Nachbarschaftspflege mit dem Hammer in Bad Laasphe

Vater und Sohn gestern wegen Körperverletzung verurteilt

JG Bad Berleburg. Schon das Durchgehen der Personalien dauerte gestern Nachmittag etwas länger im Berleburger Amtsgericht. Zwei Laaspher Schlichthausbewohner sollten sich wegen Körperverletzungen verantworten. Die ersten Unklarheiten traten bei der Frage auf, welchen der beiden Angeklagten der angereiste Rechtsanwalt verteidigen sollte. Der Jurist wollte lieber den Sohn verteidigen, der Vater hatte ihn allerdings zu seiner eigenen Verteidigung ermächtigt. Geklärt wurde das, weil der Sohn mit Kreuzen unterschreibt, der Vater hingegen mit Buchstaben. Die nächste Schwierigkeit lag darin, dass der Vater des Deutschen kaum mächtig war, aber der Rechtsanwalt keinen Dolmetscher für Serbokroatisch bestellt hatte. Gott sei Dank war eine Bulgarisch-Übersetzerin geladen, die auch noch Serbokroatisch sprach. Der Sohn sprach zwar Deutsch, aber der Vater verbot ihm den Mund, weil er sonst womöglich noch ausplaudern werde, was sie gemacht hätten. Die Duldung des Sohnes verzeichnete als Geburtsdatum: 21.0.82. Der Sohn konnte sich naturgemäß nicht an seine Geburt erinnern, der Vater allerdings auch nicht. Tolle Voraussetzungen für eine unterhaltsame Verhandlung.

Der 51-jährige Vater – breit wie ein Bär – erzählte seine Version von den Geschehnissen im vergangenen Juli: Er habe mit einem Hammer etwas an der Tür repariert, dann sei die Nachbarin gekommen, habe ihn grundlos in den Unterleib getreten, daraufhin habe er sie zweimal leicht mit dem Hammer berührt – »Ding-Dong« nannte es der Täter – und dann sei der Sohn gekommen und habe ihn weggebracht von dem Tatort.

Der Sohn – eins der 15 Kinder – konnte sich an die Attacke der Frau auf den Vater erinnern, aber nicht an dessen Hammerschläge. Auch nicht an einen eigenen Tritt gegen die am Boden liegende Frau.

Die 1,49 Meter große Geschädigte war gestern ebenfalls im Gericht, als Zeugin. Es habe immer wieder Probleme mit den Nachbarn gegeben, erinnerte sie sich gestern auf Bulgarisch. Besonders nachdem ihr Mann ein Auto auf seinen Namen angemeldet hatte, das eigentlich der kinderreichen, aber ansonsten armen Nachbarsfamilie gehörte, die solche Besitztümer aber vor dem Sozialamt verheimlichen muss. Die Streitigkeiten seien auch handgreiflich gewesen. An dem fraglichen Tag habe sie der Nachbar nach einem Streit zweimal mit dem Hammer geschlagen, danach sei sie benommen auf der Treppe zusammengesackt und der Sohn habe sie in den Rücken getreten. Mehr noch als die Zeugin sagten die Aufnahmen, die eine Polizistin von den blauen Rücken der Geschädigten gemacht hatte. Der Arzt nannte das in seinem Attest: Rippen- und Schulter-Prellungen sowie Blutergüsse.

Wenigstens war ihr Mann deutscher Muttersprachler, doch was nützte das nach dieser Einleitung: »Es ist ja schon so lange her. Ich kann nur wiederholen, was ich der Polizei gesagt habe. Was ich der Polizei gesagt habe, das weiß ich nicht mehr so genau.« Er erinnerte sich dann doch noch, bestätigte die Darstellung seiner Frau. Nur das mit dem Tritt fand er nicht so schlimm: Ein Tritt mit Turnschuhen, das sei doch eine »Lappalie«.

Dass sein Mandant trotz solch schwieriger Wohnverhältnisse und trotz solch schwieriger Nachbarn im Schlichthaus nun 13 Jahre fast unbescholten in Bad Laasphe gelebt habe, das rechnete ihm sein Verteidiger schon so hoch an, dass er eine Strafe von unter sechs Monaten für die gefährliche Körperverletzung beantragte. Staatsanwalt Wolfgang Nau hingegen wollte eine achtmonatige Bewährungsstrafe und 150 gemeinnützige Arbeitsstunden für den Vater sowie eine Geldstrafe von 600 e für die vorsätzliche Körperverletzung durch den Sohn, der stattdessen ebenfalls gemeinnützige Arbeit ableisten kann. Torsten Hoffmann verurteilte den Vater zu acht Monaten auf Bewährung und 150 Stunden Arbeit, den Sohn zu 400 e Geldstrafe. Die Dolmetscherin übersetzte. Und der Vater quittierte sein Urteil mit einem Wort, dass sich schon auf Serbokroatisch unangenehm anhörte, und die Strafe für den Sohn mit einem »dobro« – was in diesem Fall wohl aber nicht »gut« hieß.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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