Schwimmkurse im Rothaarbad
Mit fast 80 noch nicht in Rente

In den Kursen von Gertrud Welk, in denen viel gesungen und liebevoll mit den Kindern umgegangen wird, werden Übungen häufig wiederholt, es wird regelmäßig getaucht und Kindern das Drehen auf den Rücken immer wieder gezeigt.
  • In den Kursen von Gertrud Welk, in denen viel gesungen und liebevoll mit den Kindern umgegangen wird, werden Übungen häufig wiederholt, es wird regelmäßig getaucht und Kindern das Drehen auf den Rücken immer wieder gezeigt.
  • Foto: Schwimmschule
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sz Bad Berleburg. Keine Hilfeschreie, kein Wedeln mit den Armen. Wenn Babys oder Kinder ins Wasser fallen und untergehen, ertrinken sie ganz lautlos. Dieser stille Tod muss nicht in einem großen See passieren, dies kann auch in der Badewanne oder einer kleinen Pfütze geschehen. Ertrinken ist die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache bei Kindern – und deshalb kämpft die bald 80-jährige Gertrud Welk mit ihren „Aquakids“ seit über 20 Jahren dafür, dass Kinder Sicherheit im Wasser erhalten, sich orientieren lernen und im Notfall auf den Rücken drehen.

„Kinder fallen wie Steine ins Wasser, deshalb ist es für uns eine Herzensangelegenheit, Kindern überlebenswichtige Techniken mit auf den Weg zu geben“, sagt Gertrud Welk, die 2002 die „Aquakids“-Schwimmschule in Korbach gründete. Dass dies nicht leere Worthülsen sind, belegen zahlreiche Notfälle, in denen Babys und Kleinkinder dank dieser Methode sich selbst das Leben retteten. „Vor einigen Jahren war ein 18 Monate alter Junge bei seinem Opa zu Besuch, der einen Schwimmteich zu Hause hat. Dieser schloss die Haube des Teiches und suchte danach sein Enkelkind. Nach mehreren Minuten stellte er fest, dass der Junge in den im Februar extrem kalten Teich gefallen war. Er öffnete die Haube und der Junge hatte sich auf den Rücken gedreht und lag rücklings im Becken. Das sind die Momente, in denen man merkt, dass die Arbeit nicht nur Spaß macht, sondern lebenswichtig ist“, so Gertrud Welk. 1997 startete die gelernte Kinderkrankenschwester mit Hebammenschwimmkursen. Sie hangelte sich an verschiedenen Lehrbüchern entlang und ihr war klar, dass das nicht alles sein konnte und es definitiv bessere Methoden geben müsse. Kurz darauf absolvierte sie eine Kursleiterausbildung für Babys in Korbach, die ein Wochenende dauerte, ihren Ansprüchen aber nicht genügte. Sie hörte sich weiter um, blieb am Ball und absolvierte eine mehrwöchige Ausbildung für das Babyschwimmen in Köln. Wenn es die Zeit irgendwie zuließ – schließlich arbeitete sie als Kinderkrankenschwester häufig am Wochenende –, pendelte sie nach Köln, hospitierte und nahm so viel sie konnte an Wissen mit, das sie in ihren eigenen Kursen ausprobierte.

Im Jahr 2000 wurde der Bundesverband für Aquapädagogik (BvAP) gegründet, dem sich Gertrud Welk anschloss. Der heutige Dachverband, der für den überwiegenden Teil der deutschen privaten Schwimmschulen zuständig ist, hatte schon damals zum Ziel, Mitglieder durch Aus- und Fortbildung, Erfahrungsaustausch sowie gegenseitige Hilfestellungen in ihrem Bestreben zu unterstützen und eine qualitativ hochwertige, moderne Aquapädagogik anzubieten. Gertrud Welk war von 2008 bis 2017 Vizepräsidentin des Verbandes, ihre Tochter trat direkt im Anschluss in ihre Fußstapfen. Familie Welk hospitierte in den USA, Australien und Schweden und brachte die Idee des Rückenschwimmens mit nach Korbach.

Die „Aquakids“-Schwimmschule ist seit 2014 eine GbR mit Gertrud Welk und ihrer Tochter Barbara Noebel als Geschäftsführerinnen. Beim Babyschwimmen der „Aquakids“ stehen die Unfallprophylaxe sowie die Selbstrettungs- und Orientierungsfähigkeit im Vordergrund. In den Kursen, in denen viel gesungen und liebevoll mit den kleinen Wesen umgegangen wird, werden Übungen häufig wiederholt, es wird regelmäßig getaucht und Kindern das Drehen auf den Rücken immer wieder gezeigt. In den Kursen trifft man etliche „Wiederholungstäter“, die nicht nur ihr erstes Baby mit zu den „Aquakids“-Kursen bringen. „Meine Tochter Mila und ich besuchen seit dem Frühjahr 2018 einen Schwimmkurs bei Gertrud in Bad Berleburg. Die Intention war, dass Mila schwimmen lernt bzw. sich im Notfall über Wasser halten kann, schließlich liest man immer wieder von Ertrinkungsunfällen. Mila macht der Kurs große Freude und sie ist stolz, wenn sie wieder etwas dazu gelernt hat. Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, dass sie mit fast drei Jahren allein ins Wasser hüpft und schwimmen kann. Meine kleine Tochter Lina, die fünf Monate alt ist, habe ich auch schon für einen Kurs angemeldet“, so Nadia Löber.

Wenn Gertrud Welk die Babyschwimmkurse gibt, strahlt sie über das ganze Gesicht. Dafür düst sie auch zweimal in der Woche von Korbach nach Bad Berleburg und wieder zurück. „Ich gebe diese Kurse mit Leib und Seele, werde aber im Sommer aus gesundheitlichen und familiären Gründen kürzer treten und meine Kurse in gute Hände geben“, so Gertrud Welk. Der sechsfachen Oma, die am kommenden Samstag, 14. März, ihren 80. Geburtstag feiert, fällt es nicht leicht, auf ihre Kurse zu verzichten. Schließlich kennt sie ihre Schützlinge aus dem Effeff und weiß über jeden eine Geschichte zu erzählen. Aber wie heißt es so schön? Niemals geht man so ganz.

Mittlerweile arbeiten 20 Kursleiter für die „Aquakids“, die voll hinter dem Konzept von Gertrud und ihrer Tochter Barbara stehen. Allerdings wächst die Nachfrage an Baby- und Kinderschwimmkursen. Wer hat Freude am Umgang mit Babys und Kindern? Und wer arbeitest gerne mit Menschen und möchte Neues lernen? Dann sind die „Aquakids“ genau die richtige Adresse. Die renommierte Schwimmschule bildet ihre Kursleiter selbst aus und erteilt Schwimmunterricht im Sauerland, in Siegen-Wittgenstein, im Landkreis Waldeck Frankenberg und im Schwalm-Eder-Kreis. Weitere Informationen gibt es unter: www.aquakids.de.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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