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Handwerksbetrieb Klinkers Landbäckerei schließt Mitte Januar
Nach fast 150 Jahren ist Schluss

Über 40 Jahre lang hat Hans Otto Klinker, Bäckermeister und Inhaber von Klinkers Landbäckerei, seine Brote mit viel Leidenschaft auf traditionelle und handwerkliche Weise im Steinbackofen gebacken.
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  • Über 40 Jahre lang hat Hans Otto Klinker, Bäckermeister und Inhaber von Klinkers Landbäckerei, seine Brote mit viel Leidenschaft auf traditionelle und handwerkliche Weise im Steinbackofen gebacken.
  • Foto: ako
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

ako Raumland.  Wenn Hans Otto Klinker um 2 Uhr nachts mit der Arbeit in der Backstube beginnt, ist er sofort in seinem Element. Er schaltet den Ofen an und fängt direkt an zu backen: „Der Wittgensteiner mag seine Kruste dunkel“, weiß der erfahrene Bäckermeister ganz genau. Schließlich führen er und seine Frau Rita das traditionsreiche Familienunternehmen Klinkers Landbäckerei inzwischen in der dritten Generation. Seit 1871 versorgt der Handwerksbetrieb seine Kunden mit frischen Brötchen, herzhaft gebackenen Broten und süßen Teilchen. Doch damit ist bald Schluss. Mitte Januar, nach etwas mehr als 149 Jahren, schließt die Bäckerei an der Straße „Am Böhl“ in Raumland ihre Pforten. Das Ehepaar Klinker tritt dann seinen verdienten Ruhestand an.

ako Raumland.  Wenn Hans Otto Klinker um 2 Uhr nachts mit der Arbeit in der Backstube beginnt, ist er sofort in seinem Element. Er schaltet den Ofen an und fängt direkt an zu backen: „Der Wittgensteiner mag seine Kruste dunkel“, weiß der erfahrene Bäckermeister ganz genau. Schließlich führen er und seine Frau Rita das traditionsreiche Familienunternehmen Klinkers Landbäckerei inzwischen in der dritten Generation. Seit 1871 versorgt der Handwerksbetrieb seine Kunden mit frischen Brötchen, herzhaft gebackenen Broten und süßen Teilchen. Doch damit ist bald Schluss. Mitte Januar, nach etwas mehr als 149 Jahren, schließt die Bäckerei an der Straße „Am Böhl“ in Raumland ihre Pforten. Das Ehepaar Klinker tritt dann seinen verdienten Ruhestand an.

Übernommen hatte der gelernte Bäcker und Konditor Hans Otto Klinker den Familienbetrieb im März 1980. Damals war er erst Anfang 20 und legte kurz zuvor seine Meisterprüfung ab. Weil der damalige Pächter nicht mehr weitermachen wollte, habe sein Vater einen neuen Meister gesucht: „Er sagte zu mir: ,Entweder du machst es oder wir verpachten neu‘“, erinnert sich der 64-Jährige zurück. Trotz seines jungen Alters hatte Hans Otto Klinker damals auch den Auszubildenden des Vorpächters übernommen: „Ich brauchte dafür sogar eine Sondergenehmigung von der Handwerkskammer in Arnsberg.“
Und während heute viele moderne Bäckereien ihren Teig mithilfe von Maschinen machen, wird in der Landbäckerei weiterhin auf traditionelle und handwerkliche Weise gearbeitet: „Wir machen alle Teige mit der Hand. Das ist natürlich ein größerer Aufwand“, erklärt Hans Otto Klinker. Die Brote werden dabei ausschließlich auf Platten in einem Steinbackofen gebacken: „Kein Umluft, sondern Ober- und Unterhitze. Das gibt eine ganz andere Kruste.“ Ein Roggenmischbrot, das bei etwa 270 Grad in den Ofen geschoben und bei fallender Temperatur gebacken wird, brauche eine Stunde, das Weizenmischbrot etwa 10 Minuten weniger. Für den hauseigenen Teig werden dem Bäckermeister zufolge nur natürliche Produkte verwendet – keine Zusatzstoffe. Die Leidenschaft zum Bäckereihandwerk spiegelt sich dabei auch in der Qualität der Backwaren wieder, denn der Traditionsbetrieb hat für viele seiner Brote, Brötchen und Stollen bereits einige Zertifikate erhalten.

 „Bonifatius Leeb’che“  besonders beliebt

Bei den Kunden sei besonders das „Bonifatius Leeb’che“ – ein Weizenmischbrot mit 30 Prozent Vollkornanteil aus Roggen, Weizen und Hafer beliebt. Aber auch die „Schieferkruste“, ein aromatisches Roggenmischbrot mit Malz und Gerste, das Hans Otto Klinker im Jahr 2007 extra für das Raumländer Jubiläum kreiert hatte, werde „gern“ genommen: „Es ist lange haltbar. Ein kräftig ausgebackenes Brot schimmelt nicht.“ Zwischen 250 und 300 Brote verkaufe die Landbäckerei täglich: „Wir sind hauptsächlich ein Brotbäcker“, erklärt der Inhaber. Er wird in der Backstube von einem Mitarbeiter und seiner Frau Rita, die sich vor allem um die Teilchen kümmert, unterstützt.
Die gelernte Hauswirtschaftlerin ist in der Landbäckerei unter anderem aber auch für den Einkauf, den Verkauf und die Buchführung zuständig: „Die Vielseitigkeit der Arbeit schätze ich am meisten“, betont die 63-jährige, die seit 2009 zudem als eine der ersten Ernährungsberaterinnen im Bäckereihandwerk im Raum Wittgenstein Kunden in Fragen der Ernährung, bei Diäten, Allergien und Intoleranz berät. Geheiratet haben Hans Otto und Rita Klinker 1982. Sie wohnen im selben Haus, in dem sich auch die Landbäckerei befindet. Das Ehepaar hat zwei – mittlerweile erwachsene – Kinder. Sohn Pascal ist – wie sein Vater – Bäckermeister in Lengerich (im Norden von NRW), Tochter Nadine arbeitet im Bereich Steuerberatung.

"Jeden Tag eine neue Herausforderung"

Neben dem Verkauf im Hauptgeschäft, wo sich fünf Verkäuferinnen um die Wünsche der Kunden kümmern, vertreibt der Familienbetrieb seine Waren aus den rollenden Bäckereiwagen heraus. Ein Wagen ist dabei von montags bis samstags auf einer festgelegten Tour im Altkreis unterwegs, das andere Fahrzeug fährt jeden Mittwoch auf den Markt in Bad Laasphe. „Bis September bin ich auch Touren gefahren. Morgens gebacken, nachmittags mit dem Auto verkauft“, erklärt Hans Otto Klinker, dem die Arbeit stets viel Spaß gemacht hat: „Es ist ein kleiner Betrieb. Die Sorten sind zwar gleich, aber es wartet jeden Tag eine neue Herausforderung.“
In seinen mehr als 40-jährigen Berufstätigkeit hat er feststellen können, wie sich das Kaufverhalten der Kunden über die Zeit verändert hat: „Früher war das nicht so schnelllebig, es gab keine Hektik. Der Kontakt zu den Kunden war intensiver. Heute kaufen vor allem die jungen Kunden dort, wo sie gerade sind.“ Im gegenwärtigen Corona-Jahr habe der Handwerksbetrieb besonders viel Ware verkauft: „Gerade während des Lockdowns. Da ist das Kaufverhalten nochmal anders“, betont Hans Otto Klinker.
Klinkers Landbäckerei öffnet am Samstag, 16. Januar, das letzte Mal für Kunden. Aus Alters- aber auch aus gesundheitlichen Gründen stellen die Eheleute Klinker danach den Betrieb ein. Einen Nachfolger gibt es nicht, erklärt Rita Klinker. Sie möchte im Ruhestand vor allem viel Zeit mit den Enkeln verbringen. Auch Bäckermeister Hans Otto Klinker freut sich schon auf die freie Zeit: „Wandern, Vereisen, Skifahren. Alles das, was ich jetzt vermisst habe.“ Dazu gehöre auch das Motorradfahren: „Ich habe eine Ducati Multistrada. Genau das Richtige fürs Sauerland“, sagt der 64-Jährige, dem besonders der Kunden-Kontakt fehlen wird: „Manche Kunden kommen jeden Tag. Das ist was Persönliches. Als ich früher Touren gefahren bin, war ich mit allen per Du.“

Autor:

Alexander Kollek

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