Station in Bad Berleburg
Naturfreunde Deutschlands wandern für den Frieden

Die Naturfreunde Deutschlands machten im Rahmen ihrer Friedenswanderung am Pfingstmontag in Bad Berleburg Station. Der gebürtige Berleburger Waldemar Grytz (3. v. r.) führte die Gruppe durch seine Wittgensteiner Heimat.
  • Die Naturfreunde Deutschlands machten im Rahmen ihrer Friedenswanderung am Pfingstmontag in Bad Berleburg Station. Der gebürtige Berleburger Waldemar Grytz (3. v. r.) führte die Gruppe durch seine Wittgensteiner Heimat.
  • Foto: Martin Völkel
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

Bad Berleburg. Dass man mit dieser Wanderung von Hannover nach Konstanz am Bodensee die Politik nicht auf den Kopf stellen werde, da sei er sich sehr sicher, sagt Waldemar Grytz. Dennoch: „Wir wollen Aufmerksamkeit erregen und nach Möglichkeit die Köpfe der Menschen erreichen.“ Der gebürtige Berleburger, der seit vielen Jahren in Stuttgart lebt, ist engagiertes Mitglied der Naturfreunde Deutschlands. Und momentan mit seinem Verein in der heimischen Region unterwegs.
„Frieden in Bewegung“ – so ist die Friedenswanderung überschrieben, die zum 125-jährigen Bestehen der Naturfreunde eigentlich im Vorjahr stattfinden sollte, wegen der Pandemie aber ins Jahr 2021 verschoben werden musste. Doch auch in diesem Jahr müssen wegen Corona Abstriche gemacht werden. Die Route führt demnach nicht von Flensburg nach Konstanz, sondern „nur“ von Hannover zum Zielort am Bodensee. Am 12. Mai wurde die Gruppe von Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay ganz offiziell auf die Reise geschickt, am Pfingstmontag lautete das Wanderziel – nach dem Start in Hoheleye – Bad Berleburg.

Informationen über die Heimat

Die Pandemie lasse ja leider weder Lesungen noch andere Veranstaltungen zu, bedauert Waldemar Grytz die Situation, doch das sei eben nicht zu ändern. Daher habe er seine Begleiter unterwegs auf dem Waldskulpturenweg mit vielen Informationen gefüttert, beispielsweise über seine Heimatstadt, aber auch über die Unterschiede zwischen dem vorwiegend protestantischen Wittgenstein und dem katholisch geprägten Sauerland. In Wittgenstein seien leider nicht ganz so viele Teilnehmer am Start wie an den Tagen davor und mit großer Wahrscheinlichkeit wieder danach, ab Hessen: „Das liegt daran, dass wir hier keine eigene Ortsgruppe haben.“ Dennoch sei die Stimmung im Team – trotz der Witterung – hervorragend.

Denkmal reicht nicht

Für nicht hervorragend halten die Naturfreunde dagegen die Friedenspolitik der Regierung, der es leider an Mut fehle. Das beginne damit, dass beim Thema Rüstungsexporte ein ganz anderer Ansatz zu wählen sei. Und: Auch beim Frieden zwischen Mensch und Natur sei ein Umdenken überfällig. Durchaus kritische Worte findet der gebürtige Berleburger beim kurzen Gespräch mit der Presse am jüdischen Mahnmal im Berlebach: „Nur ein Denkmal aufzustellen, reicht nicht. Bad Berleburg sollte sich auch mit den dunklen Kapiteln seiner Geschichte beschäftigen.“ In den Archiven sei nachzulesen, was hier in der Zeit des Nationalsozialismus passiert sei. Dabei seien vom Berleburger Schloss mehrere 100 Jahre zuvor eigentlich eine klare Botschaft der Toleranz und der Wunsch nach Zuwanderung ausgegangen.

"Geschichtsvergessenheit ist schädlich"

Die jetzige Generation sei für nichts verantwortlich, was vor 80 Jahren in Berleburg passiert sei, so Waldemar Grytz. Aber die Enkel sollten sich mit der Geschichte ihrer Großväter schon beschäftigen. Denn: „Geschichtsvergessenheit ist schädlich. Sich mit Geschichte auszukennen, hilft gegen das, was momentan wieder nach oben schwappt.“ Niemand müsse sich in der heutigen Zeit wundern, wenn ein Schweinekopf an einem jüdischen Mahnmal befestigt werde – wie vor Jahren in Bad Berleburg geschehen.
Etwas wunderte er sich darüber, dass die Anfrage der Naturfreunde auf einen offiziellen Austausch im Bad Berleburger Rathaus eher auf wenig Interesse gestoßen sei. Man habe das mit der Corona-Pandemie begründet. In anderen Kommunen sei der Umgang mit der Aktion ein offener gewesen: „Aber das muss man akzeptieren.“

Empfang an der alten Synagoge

Wer sich den Naturfreunden Deutschlands anschließen möchte, kann das am Dienstag, 25. Mai, spontan tun. Um 9.30 Uhr geht es ab Marktplatz in Richtung Bad Laasphe, wo ein kleiner Empfang an der alten Synagoge an der Mauerstraße stattfindet – initiiert von Rainer Becker, dem Vorsitzenden des christlich-jüdischen Freundeskreises Bad Laasphe.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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