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Wittgensteiner Museen unter Corona
Mit Mundschutz ist eine Kostümführung witzlos

Diese „Versammlungen“ sind nicht erlaubt. Darum macht es für Museums-Moderatorin Gabriele Rahrbach-Reinhold auch keinen Sinn, mit Mundschutz und nur paar Leuten, die meterweit auseinanderstehen, ihre Führungen anzubieten. Archivfoto: Holger Weber
  • Diese „Versammlungen“ sind nicht erlaubt. Darum macht es für Museums-Moderatorin Gabriele Rahrbach-Reinhold auch keinen Sinn, mit Mundschutz und nur paar Leuten, die meterweit auseinanderstehen, ihre Führungen anzubieten. Archivfoto: Holger Weber
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howe Wittgenstein. Dass die Museen in Nordrhein-Westfalen wieder für den „Besucherverkehr“ geöffnet werden dürfen, geschah ja vor dem Hintergrund, Familien im Freizeitbereich wieder etwas Luft zu verschaffen. Den Bürgern sollte ein Teil ihrer seit Wochen eingeschränkten Freiheiten zurückgegeben werden. Allerdings sieht die Realität etwas anders aus, denn die Auflagen bereiten reichlich Arbeit – besonders den kleinen Heimathäusern.

„Wir bräuchten Plexiglasplatten, die geschnitten werden müssen“, nennt Hans Necker vom Bad Laaspher Radiomuseum eines der Probleme. „Ich habe was vorbereitet, warte mit dem Öffnungssignal aber auf die Stadt.“ Aktuell fahre das Museum „auf Sparflamme“, ebenso wie die anderen Einrichtungen.

howe Wittgenstein. Dass die Museen in Nordrhein-Westfalen wieder für den „Besucherverkehr“ geöffnet werden dürfen, geschah ja vor dem Hintergrund, Familien im Freizeitbereich wieder etwas Luft zu verschaffen. Den Bürgern sollte ein Teil ihrer seit Wochen eingeschränkten Freiheiten zurückgegeben werden. Allerdings sieht die Realität etwas anders aus, denn die Auflagen bereiten reichlich Arbeit – besonders den kleinen Heimathäusern.

„Wir bräuchten Plexiglasplatten, die geschnitten werden müssen“, nennt Hans Necker vom Bad Laaspher Radiomuseum eines der Probleme. „Ich habe was vorbereitet, warte mit dem Öffnungssignal aber auf die Stadt.“ Aktuell fahre das Museum „auf Sparflamme“, ebenso wie die anderen Einrichtungen. Klar sei für ihn aber, dass alle Corona-Maßnahmen keine diktatorischen Anordnungen des Staates gewesen seien, sondern sie dienten dem Schutz der Bevölkerung, so der 74-Jährige.

Im Bad Laaspher Pilzmuseum wäre Platz für Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Desinfektionsmittelspender im Eingangsbereich, Maskenpflicht, Abstand halten, vielleicht eine Art Einbahn-Rundgang organisieren und an den Nadelöhren Abstandsmarkierungen anbringen: Das alles müsste erledigt werden, wie TKS-Geschäftsführerin Signe Friedreich auf SZ-Anfrage erläutert. Noch seien Haus des Gastes und Bücherei geschlossen, also öffne man zurzeit auch das Pilzmuseum nicht. „Wir warten, bis es Lockerungen für den Tourismus gibt.“ Denn nur für die hiesige Bevölkerung das Pilzmuseum zu öffnen, mache keinen Sinn. Signe Friedreich: „Das steht in keinem Verhältnis zu unseren Besucherzahlen.“ In den Startlöchern stehe die TKS dennoch. Es gebe eben nur eine Menge vorzubereiten. Und nicht zuletzt erforderten die Maßnahmen im Nachgang einen hohen Reinigungsaufwand. „Zunächst“, so die TKS-Chefin, „gibt es aber wichtigere Bereiche, um die man sich kümmern sollte: Gastronomie und Hotellerie.“

Auch in Feudingen bleiben die Pforten des Heimatmuseums Oberes Lahntal noch geschlossen. „Wir wollen uns erst im Team treffen“, erläuterte Anne Bade. Die nächste turnusgemäße Öffnung erfolge am ersten Sonntag im Juni. „Das packen wir locker.“ Zuvor seien aber wichtige Dinge zu klären: Spender aufstellen zum Hände desinfizieren, Abstandsregelung und dabei müsse auch erörtert werden, wie viele Menschen sich überhaupt in einem Raum aufhalten dürften. Klar sei leider auch, so Anne Bade, dass zunächst der Öffnungstag im Juni ohne Kaffee und Waffeln stattfinde. „Und trotzdem freuen wir uns auf die Gäste und auf unsere Stammkunden.“

Im Heimatmuseum Banfetal in Banfe würde der nächste Termin am 7. Juni mit einer Sonderausstellung zu „100 Jahre Vereinssport in Banfe“. Da war doch was? Mitten im Jubiläumsjahr des VfB wäre das sicher eine gelungene Schau gewesen. „Aber das konzentriert sich alles auf den Ausstellungsraum. Und das bekommen wir nicht bewerkstelligt“, befürchtet Museumsleiter Eckhard Linke. Zehn Leute dürften vielleicht eingelassen werden ins Heimatmuseum Banfetal, „dann wird es schwierig.“ Was eine grundsätzliche Öffnung der Einrichtung an der Banfetalstraße anbetrifft, so will Eckhard Linke zunächst den Kontakt zur Stadtverwaltung knüpfen und Rat einholen.

Ansonsten, sagt er, bitte Rikarde Riedesel vom Verbund „Museen in Wittgenstein“ am 14. Mai zu einer Videokonferenz. Dann sehe man weiter. Apropos: Jeder müsse natürlich für sich prüfen, wie Abstände, Laufrichtung oder Hygiene umgesetzt würden, erklärt Rikarde Riedesel. Und dann gebe es ja auch Museumsführer, die durchaus zur Risikogruppe zählten. „Ich hoffe, dass es bald wieder losgeht“, betont die Bad Berleburger Abteilungsleiterin Stadtarchiv und Kultur. Denn es sei wichtig, dass wenigstens Familien mit ihren Kindern ein neues Ausflugsziel bekämen. Jedoch: Die Öffnung muss vorbereitet werden. „Wir brauchen wegen Corona für alles mehr Zeit.“ Alle seien bemüht, sich an die Vorgaben zu halten.

Gabriele Rahrbach-Reinhold kann die Vorgaben gar nicht einhalten. „Und deshalb bleibt die Perücke der Gräfin im Schrank.“ Ohnehin sei eine Gruppenführung erstens immer noch nicht erlaubt, außerdem mache eine „Gräfin mit Mundschutz“ keinen Sinn. Derweil ist die Pralinen-Führung, die zuletzt bei den Besuchern riesig angekommen war, schon erst recht nicht möglich. „Ich darf definitiv nichts rausgeben“, so Gabriele Rahrbach-Reinhold. Und wie gesagt: „Mit Mundschutz ist eine Kostümführung witzlos.“ Wie es insgesamt in den Museen weitergeht, das braucht noch seine Zeit.

Im Erndtebrücker Heimathaus hat man übrigens schon vor geraumer Zeit reagiert. Hier bietet Guido Schneider bei „YouTube“ seit sechs Folgen – im Rahmen des Projekts „heimat.online“ der Gemeinde Erndtebrück – ein spannendes Online-Format in Form einer Museums-Tour. Wann das Haus wieder für den Publikumsverkehr öffnet, muss auch hier erst noch detailliert besprochen werden.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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