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SZ-Jahresinterview mit Bürgermeister Bernd Fuhrmann
Nachhaltigkeit in Marketing ummünzen

Für den maroden Eins-A-Komplex peilt die Stadt Bad Berleburg einen Abriss und eine Neuentwicklung des Grundstücks an.
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  • Für den maroden Eins-A-Komplex peilt die Stadt Bad Berleburg einen Abriss und eine Neuentwicklung des Grundstücks an.
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  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

vö Bad Berleburg. Bernd Fuhrmann gehört zu den Menschen, deren Denken und Wirken nicht an der eigenen Stadtgrenze endet. Deshalb überrascht es nicht, dass es den Bad Berleburger Bürgermeister aktuell sehr beschäftigt, mit welcher Situation sein Winterberger Kollege Michael Beckmann konfrontiert wird (SZ berichtete): „Das ist nicht einfach, tauschen möchte ich mit ihm nicht.“ Was Bad Berleburg angehe, befinde man sich in engem Austausch mit den Ski-Langlaufzentren in Wunderthausen und Girkhausen und kümmere sich um das, was direkt zu beeinflussen sei. Bernd Fuhrmann gilt als Optimist, macht aber im SZ-Videointerview – Teil drei der traditionellen Serie zum Jahreswechsel – deutlich, dass aus seiner Sicht eine wirkliche Entspannung der Corona-Lage „nicht vor März oder April“ zu erwarten sei.

Bad Berleburg. Bernd Fuhrmann gehört zu den Menschen, deren Denken und Wirken nicht an der eigenen Stadtgrenze endet. Deshalb überrascht es nicht, dass es den Bad Berleburger Bürgermeister aktuell sehr beschäftigt, mit welcher Situation sein Winterberger Kollege Michael Beckmann konfrontiert wird (SZ berichtete): „Das ist nicht einfach, tauschen möchte ich mit ihm nicht.“ Was Bad Berleburg angehe, befinde man sich in engem Austausch mit den Ski-Langlaufzentren in Wunderthausen und Girkhausen und kümmere sich um das, was direkt zu beeinflussen sei. Bernd Fuhrmann gilt als Optimist, macht aber im SZ-Videointerview – Teil drei der traditionellen Serie zum Jahreswechsel – deutlich, dass aus seiner Sicht eine wirkliche Entspannung der Corona-Lage „nicht vor März oder April“ zu erwarten sei.
Bernd Fuhrmann, Sie wurden im September mit mehr als drei Viertel der Stimmen zum vierten Mal zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Bestätigung der Arbeit oder Ansporn für neue Aufgaben?

  • Dass die Kommunalwahl in diesem Jahr überhaupt stattgefunden hat, ist nicht selbstverständlich. Der Wahlkampf war schwierig zu machen. Meinen Mitbewerbern danke ich für einen sehr fairen Wahlkampf. Ich verstehe das Wahlergebnis als klaren Auftrag, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Der Weg der Nachhaltigkeit?

  • Bad Berleburg ist die nachhaltigste Kleinstadt Deutschlands. Dieses Alleinstellungsmerkmal wollen wir nutzen und die Vermarktung nach außen forcieren. Das ist in Zeiten von Corona etwas in den Hintergrund gerückt. Dennoch ist es ein guter, beständiger Weg, den wir gehen. Wenn auch mit etwas Verspätung – wir setzen Nachhaltigkeitsprojekte in den Ortschaften um und haben beispielsweise mit den grünen Klassenzimmern schon sehr gute Ansätze gefunden. Auch das Projekt Smart Cities stimmen wir auf unsere Strategie ab. Ich kann nur allen Beteiligten – der Verwaltung, dem Rat, den Ortsvorstehern und den Menschen – ein großes Kompliment aussprechen, die die Dinge bewegen – trotz Corona. Beim Thema Nachhaltigkeit fällt mir spontan unsere Projektgruppe ein, die sich um das Thema Käferholz kümmert. Sichtbar wird das schon an den Buswartehäuschen, wir sind mit den Feuerwehrgerätehäusern ähnlich unterwegs – und das soll längst nicht alles gewesen sein.

Die Pandemie wird auch die Stadt der Dörfer mit ihrem intensiven Vereinsleben und der Gemeinschaft in den Ortschaften verändern.

  • Natürlich, wir werden uns dauerhaft auf eine veränderte gesellschaftliche Situation einstellen müssen. Es geht zum Beispiel um die Frage, wie die Veranstaltungen der Zukunft aussehen können, welche Formate zu realisieren sind. Das macht viel Flexibilität erforderlich, vor allem vor dem Hintergrund, dass die aktuellen Entwicklungen zu berücksichtigen sind. Wir setzen bewusst auf Nachhaltigkeit und Dezentralität – und schauen, wie man die Digitalisierung einbringen kann, um Prozesse zu befördern. Ich kann nur sagen, dass die Menschen in Bad Berleburg das Thema Corona bisher hervorragend gemeistert haben.

Bleiben wir noch bei Corona. Machen Sie sich Sorgen um die Unternehmen in der Region?

  • Wir können in Wittgenstein heilfroh sein, dass es so viele familiengeführte mittelständische Betriebe gibt, die mit der Region fest verwurzelt sind. Viele von ihnen sind in einem Branchenmix tätig. Das zeigt, wie gut die Firmen aufgestellt sind. Schwieriger wird es für die Kleinbetriebe. Damit meine ich den Einzelhandel, trotz der staatlichen Unterstützung. Denn das Einkaufsverhalten der Menschen verändert sich. Auch Gastronomie und Hotellerie stehen vor einer großen Herausforderung. Staatliche Hilfen sind gut – wenn sie ankommen. Aber die Betriebe benötigen eine langfristige Strategie, da müssen wir einsteigen.

Einzelhandel und Gastronomie sind zwei Stichworte, die mit dem früheren Eins-A-Gelände an der Schulstraße in Verbindung gebracht werden. In die Thematik ist Bewegung gekommen. Sind die optimistisch?

  • Ich bin zuversichtlich. Mit der Mittelzusage aus Düsseldorf aus dem Topf zur Förderung der Innenstädte hat das Land erkannt, dass es einen dringenden Bedarf gibt. Abriss ist noch nicht Bestandteil dieses ersten Bausteins, aber ich gehe davon aus, dass wir im März oder April den Folgeantrag auf den Weg bringen.

Eine Baustelle, die große Fortschritte macht, ist der Goetheplatz. Zufrieden mit dem, was man jetzt schon sehen kann?

  • Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen Beteiligten, die den Weg frei gemacht und den Knoten gelöst haben: die Teilnehmer an den Werkstattgesprächen, der Bürgerrat und die Menschen, die sich sonst noch ehrenamtlich eingebracht haben – in Zusammenarbeit mit dem moderierenden Büro. Das Thema war durch den zu langen Prozess festgefahren, wir sind dann aus einer anderen Perspektive herangegangen. Was die Phase der Umsetzung angeht, freue ich mich über das sehr gute Baustellenmanagement, viele Dinge konnten gemeinsam mit den Gewerbetreibenden und den Anwohnern gelöst werden. Und: Wir haben den Zeitplan eingehalten. Ich freue mich auf ein städtebaulich gelungenes Projekt. Das sind gute Perspektiven für den Sommer.

Eine ähnlich positive Bilanz hätten Sie sich als Bürgermeister in Bad Berleburg sicherlich auch für die Nordknoten-Baustelle gewünscht, oder?

  • Wobei unser Einfluss da nicht so groß war, Bauherr ist der Landesbetrieb. Vielleicht wurde die Baustelle mit einem verhältnismäßig kleinen Volumen nicht ganz richtig eingeschätzt. Es handelt sich um einen neuralgischen Punkt, der die Situation vor Ort am Nerv getroffen hat. Aber wir möchten das Thema nach vorne bewegen und für künftige Maßnahmen schauen, wie man die Bevölkerung besser mitnehmen kann. Wir haben dem Landesbetrieb angeboten, die Kommunikation von unserer Seite zu unterstützen.

Kommunikation ist ein schönes Stichwort. Hätten Sie sich eine bessere Kommunikation gewünscht, als es um die Baugenehmigung des Kreises für vier Windräder am Prenzenberger Kopf bei Arfeld ging?

  • Ich denke, dazu wurde eigentlich alles gesagt. Unsere Position ist, dass wir das Planungsrecht für Windkraftanlagen in den Händen der Stadt sehen. Das hat der Rat auch beschlossen. Parallel treiben wir das Klageverfahren gegen die Genehmigung der Anlagen am Prenzenberger Kopf voran und gehen davon aus, dass das Jahr 2021 eine Klärung bringt. Klar ist aus meiner Sicht, dass wir erneuerbare Energien brauchen – nicht nur Photovoltaik, sondern auch Windkraft. Aber Windräder sollten in einer abgestimmten Planung realisiert werden – und nicht deshalb, weil irgendwer irgendwo Flächen hat.

Ein sehr erfreuliches Thema ist das Neubaugebiet am Sengelsberg in der Kernstadt. Hatten Sie mit dieser Entwicklung gerechnet?

  • Rückblickend bin ich dankbar für die Rückendeckung einer breiten Ratsmehrheit, dass wir das Projekt in eigener Regie übernommen haben. Das war ein Resultat aus der Feststellung, dass es anders nicht funktioniert. Die Vermarktungserfolge bestätigen diese Einschätzung. Der neue Spielplatz wurde unter Beteiligung der Anlieger und mit nachhaltigen Spielgeräten realisiert. Hier hat unsere Fachabteilung hervorragende Arbeit geleistet.

Die Menschen wollen sich ihren Traum vom Eigenheim aber nicht nur in der Kernstadt, sondern auch in den Ortschaften realisieren.

  • Die Pandemie zeigt doch sehr eindrucksvoll, wie attraktiv das Leben im ländlichen Raum ist und sein kann. Wir sind gut beraten, beim Thema Digitalisierung nicht nachzulassen. Und wir werden uns den Baulücken in den Ortschaften zuwenden müssen. Wenn wir keine neuen Wohnbauflächen realisieren dürfen, muss überlegt werden, wie wir die vorhandenen Flächen aktivieren können. Das haben wir bei meiner Sommer-Tour in den Dörfern bereits diskutiert.

Das waren Präsenzveranstaltungen. Vermissen Sie das als Bürgermeister nicht ungemein?

  • Der persönliche Kontakt ist nicht durch Digitalität zu ersetzen. Wir sind alle Menschen, das fehlt natürlich. Ich freue mich, wenn ich im nächsten Sommer wieder mit dem Rad in die Dörfer kommen kann.

Bis dahin müssen wir alle aber mit der digitalen Variante Vorlieb nehmen, oder?

  • Wir werden die digitale Dorfmitte in den nächsten Monaten konsequent umsetzen. Es geht darum, neue Kommunikationsformen zu finden, um den Draht zu den Menschen zu halten. Darauf wird es ankommen. Eine Schlüsselfunktion kommt den Ortsvorstehern zu, die wir als wichtige Bindeglieder jederzeit mitnehmen.
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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