Musik, Musiker und ihre Freunde

Vierter Konzertabend auf Schloss Berleburg / Von Dragonetti bis Wolf

gmz Bad Berleburg. Kontrabass, Flöte, Viola und Klavier standen am Donners-tag im Mittelpunkt des solistischen Interesses: Die »Salzburger Solisten und Freunde« luden zum vierten Konzert mit ebenso kontrastreichem wie abwechslungsreichem Programm im Rahmen der Musikfestwoche auf Schloss Berleburg. Und wieder ließen sich viele Musikfreunde aus Nah und Fern laden.

Heiter und zugleich skurril waren die Stücke, romantisch-gefühlvoll oder jazzig-pointiert, nachdenklich und energiegeladen, zielgerichtet und konzentriert, lebhaft und witzig. Domenico Dragonetti, Christoph Willibald Gluck, George Enescu, Edward Elgar, Joaqu#92n Turina (der statt des vorgesehenen Alfred Mendelsohn auf dem Programm stand) und Hugo Wolf waren die Komponisten.

Den Auftakt bildete Mette Hanskovs Interpretation (Spiel, Arrangement und Kadenzen) von Dragonettis Konzert für Kontrabass und Streicher, bei dem die Solistin, begleitet von den Salzburger Solisten, zeigte, dass der Kontrabass keineswegs nur für die »groben Konturen« im Ensemble zuständig ist, sondern dass ihm eine große Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung steht. Mette Hanskov entwickelte diese Ausdrucksvielfalt in dem dreisätzigen Werk. Sie schreitet, von einer klassischen Melodie ausgehend, zunächst scheinbar tastend voran, formt dann, im ruhigen zweiten Satz, in der schönen Kadenz, aus der »Tonenergie« des Instrumentes eine wunderbare Melodie, die von der Solistin variiert und von den Mitspielern aufgenommen wird, um im dritten Satz zu leichtfüßiger und witzig zelebrierter Gemeinsamkeit zu kommen.

Mit großen Gesten und elegischem Grundton brachte die Flötistin Janne Thomsen gemeinsam mit den Salzburger Solisten in Glucks »Dance of the blessed Spirits« die Geister der Musik zum Tanzen, umschlang die eleganten Trippelschritte und die bewegten Drehungen mit träumerischen Bögen und beschwor den Fluss der Melodie, nicht das Ziel. Jazzige Pointiertheit und weicher Fluss waren die Kontraste, aus denen Janne Thomsen und Lory Wallfisch (Klavier) in Enescus Cantabile e presto für Flöte und Klavier ein Stück entstehen ließen, das die musikalische Pose auslotete und die Bewegung auskostete: Hastig, gemessen, bewusst formend und gehetzt, suchend und zusammenfassend beherrschten die beiden Solistinnen das Geschehen, unter das Lory Wallfisch einen ironischen Schlusspunkt setzte. Mit klarem Ton und präzisem Spiel legte Vladimir Mendelsohn gemeinsam mit den Salzburger Solisten in Elgars »Chanson de Soir et Chanson de Matin« die Bewegtheit der Nacht, die zur Ruhe findet, und die gesammelte Aufbruchstimmung des Morgens dar. Spannend war, wie der Solist das Gewirr der »morgendlichen Tätigkeiten« ordnete und mit zuversichtlicher Tatkraft füllte – und dabei selbst (fast) »mit gutem, aktivem Beispiel« voranging! Turinas »Oracion del Torero«, gekonnt dargeboten vom Voces Quartett, überraschte durch zurückhaltung und leise, nachdenkliche Töne, die man bei diesem Titel eigentlich so nicht erwartet hätte.

Der Held, wenn er einer wird, sammelt sich, wägt ab, im Hintergrund hört man gelegentlich »den Stier mit den Hufen scharren«, aber im Mittelpunkt stehen die Überlegungen des Toreros angesichts des Kampfes auf Leben und Tod. Die Frage nach dem Sinn der Begegnung (jenseits aller Stierkampf-Diskussionen) bleibt im Raum, entschwebt in den flirrenden Tönen des sich auflösenden Klanges.

Den Abschluss des schönen Abends bildete Wolfs »Italienische Serenade« für zwei Violinen, Viola und Violoncello in G-Dur. Zwischen »technischen Spielereien« und musikalischer Experimentierfreude bewegte sich das Stück, das witzig und energisch zugleich sich auf Melodiesuche begab und facettenreich fündig wurde!

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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