Mit fremden Karten tanken und abheben

38-jähriger Berleburger erhielt gestern einjährige Bewährungsstrafe für Computerbetrug

JG Bad Berleburg. »Es stand Weihnachten vor der Tür« – diesen wackeligen Erklärungsansatz präsentierte der 38-jährige Angeklagte gestern Morgen im Berleburger Amtsgericht, als ihn Richter Torsten Hoffmann fragte, weshalb er eigentlich einer Nachbarin im vergangenen November zunächst die Geheimnummer und dann auch noch die dazugehörige EC-Karte unterschlagen hatte.

Nachbarin 2000 E vom Konto geräumt

Der zweifache Vater wusste keinen anderen Ausweg, auf dem er mit 700 e Arbeitslosenhilfe, plus Wohngeld, plus Kindergeld seine Familie über die Geschenke trächtige Weihnachtszeit bringen konnte. Und so zweigte er zwei Briefe aus der Post seiner über 80-jährigen Nachbarin ab, als die in der Adventszeit im Krankenhaus lag. Mehr als 2000 e hob der Berleburger daraufhin vom Konto der Seniorin ab. Überwachungs-Aufnahmen vom Geldautomaten hatten ihn schließlich überführt. Und so blieb dem Mann kaum etwas anderes übrig, als die Tat zu gestehen.

Sprit für 1800 E lief aus dem Hahn

Und auch die andere Hälfte der Vorwürfe stritt der Angeklagte gestern nicht ab, doch auch hierfür hatte er wieder einen wackeligen Erklärungsansatz in petto. Er hatte nämlich die Tankkarte seines ehemaligen Chefs einfach einbehalten und war auch nach seiner Kündigung von August bis Dezember 2002 fröhlich damit tanken gefahren. Schließlich habe ihn der Chef in den sieben Jahren des gemeinsamen Arbeitsverhältnisses auch mehr als einmal übers Ohr gehauen: »Er hat mir Stunden nicht bezahlt, und Fahrten nicht bezahlt.« Und so hatte der gestern Angeklagte reichlich Gebrauch gemacht von der Tankkarte. Bei 43 Stopps ließen die Zapfsäulen Sprit im Wert von mindestens 1800 e fließen.

»Mir kommt das ein bisschen viel vor«

Nicht allein in den Tank des Gekündigten. Höchstens drei, vier Mal habe er selbst Normal nachgefüllt, in den anderen rund 40 Fällen habe er Bekannte tanken lassen. Die Rechnung dabei: Kumpels tankten auf Karte für 50 e und bezahlten dem betrügerischen Spritvermittler dann 30 e. Wenn der 38-Jährige gestern auch zunächst kleinlaut anmerkte »Mir kommt das ein bisschen viel vor«, räumte er schließlich ein, dass die Zahl wohl doch stimmen könnte. Ende Oktober etwa wurde gleich dreimal auf die eine Karte getankt: »Ich bin mit Freunden dahin gefahren.« Denn der zuvor in mehreren Berufen gescheiterte Selfmade-Koch, der einst auf Mallorca in einem festen Arbeitsverhältnis brutzelte, muss nach 17 Punkten in Flensburg heute auf seinen eigenen Führerschein verzichten.

Nun Hoffen auf den Bewährungshelfer

Auch wenn der mehrfach, sogar einschlägig vorbestrafte Dieb und Hehler gebetsmühlenartig mehrfach wiederholte, »Mir tut die ganze Sache leid« und sowohl Staatsanwalt Wolfgang Nau als auch Richter Torsten Hoffmann die schwierige finanzielle Situation des Angeklagten berücksichtigten, dann störte beide doch sehr die Kaltschnäuzigkeit insbesondere gegenüber der älteren Nachbarin. Am Ende forderte Wolfgang Nau ein Jahr Haft auf Bewährung sowie die Ableistung von 200 gemeinnützigen Arbeitsstunden.

Torsten Hoffmann entsprach diesem Antrag hundertprozentig und verurteilte den Mann wegen Computerbetrugs. Der Richter setzt nun vor allem auf die Hilfe des Bewährungshelfers, der dem im Leben verlorenen Berleburger künftig zur Seite stehen soll. Denn der unterstrich in der Verhandlung: »Ich will ja arbeiten.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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