Nach Geburtstag Prügel für Sohn

Laaspher gestern zu achtmonatiger Bewährungsstrafe und 2000 E Geldbuße verurteilt

JG Bad Berleburg. Er habe selten gesehen, dass ein Angeklagter einen Zeugen während einer Verhandlung so hasserfüllt angeschaut habe, stellte gestern Morgen im Berleburger Amtsgericht Staatsanwalt Wolfgang Nau fest. Das Besondere dabei: Der Angeklagte war der Vater, der Zeuge der Sohn. Der 21-Jährige hatte vor fünf Monaten Anzeige gegen seinen 42-jährigen Vater erstattet. Nach einer durchzechten Geburtstagsfeier war es in einem Laaspher Ortsteil zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung und Beleidigungen gekommen. Am Ende hatte der Sohn eine dreieinhalb Zentimeter lange Risswunde am Hinterkopf, Prellungen an Schläfen- und Scheitelbein sowie blaue Flecke an Rücken und Brust.

»Hemmschwelle zur Gewalt ist niedrig«

Zunächst einmal schilderte der Vater das Geschehen. Wie er nach seinem Geburtstag eine Nacht lang durch gemacht habe, zunächst mit Freunden, dann allein mit dem Alkohol. Er habe dann eine CD aus dem Auto holen wollen, doch der Autoschlüssel sei weg gewesen. Deshalb habe er seinen Sohn geweckt und nachgefragt, wo der Schlüssel sei. Der hat sich dran gestört, dass ich mit aller Gewalt den Schlüssel haben wollte«, deshalb habe sein Sohn ihn in der Küche angegriffen. »Die Hemmschwelle zur Gewalt ist bei meinem Sohn sehr niedrig«, führte der Vater weiter aus. Danach sei es dann zu dem Gerangel gekommen, bei dem der Junior auf dem Boden gelandet sei, er habe ihn weder geschlagen noch getreten.

Mit Wasserkocher auf den Kopf gehauen

Der Sohn erinnerte sich an den Vorfall sehr anders. Während der Schlüssel-Suchaktion habe sein Vater versucht seine Mutter zu schlagen, deshalb sei er dem Vater in den Arm gefallen. Daraufhin habe sich dieser umgedreht und ihn geschlagen, so dass er zu Boden gegangen sei, wo ihn sein Vater getreten und auf ihn eingeschlagen habe, mit Fäusten, aber auch mit Küchengeräten, wie etwa einem Wasserkocher. Während dessen habe ihn sein Vater auch noch beschimpft. Die Bandbreite der Schimpfwörter dabei: »So ziemlich alles, was es gibt.« Danach habe ihn sein Vater durchs Haus geprügelt, damit er endlich den Schlüssel finde. Ergänzt wurde diese Version durch die Aussage der Freundin des Sohnes. Sie schilderte plastisch, wie der Vater die abgeschlossene Tür zur Wohnung des Sohns – innerhalb des Hauses der Familie – eingetreten oder eingeschlagen habe. Und wie er dann mit einer blauen Ikea-Vase nach dem Sohn geworfen habe. Verteidiger Reinold Ostermann benannte gestern Morgen noch überraschend die Ehefrau des Angeklagten als Zeugin.

Die sollte wohl die Version ihres Ehemannes bestätigen. Nachdem sich durch die Aussagen des Sohnes und seiner Freundin ein logisches und klares Bild ergab, beantragte Reinold Ostermann eine Sitzungsuntebrechung, um mit seinem Mandanten die Situation noch einmal durchzusprechen. Danach verzichteten sie auf die Befragung der Gattin.

Wolfgang Nau dankte in seinem Plädoyer zunächst einmal der Verteidigung dafür, dass man die Frau nicht in eine gerichtliche Falschaussage oder gar in einen Meineid habe hineinlaufen lassen. Dennoch sei es für ihn, so der Staatsanwalt, »ganz schwer nachzuvollziehen, dass man seine eigenen Kinder verletzt«. Für die gefährliche Körperverletzung forderte er eine achtmonatige Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Darüber hinaus solle der Vater eine Geldbuße in Höhe von 3000 e zahlen.

Reinold Ostermann nutzte sein Plädoyer erst einmal dazu, das unzuverlässige Wesen des Sohnes darzustellen. Außerdem verwies er in dunklen Andeutungen darauf, dass die Anzeige gegen den Vater erst erstattet worden sei, nachdem der Sohn Auto und Computer an die Eltern habe zurückgegeben müssen. Und das mitgenommene Bargeld sei bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Ansonsten fand der Verteidiger nicht, dass die Beweisaufnahme eine gefährliche Körperverletzung nachgewiesen habe. Vielmehr gehe er von einfacher und fahrlässiger Körperverletzung aus. Dafür forderte eine dreimonatige Bewährungsstrafe, die Geldbuße dürfe sich in der heutigen Wirtschaftssituation allerhöchstens auf 1000 e belaufen.

Trotz Alkoholgenuss »voll schuldfähig«

In seinem Urteil machte Richter Torsten Hoffmann klar, dass er sehr wohl von einer gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung ausgehe. Der Angeklagte sei trotz seines Alkoholgenusses »voll schuldfähig«, deshalb verhängte der Richter eine achtmonatige Bewährungsstrafe sowie eine Geldbuße in Höhe von 2000 e. Angesichts der Verletzungen erläuterte der Richter unmissverständlich: »Wenn das Verhältnis zum Sohn sehr schlecht sein sollte, rechtfertigt es nicht eine solche Tat.«

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