzige Zeugin wurde gestern die 34-jährige Lebensgefährtin des Angeklagten befragt, eine frühere Wittgensteinerin. Sie habe noch mit ihrem Freund in der Sporthalle gestanden, als man sich gegen 4.15 Uhr verständigt habe, gemeinsam mit dem Taxi zur Wohnung einer Freundin zu fahren. Ihr Lebensgefährte sei schon mal nach draußen gegangen, um zu urinieren, »ich wollte zuerst noch mein Bier austrinken«. Nach zehn Minuten sei sie von den verschiedensten Leuten damit konfrontiert worden, was vermeintlich passiert sei: »Es wurde viel erzählt.« Sie sei zunächst sehr schockiert gewesen, vertrete aber die Ansicht, »dass er so etwas ganz sicher nicht macht«. Sie habe sich zunächst mit einer Freundin in ein Auto gesetzt und sei getröstet worden. Nach ihrem Lebensgefährten habe sie anschließend jedoch vergeblich gesucht.

Das Thema komme zu Hause natürlich ab und zu wieder hoch, sie sei sicher, dass ihr Freund einige schlaflose Nächte hinter sich habe: »Er war sehr offen und hat mir nichts verheimlicht.« Rechtsanwalt Frank Henk, Vertreter der 45-jährigen Geschädigten, erkundigte sich bei der Zeugin danach, ob sie von einem Brief des Angeklagten an die Geschädigte wisse. »Nein, davon ist mir nichts bekannt.« Ob ihr Lebensgefährte in früherer Zeit schon mal gewalttätig geworden sei, hakte Frank Henk nach. »Nein, in keinster Art und Weise.«

Richter Torsten Hoffmann versuchte zu analysieren, warum der Angeklagte nach dem Vorfall, den er nach seiner Darstellung ja völlig anders bewerte, das Gelände verlassen habe. »Vielleicht hat er da nicht ganz richtig gehandelt und hatte Angst um seine Gesundheit, weil er von mehreren Personen bedrängt wurde.« Die Verhandlung wird am 17. November mit der Anhörung weiterer Zeugen fortgesetzt. Sie sollen zur Klärung beitragen, ob der Angeklagte die 45-jährige Berleburgerin in der Nacht zum 1. November 2005 über den Raumländer Kunstrasen geschleift und ihr zwischen die Beine gefasst hat oder nicht.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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