Nach dem Alpenrausch die Orientierung verloren

23-Jähriger muss 1200 E für Betrug und Beleidigung zahlen

JG Bad Berleburg. »Bald haben sie das Strafgesetzbuch durch«, gab gestern Richter Torsten Hoffmann einem Angeklagten mit auf den weiteren Lebensweg, der für diesen bisher eher holprig verlaufen war. Trotz seiner 23 Jahre hatte der Dortmunder bereits elf Einträge im Strafregister: Diebstähle, Sachbeschädigung, ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, aber auch eher Exotisches wie Kennzeichen-Missbrauch und fahrlässiger Vollrausch. Gestern kam noch eine Verurteilung wegen Betruges und Beleidigung hinzu, eine Geldstrafe in Höhe von 1200 e verhängte das Gericht diesmal gegen den Mann.

Der Besuch im Alpenrausch sei damit wohl »insgesamt ein teurer Spaß« gewesen, so der Richter. Der Angeklagte hatte nämlich mit drei Kumpels in der Winterberger Disco durchgetanzt und auf der anschließenden Heimreise hatte das Quartett erst den richtigen Rückweg und dann auch noch die Übersicht verloren. So landeten die Vier schließlich an der Erndtebrücker Tankstelle. Zweimal, insofern bestand Klarheit. Doch ansonsten erinnerten sich die beiden Seiten – die geprellte Tankstellen-Pächterin auf der einen, der angeklagte Nicht-Bezahler auf der anderen – eher unterschiedlich an die Ereignisse vom Dezember.

Der Angeklagte folgendermaßen: Er habe sich verfahren, habe deshalb die Tankstelle angesteuert und dort nach dem rechten Weg gefragt. Das habe nicht geholfen, wenig später sei er wieder in an der Tankstelle gewesen. Diesmal habe er auch getankt. Er selbst habe zwar kein Geld mehr dabei gehabt, aber einer seiner Kumpel habe ihm noch 40 e geschuldet und die 30,01 e Tankrechnung bezahlen sollen. Doch der habe dann auch kein Geld mehr gehabt. Gemeinsam seien sie zur Kasse gegangen, hätten die Situation erklärt und nachdem die Pächterin die Polizei gerufen habe, auf die Beamten gewartet. So lange, bis ein wild gestikulierender und schreiender Mann sie der Tankstelle verwiesen habe. Nur deshalb seien sie geflüchtet. Und die Schulden habe er bis heute nicht begleichen können, weil er einfach nicht gewusst habe, wo die Tankstelle gewesen sei.

Die Pächterin erinnerte sich allerdings so: Zum ersten Mal sei der junge Mann um 6 Uhr da gewesen, habe nach dem Weg gefragt und sich erkundigt, ob er auch ohne Geld tanken dürfe. Sie habe Nein gesagt. Nach anderthalb Stunden sei er wiedergekommen, habe getankt. Danach sei er mit einem Freund rein gekommen und gemeinsam hätten ihr die beiden eine Szene vorgespielt, dass der Freund eigentlich hätte bezahlen sollen. Dies sei bestimmt abgesprochen gewesen.

Dass in der anschließenden Auseinandersetzung der abgebrannte Alpenrauscher zur Pächterin »Dumme Kuh« sagte, da waren sich beide Seiten wieder einig, das räumte auch der Angeklagte ein. Doch Richter Torsten Hoffmann und Hanne Gummersbach von der Staatsanwaltschaft waren sich trotzdem einig, dass nicht nur die Beleidigung, sondern auch der Betrug – Tanken in der Gewissheit, kein Geld dafür zu haben – in der Beweisaufnahme nachgewiesen wurde. 40 Tagessätze à 30 e – das erschien beiden als angemessene Strafe.

Der Angeklagte, der zur Zeit noch eine andere Geldstrafe abstottert, stöhnte zwar unter der neuerlichen finanziellen Belastung. Die Sache mit den 30 e wollte er aber sofort aus der Welt schaffen. Gott sei Dank saß seine Freundin im Zuschauerraum und konnte ihm 30 e vorstrecken. Er hatte im Berleburger Gerichtssaal gerade kein Geld dabei.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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