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Jörg Sonneborn steht fürs Wisent-Projekt
Naturschutzaspekt steht über allem

Die freilebenden Wisente im Rothaargebirge sind am Donnerstag erneut Gegenstand einer Gerichtsverhandlung am OLG Hamm.
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  • Die freilebenden Wisente im Rothaargebirge sind am Donnerstag erneut Gegenstand einer Gerichtsverhandlung am OLG Hamm.
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vö Wingeshausen.  Die Augen der Wisent-Fans und der Kritiker des Projektes sind am Donnerstag (13 Uhr) nach Hamm gerichtet – mal wieder. Das dortige Oberlandesgericht (OLG) verhandelt die Klage der beiden Oberkirchener Waldbauern Hubertus Dohle und Georg Feldmann-Schütte gegen den Wisent-Trägerverein. Die Sauerländer wollen juristisch durchsetzen, dass die freilebenden Tiere ihre Wälder nicht mehr betreten dürfen. Beide Parteien waren sich bereits vor dem Bundesgerichtshof (BGH) begegnet, die Richter in Karlsruhe hatten das Verfahren nach Hamm zurückverwiesen. Völlig unabhängig jeglicher gerichtlichen Auseinandersetzung arbeitet der Wisent-Förderverein, der das Projekt in vielfältiger Art und Weise unterstützt.

Wingeshausen.  Die Augen der Wisent-Fans und der Kritiker des Projektes sind am Donnerstag (13 Uhr) nach Hamm gerichtet – mal wieder. Das dortige Oberlandesgericht (OLG) verhandelt die Klage der beiden Oberkirchener Waldbauern Hubertus Dohle und Georg Feldmann-Schütte gegen den Wisent-Trägerverein. Die Sauerländer wollen juristisch durchsetzen, dass die freilebenden Tiere ihre Wälder nicht mehr betreten dürfen. Beide Parteien waren sich bereits vor dem Bundesgerichtshof (BGH) begegnet, die Richter in Karlsruhe hatten das Verfahren nach Hamm zurückverwiesen. Völlig unabhängig jeglicher gerichtlichen Auseinandersetzung arbeitet der Wisent-Förderverein, der das Projekt in vielfältiger Art und Weise unterstützt. Dessen Vorsitzender ist Jörg Sonneborn, der unter dem Dach des Dorfvereins Aue-Wingeshausen den Wisent-Pfad als Premium-Wanderweg entwickelt hat. Im SZ-Interview spricht der Wingeshäuser über seine persönlichen Einschätzungen, die Arbeit der Förderer und darüber, warum Wildschweine gefährlicher sind als freilebende Wisente.

Ganze Gegend profitiert

Herr Sonneborn, haben Sie Angst vor dem, was das Gericht in Hamm am Donnerstag als Urteil verkünden wird?
Nein. Wir haben ohnehin keinen Einfluss auf das, was die Richter entscheiden werden. Das gilt auch für das Gutachten, das bis Jahresende vorgelegt werden soll. Ich kenne den Inhalt nicht und warte deshalb ab, wie sich die Dinge entwickeln.
Der Wisent-Förderverein arbeitet ja abseits der Gerichte. Der Erlös aus dem Verkauf der großformatigen Blech-Wisente und der Fotokalender fließt direkt in das Projekt. Wie ist es gelaufen?
Wir haben unseren Vorstand personell etwas verändert und ein paar frische Ideen eingebracht. Die sind sehr zu unserer Freude voll eingeschlagen. Wir haben über 100 Blech-Wisente verkauft – nicht nur in der Region, sondern in ganz Europa. Die Pakete sind auch nach Holland und in die Schweiz gegangen. Nach vielen Rückmeldungen mit Käufern kann ich eines klar sagen: Das Projekt wird in ganz Europa beobachtet.
Bad Berleburg profitiert durch das Projekt enorm?
Nicht nur Bad Berleburg, die ganze Gegend rund um die Wisente profitiert von den Tieren. Wir haben – natürlich vor Corona – viele Messen mit dem Dorfverein Aue-Wingeshausen begleitet. Anfangs wurden wir immer mit der Frage konfrontiert, wo Bad Berleburg eigentlich liegt. Nachher nicht mehr.
Das ist eine große Bestätigung für die ehrenamtliche Arbeit, die geleistet wird.

Touristische Idee schwimmt natürlich mit

Für uns als Förderer steht zuerst der Naturschutzaspekt ganz oben. Die touristische Idee schwimmt da natürlich mit. In Aue und Wingeshausen wäre ohne die Initialzündung Wisent-Projekt einiges nicht entstanden. Wir freuen uns darüber, dass Gastronomie erhalten und neu eröffnet wurde.
Dazu trägt auch der Wisent-Pfad bei, der von Wanderern stets hochgelobt wird.
Der Dorfverein hat mit dem Wisent-Pfad von Anfang an hinter dem Gesamtprojekt gestanden. Ich will aber nicht verheimlichen, dass ich den Wisenten bei uns im Rothaargebirge anfänglich mit einer gewissen Skepsis begegnet bin.
Und jetzt?
Wenn man den Wisenten zum ersten Mal begegnet ist, schlägt das schnell in Faszination um. Die Tiere begeistern jeden Naturfreund.
Es gibt aber auch Menschen, die Angst vor den Tieren haben. Wie bewerten Sie es, dass Wanderer bestimmte Wege angeblich meiden, weil sie den Wisenten nicht begegnen wollen?
Ich kann die Ängste nicht ganz nachvollziehen. Eine Rotte Wildschweine im Wald macht mir mehr Sorgen. Ich bin davon überzeugt, dass der Großteil der Menschen den Wisenten positiv gegenübersteht. Ich beobachte immer mit großem Interesse, wenn Fotos nach Begegnungen mit Wisenten in den sozialen Medien veröffentlicht werden. Die Daumen, die nach oben zeigen, kommen durchaus auch aus dem Sauerland.
Wie plant der Wisent-Förderverein weiter?
Wir hoffen, dass wir unsere Aktivitäten im dritten Quartal wieder nach oben fahren können. Wir konnten die Zahl der Mitglieder immerhin halten, das ist in Corona-Zeiten nicht selbstverständlich. Und wir möchten weiter mit unseren Gastronomen zusammenarbeiten.

Die freilebenden Wisente im Rothaargebirge sind am Donnerstag erneut Gegenstand einer Gerichtsverhandlung am OLG Hamm.
Jörg Sonneborn (l.)  ist 1. Vorsitzender des Fördervereins Wisent-Welt-Wittgenstein. Er trat die  Nachfolge von Günter Schmidt an.
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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