Mit Ohrfeigen Verlauf eingebläut

Der Diedenshäuser Heimatverein vollendete in einem dritten Abschnitt seinen Grenzgang

Diedenshausen. Für alle lokalgeschichtlich Interessierten und Wanderwilligen organisierte jetzt der Heimat- und Verkehrsverein Diedenshausen einen Grenzgang. Nach 1997 und 1999 sollte nun in einem dritten Gang die Gemarkungsgrenze um den Ort abgeschlossen werden. Vor vier Jahren wurde zunächst die Grenze entlang der Elsoff abgeschritten, zwei Jahre später die weit in den hessischen Bereich ausgreifende Gemarkungsgrenze zu Dodenau, Bromskirchen und Wunderthausen.

180 Teilnehmer wanderten mit

Diesmal bewegten sich gut 180 Grenzgänger von Teiche über Hemches-Berg nach Kraftsholz. Ziel war die Diedenshäuser Festhalle. Erstmals in der Geschichte der neuen Grenzgänge bewegte sich der Wandertross in alter keltischer Tradition parallel zum Sonnenverlauf auf der Gemarkungsgrenze zu Wemlighausen. Diese nimmt einen recht ungewöhnlichen Weg unterhalb des Gebirgskamms und schließt letztendlich die Umrundung Diedenshausens unter Berücksichtigung der Grenze zu Wunderthausen ab.

Bürgermeister musste Trennstein fühlen

Was für heutige Grenzgänger eher ein Vergnügen ist, war vor 500 Jahren eine schmerzliche Angelegenheit – jedenfalls für manche. Bürgermeister wurden mit dem Gesäß über den Grenzstein geschwenkt, damit sie sich den Verlauf gut einprägten. Dem gleichen Zweck diente das Ohrfeigen von Knaben, die laut einer Gemeindeordnung aus dem Jahre 1562 ab dem 7. Lebensjahr an den Grenzgängen teilnehmen mussten. Meist wurden fromme Männer ausgewählt, um die Grenze zu bestätigen. Die Festschreibung des Grenzverlaufs, weiß Klaus Homrighausen vom Heimat- und Verkehrsverein Diedenshausen zu erzählen, war zur damaligen Zeit alles andere als genau. Hieß es zunächst, die Grenze gehe bis zum Apfelbaum in Schüsslers Wiese, so wurde die Urkunde bei Fällung des Obstbestandes flugs geändert in: »Die Grenze geht bis zum Apfelbaum, wo er gestanden hat.« Historisch überliefert sind die jahrhundertelang durchgeführten Grenzgänge entlang der Trennlinie zwischen der Grafschaft Wittgenstein und dem Besitz der Landgrafen von Hessen entlang der Elsoff. Bestätigungen der Grenze oder kleinere Grenzkorrekturen wurden bei Brot, Wein und Schinken vorgenommen.

Blick auf die Gesamtgeschichte gerichtet

Niemals stattgefunden haben allerdings Grenzgänge entlang der Gemeindegrenzen. Diese lagen gemeinhin innerhalb der Grenzen des Landesherrn und befanden sich somit im Gesamtbesitz des Landesherrn. Der Grenzverlauf zwischen Lehngütern, die die Bauern des einen Ortes bewirtschafteten und denen, die von den Bauern des Nachbarortes bearbeitet wurden, waren eher willkürlich. Dies führte zwangsläufig zu einer Zerlappung einzelner Gemarkungsgrenzen. Mit seinem Grenzgang belebte der Heimat- und Verkehrsverein nicht nur die Grenzgangtradition, sondern lenkte den Blick auf die Gesamtgeschichte des Dorfes.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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