SZ

SZ-Serie "Fenster zum Hof": Naturhof Jochen Born
Mit Forke, Kraft und Karre

Wölfe? Sollen mal kommen. 750 Kilo Gewicht hat der Schottische Hochlandrind-Bulle. Mit ihm möchte man sich dann doch lieber nicht anlegen.
6Bilder
  • Wölfe? Sollen mal kommen. 750 Kilo Gewicht hat der Schottische Hochlandrind-Bulle. Mit ihm möchte man sich dann doch lieber nicht anlegen.
  • Foto: rt
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

goeb Wingeshausen. Mein Gott, was für ein Kaventsmann. Karl, der Bentheimer-Zuchteber bringt es auf 350 Kilo, er schnauft in seinem Koben und frisst mit sichtlichem Genuss. Mit vier Jahren nähert sich sein „Regnum“ dem Ende, im übernächsten Gehege schmatzt bereits King Kong, der junge Nachfolger. „Erst hatte Karl noch Vatergefühle für ihn“, lacht Jochen Born vom gleichnamigen Naturhof in Wingeshausen bei Bad Berleburg (naturhof@jochen-born.de). „Jetzt nicht mehr.“ King Kong ist nun Konkurrent. Er soll dafür sorgen, dass die Zucht des einst fast ausgestorbenen Schweines weitergeht.
Bentheimer: dicht behaarte Bioschweine„Vor zehn Jahren gab es noch fünf weibliche und vier männliche Bentheimer“, erzählt der Wittgensteiner Biohofbetreiber über das dicht behaarte Bioschwein.

goeb Wingeshausen. Mein Gott, was für ein Kaventsmann. Karl, der Bentheimer-Zuchteber bringt es auf 350 Kilo, er schnauft in seinem Koben und frisst mit sichtlichem Genuss. Mit vier Jahren nähert sich sein „Regnum“ dem Ende, im übernächsten Gehege schmatzt bereits King Kong, der junge Nachfolger. „Erst hatte Karl noch Vatergefühle für ihn“, lacht Jochen Born vom gleichnamigen Naturhof in Wingeshausen bei Bad Berleburg (naturhof@jochen-born.de). „Jetzt nicht mehr.“ King Kong ist nun Konkurrent. Er soll dafür sorgen, dass die Zucht des einst fast ausgestorbenen Schweines weitergeht.

Bentheimer: dicht behaarte Bioschweine

„Vor zehn Jahren gab es noch fünf weibliche und vier männliche Bentheimer“, erzählt der Wittgensteiner Biohofbetreiber über das dicht behaarte Bioschwein. Normale Sauen bekämen bald Sonnenbrand. Diese nicht. Heute gibt es bundesweit wieder 420 Züchter, und Born legt großen Wert auf genetische Qualität. „Die Bentheimer passen zu unserer Hof-Philosophie“, plaudert er. Es wächst nicht so schnell wie die gängigen Hybridschweine, dafür ist es robust und liefert unverwechselbares Fleisch.
Er und seine Frau Heike sind jeden Tag draußen mit den Tieren beschäftigt oder auf dem Grünland unterwegs. Auch die Kinder helfen gern. Sie hat bei der Landwirtschaftskammer vor fünf Jahren eine Weiterbildung zur Bauernhof-Pädagogin gemacht und hat damit für die Familie ein zweites Standbein geschaffen, das sie nicht mehr missen möchte.

Kenntnisse bei Kindern nehmen deutlich ab

Bei Borns gibt es die Kinderevents, also zum Beispiel Geburtstagsfeiern oder Ponystunden, aber auch (erlebnis-)pägagogische Veranstaltungen für Schulen, auch weiterführende.
Auf die Frage, was die Kinder über Nutztiere heute noch wissen, runzelt sie die Stirn. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die Kenntnisse nehmen doch deutlich ab, findet sie. Wo denn die Milch herkommt, wird sie schon mal gefragt, oder wo die Hühnerküken bei der Mutter trinken.

So manche Lehrer
haben mir hinterher gedankt
und mir gesagt: Das hätten wir
im Klassenzimmer
so nie hingekriegt.
Heike Born
Bauernhof-Pädagogin

Bei Borns läuft das nicht trocken ab. Ein Lagerfeuer brennt, Stockbrot wird geröstet, die Pädagogik entfaltet ihren Zauber im Tun. Auch übernachtet wird rustikal, etwa in der Scheune oder ganz outdoor, die Veranstaltung „Weihnachten im Stroh“, zwei Tage vor Heiligabend, ist lange vorher ausgebucht. Corona hat zwar vieles auf Eis gelegt, doch jetzt nehmen die Veranstaltungen wieder zu. Bei den Schülern geht es auch um Wissensvermittlung. „So manche Lehrer haben mir hinterher gedankt und mir gesagt: Das hätten wir im Klassenzimmer so nie hingekriegt.“

Urige Rinder mit fransigen Häuptern

Auch eine Visite bei der Herde der schottischen Hochlandrinder ist neben Hühnern, Pferden und Schweinen für Besucher ein Muss. In einem bewaldeten Tälchen in Richtung Röspe heben vier Kühe mit Kälbern und der 750 Kilo schwere Bulle ihre fransigen Häupter.
Können die durch den Vorhang vor den Augen genug sehen? „Typische Schülerfrage“, lacht Heike Born. „Ja, das können sie. In Schottland ist die Luft salzhaltig und die Zotteln schützen die Augen“, erzählt sie. Man hat großen Respekt vor den urigen Tieren, die ganzjährig draußen stehen und deren im Frühjahr gesetzte Kälber erst um Weihnachten von ihren Müttern getrennt werden, um sie an den Menschen zu gewöhnen.
Die Frage, ob Wölfe (sollten sie kommen) die Tiere angreifen könnten, wo sie doch so einsam draußen stehen, verneint Jochen Born. Zu wehrhaft, diese spitzen Longhorns. Bei Gefahr schützen die erwachsenen Rinder die Kleinen instinktiv und bilden einen Kreis um sie.

Heike und Jochen Born betreiben den Naturhof im Wittgensteinischen. Der Biohof verfolgt durchaus eine eigene Philosophie. Die Türen stehen jedem offen, sagt die Bauernhof-Pädagogin.
  • Heike und Jochen Born betreiben den Naturhof im Wittgensteinischen. Der Biohof verfolgt durchaus eine eigene Philosophie. Die Türen stehen jedem offen, sagt die Bauernhof-Pädagogin.
  • Foto: rt
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

Bio-Ernährung und -haltung

52 Hektar Grünland bewirtschaften die Borns mit insgesamt 50 Hochlandrindern. Groß Werbung machen muss der nach EU-Verordnung zertifizierte Biobetrieb nicht. „Meine Frau greift zum Telefon, und dann ergibt sich das“, erklärt er.
Der Hausmetzger in Wunderthausen ist auch der einzige in Wittgenstein, der Schweine verarbeitet, berichtet der staatlich geprüfte Landwirt. Im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit war Born für ein paar Jahre beim Großbetrieb Tönnies, und acht Jahre arbeitete er als Wisent-Ranger, ehe er ernsthaft erkrankte und kürzertreten musste.
Handschlachtung, Bio-Ernährung und -haltung der Tiere, dazu die viele Handarbeit: Das kostet natürlich. „Aber die Menschen schätzen so etwas zunehmend“, erzählt er, „und sind auch bereit, das zu entlohnen. Wir arbeiten hier FKK“, scherzt er. „Forke, Kraft und Karre.“

„Wir gehen unseren eigenen Weg“

Dass ihm das Etikett „Systemkritiker“ in Landwirtschaftskreisen anhängt, damit kommt Born gut zurecht. „Wissen Sie, die meisten Landwirte kriegen nur noch Abrechnungen. Das konnte ich nie leiden. Ich wollte immer Rechnungen stellen.“
Über verfehlte Agrarpolitik könnte Born abendfüllend sprechen. Immer größer, immer effektiver. Ihn nervt zum Beispiel, dass viele schmackhafte Teile der Tiere gar nicht mehr für die Küche verwertet werden. „Da lassen die Lebensmittelriesen aus Südamerika nur Rücken kommen“, schüttelt er den Kopf und fügt hinzu. „Nicht mit uns. Wir gehen unseren eigenen Weg.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

8 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
2 Bilder

Neues Angebot auf 57immo.de
Jetzt Immobilie von Experten bewerten lassen

Gründe für eine Immobilienbewertung gibt es viele: Sie kann erforderlich sein für den Kauf oder Verkauf eines Hauses, beim Schließen eines Ehevertrages oder auch beim Verschenken des Eigentums an die Kinder. Allgemein gilt: Wer den Wert seiner Immobilie kennt, hat in vielen Situationen einen Vorteil. Mit der Immobilienbewertung der Vorländer Mediengruppe bekommen Haus- und Wohnungsbesitzer nun ein passendes Werkzeug zur schnellen und zuverlässigen Einschätzung des Wertniveaus an die Hand – und...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.