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Helfer täglich auf der Baustelle
Museum am Rothaarsteig entsteht auf dem Sengelsberg

Auf dem Sengelsberg ist vom äußeren und industriell geprägten Erscheinungsbild der ehemaligen Dekor-Werkshalle nicht mehr viel zu sehen. Bei Sonnenlicht erstrahlen zwei Seiten des Museums am Rothaarsteig bereits in neuem Glanz. Über 900 Bretter haben die Mitglieder des Heimatvereins „Landwirtschaft und Brauchtum“ angebracht.
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  • Auf dem Sengelsberg ist vom äußeren und industriell geprägten Erscheinungsbild der ehemaligen Dekor-Werkshalle nicht mehr viel zu sehen. Bei Sonnenlicht erstrahlen zwei Seiten des Museums am Rothaarsteig bereits in neuem Glanz. Über 900 Bretter haben die Mitglieder des Heimatvereins „Landwirtschaft und Brauchtum“ angebracht.
  • Foto: ako
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ako Bad Berleburg. „Wenn die Sonne nachmittags richtig steht, leuchtet die Außenfassade“, sagte Christoph Vetter. Er richtete seine Augen auf eine 30 Meter lange ehemalige Dekor-Werkshalle, die sich früher an einer ganz anderen Stelle vorgefunden hat. Seit zwei Jahren schon steht das Bauwerk, das in Zukunft unter dem Namen Museum am Rothaarsteig für Besucher zugänglich sein soll, an seinem neuen Platz, auf dem Sengelsberg. Dort errichtet hat es der Heimatverein „Landwirtschaft und Brauchtum“, dessen Mitglieder auch in Zeiten der Pandemie täglich fleißig damit beschäftigt sind, die Fertigstellung des Gebäudes weiter voranzutreiben.
Wegen des Virus’ hatten die Arbeiten zwar teilweise nur in „kleinen Schritten“ erfolgen können, wie der 1.

ako Bad Berleburg. „Wenn die Sonne nachmittags richtig steht, leuchtet die Außenfassade“, sagte Christoph Vetter. Er richtete seine Augen auf eine 30 Meter lange ehemalige Dekor-Werkshalle, die sich früher an einer ganz anderen Stelle vorgefunden hat. Seit zwei Jahren schon steht das Bauwerk, das in Zukunft unter dem Namen Museum am Rothaarsteig für Besucher zugänglich sein soll, an seinem neuen Platz, auf dem Sengelsberg. Dort errichtet hat es der Heimatverein „Landwirtschaft und Brauchtum“, dessen Mitglieder auch in Zeiten der Pandemie täglich fleißig damit beschäftigt sind, die Fertigstellung des Gebäudes weiter voranzutreiben.
Wegen des Virus’ hatten die Arbeiten zwar teilweise nur in „kleinen Schritten“ erfolgen können, wie der 1. Vorsitzende des Heimatvereins, Klaus Daum, berichtete. Dennoch habe man die Coronazeit auch „gut“ genutzt. So wurden unter anderem an der Außenfassade mehr als
900 Bretter – „aus Kalamitätsholz“ – angebracht. Abgedeckt ist damit aber bislang nur die Hälfte des Gebäudes. Die Rückseite ist noch komplett frei. „Und wir haben nur außen schon jetzt über 5000 Schrauben verbraucht“, merkte Christoph Vetter an. Er gehört zu den rund 150 Mitgliedern des Heimatvereins „Landwirtschaft und Brauchtum“.

"Ideelle" Mitglieder sind wichtig

Von ihnen helfen laut Klaus Daum aber nicht alle bei den Bauarbeiten mit. Die meisten würden den Verein „ideell“ unterstützen, was dem 1. Vorsitzenden zufolge aber genauso wichtig sei: „Wir brauchen auch ideelle Mitglieder.“ Zur Baustelle komme hingegen nämlich „nur“ der „harte Kern“, erklärte Christoph Vetter. Das seien diejenigen, die mit „richtig viel Herzblut hier hochkommen.“ Zu Ihnen gehört auch Friedhelm Kroh, der so ziemlich jeden Tag vor Ort ist. „Dem müssen wir auch mal ein dickes Lob aussprechen“, betonte Christoph Vetter.

15.000 Arbeitsstunden werden es sein

Mehrere Tausend Stunden haben die Mitglieder für die Fertigstellung des Museums schon angebracht. Und es gibt noch immer einiges zu tun: „Wenn wir einmal fertig sind, dann werden es über 15.000 Arbeitsstunden sein“, sagte Klaus Daum. „Wenn nicht noch mehr“, betonte Christoph Vetter. Denn der Heimatverein hat bis Ende 2019 auch von EU-Fördermitteln profitiert, die etwa 35 Prozent der anfallenden Baukosten abdecken – etwa 167.000 Euro. Während der Förderungsdauer habe der Heimatverein die Arbeitszeit angeben müssen: „Über 6000 Stunden waren das“, sagte Klaus Daum, der sich auch bei der Stadt Bad Berleburg und Bürgermeister Bernd Fuhrmann für die Akquisition bedankte: „Wir sind froh, dass wir die Förderung bekommen haben.“
Allerdings muss der Heimatverein für die Errichtung seines neuen Museums auch eine Eigenleistung in Höhe von 65 Prozent tragen. Bei geplanten Baukosten von etwa einer halben Million Euro sei das doch sehr viel, wie Christoph Vetter anmerkte: „Und andere Projekte werden mit deutlich mehr Geld gefördert.“ Trotz Förderung habe der Heimatverein „Landwirtschaft und Brauchtum“ folglich für die Errichtung des Museums einen hohen Kredit aufnehmen müssen. Es sei daher nicht selbstverständlich gewesen, dass alle innerhalb des Vereins mitziehen: „Ich bin stolz darauf, dass uns unsere Mitglieder bei dem Vorhaben so gut unterstützen“, betonte Klaus Daum.

Hochmoderne Museums-Halle

Und obwohl das Gebäude noch nicht fertiggestellt wurde, ist das Resultat schon jetzt beachtlich. Denn die 30-Meter lange Halle ist nicht nur optisch ansprechend, sondern auch hochmodern, klimafreundlich und ans Highspeed-Netz angeschlossen: „Wir haben hier Hochleistungs-WLAN“, sagte Klaus Daum. Im Innenraum ist es dank Oberlichtern und großen Fensterfronten schön hell. Das Gebäude verfügt über eine Luft-Wärmepumpe. Die Fußbodenheizung mit Betonkernaktivierung ermöglicht es, dass die Räume schnell warm werden. Allein in der Ausstellungshalle sind Klaus Daum zufolge dafür über 1,5 Kilometer Heizschläuche verlegt worden. Damit die Wärme nicht verloren geht, verfügt die Halle über die „neuste Dämmung“, erklärte der 1. Vorsitzende.
Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach produziert so viel Strom, dass die Energieversorgung nicht nur problemlos gesichert ist, sondern auch Strom verkauft werden könne. Außerdem habe der Heimatverein beim Aufbau auf recycelte Materialien gesetzt: „Hier ist so vieles wiederverwendet worden“, betonte Klaus Daum, der unter anderem auch die Isowandpaneele hervorhob. Bis auf die Maurer- und Betonarbeiten hätten die Mitglieder so ziemlich alles selbst aufgebaut. Denn unter ihnen sind viele professionelle Handwerker, erklärte Christoph Vetter.

Alles barrierefrei zugänglich

Das Gebäude verfügt über eine Grundfläche von 600 Quadratmetern. Weil aber im Inneren zweistöckig gebaut wurde, stehen zusätzlich nochmal 180 Quadratmeter zur Verfügung. Die zweite Etage dient aber größtenteils als Abstellfläche für die Exponate, die gerade nicht ausgestellt werden. Außerdem hat der Wittgensteiner Heimatverein „oben“ auch einen Raum angemietet, den er als Archiv nutzt, wie Christoph Vetter erklärte. Im Untergeschoss befinden sich ein Eingangsbereich, ein Medienraum, eine Küche mit Industriespülmaschine und sanitäre Einrichtungen – alles barrierefrei zugänglich.
In der Ausstellungshalle sollen künftig modulare Trennwände installiert werden. Um Räume und Themen flexibel darzustellen: „Es handelt sich dabei um ein an die jeweilige Ausstellung angepasstes Raumkonzept“, wie Klaus Daum betont. Aber die Halle soll auch für private Feiern angemietet werden können. Trotz der Raumgröße reiche der Platz gerade einmal dafür aus, die derzeit noch ausgelagerten Exponate des Heimatvereins unterzubringen: „Wenn wir alles hier hinholen, dann ist die Halle voll“, so Klaus Daum. Und einige große und kleine Exponate stehen bereits in der Ausstellungshalle. So wie der alte rote Mähdrescher, der so wie alle Gerätschaften noch betriebsfähig ist. Er gehört zu den ältesten in ganz Wittgenstein, erklärte Klaus Daum.

Arbeitsstunden und Geld gespendet

Der Heimatverein habe sich auch oft über die ein oder andere Spende in Form von Geld oder Material freuen dürfen. Sponsoren und heimische Unternehmen hätten zudem auch „kostenlose Arbeitsstunden“ gespendet – „dafür wollen wir uns bedanken“, so Klaus Daum. Generell habe der Heimatverein große Unterstützung „in Wittgenstein und darüber hinaus“ erfahren. „Viele Berleburger sind schon vorbeigekommen, haben geguckt und die Außenfassade gelobt“, berichtete Christoph Vetter.
Aber es gab in diesem Jahr auch große Rückschläge. Wie viele andere Vereine wurde auch der Heimatverein „Landwirtschaft und Brauchtum“ mit der Pandemie konfrontiert. So sind beispielsweise der jährlich stattfindende Osterbasar und sämtliche andere Veranstaltungen wegen Corona ausgefallen. „Uns sind die kompletten Einnahmen weggebrochen“, erklärte Klaus Daum. Deshalb hatten die Verantwortlichen auch die Corona-Soforthilfe beantragt, die auch bewilligt worden ist: „Das sind aber nur 9000 Euro“, sagte der Vorsitzende, der zusammen mit seinen Mitgliedern weiter an der Verwirklichung des Projektes arbeiten wird: „Seit sechs Jahren verfolgen wir dieses Ziel. Seit zwei Jahren bauen wir hier schon. Und das nur mit Ehrenamtlichen, denen ich allen ein Lob aussprechen muss.“
Trotz Corona überlegt der Vorsitzende, deshalb noch in diesem Jahr eine Veranstaltung zu organisieren, in der Adventszeit: „Um all unsere Mitglieder mal wiederzusehen.“ Allerdings zählten viele von ihnen aufgrund des Alters zur Risikogruppe: „Die Überlegungen sind da, aber wir wollen niemanden gefährden.“

Kooperation mit der Kyffhäuser Kameradschaft

Weil der Heimatverein „Landwirtschaft und Brauchtum“ für die Gestaltung des Außengeländes demnächst erneut Fördermittel erhalten könne – „darauf müssen wir aber erstmal warten“ –, plant Klaus Daum die kommende Zeit „anders“ zu nutzen und die ausgelagerten Exponate zurückzuholen: „Der nächste Schritt ist, die eigenen Sachen nach Hause zu holen.“ Bei den umfangreichen Arbeiten rund um das Außengelände des neuen Museums am Rothaarsteig will der Verein auch mit seinem „Nachbarn“, der Kyffhäuser Kameradschaft Berleburg – dessen Vereinsgelände direkt an das Areal des Heimatvereins angrenzt – enger kooperieren: „Wir rücken dafür zusammen“, sagte der Vorsitzende, der mit dem neuen Museum einen „zentralen Anlaufpunkt“ schaffen will, wo sich die Besucher über die gesamte Museumslandschaft in Wittgenstein informieren können.
Auf dem Sengelsberg in Bad Berleburg soll in Zukunft ein kulturelles Heimatzentrum entstehen, das verschiedene Vereine durch kurze Wege miteinander verbindet. Neben dem neuen Museum des Heimatvereins „Landwirtschaft und Brauchtum“ will dort auch der Jugendförderverein für seine großen Mengen an Ausrüstung eine Käferholz-Halle errichten lassen und hat dafür eine entsprechende Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Gleichzeitig hat die Kyffhäuser Kameradschaft Berleburg, die sich um Brauchtumspflege kümmert, vor Ort ihr Vereinsheim.

Autor:

Alexander Kollek

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