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Forderung nach historisch korrekter Einordnung des Denkmals
Neuer Goetheplatz nur mit Demokratie

Nur noch wenige Wochen ist der neue Goetheplatz in der Bad Berleburger Oberstadt eine Baustelle. Die Verkehrswege sind weitgehend fertiggestellt, im vorhandenen Oval geht es jetzt ums Detail – da gehören unterschiedliche Sichtweisen dazu.
  • Nur noch wenige Wochen ist der neue Goetheplatz in der Bad Berleburger Oberstadt eine Baustelle. Die Verkehrswege sind weitgehend fertiggestellt, im vorhandenen Oval geht es jetzt ums Detail – da gehören unterschiedliche Sichtweisen dazu.
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vö Bad Berleburg. Aus seinen Vorstellungen macht Waldemar Grytz kein Geheimnis: Dass der neue Bad Berleburger Goetheplatz auch ein klares Zeichen für die Demokratie setzen soll, steht für den gebürtigen Odebornstädter außer Frage. „Heldenkaiser? Nein danke!“ – so ist sein persönlicher Appell überschrieben, den er am Wochenende per E-Mail öffentlich machte. Adressaten seines Schreibens: Vertreter von Parteien und Kirchengemeinden, Mitglieder von Institutionen und Bürger, die sich in Sachen Neugestaltung des Goetheplatzes engagieren.

Es könnte nicht sein, macht der Stuttgarter, der regelmäßig zwischen der schwäbischen Metropole und Bad Berleburg pendelt, deutlich, dass „das mit dem Goetheplatz übernommene Kriegerdenkmal“ kommentarlos wieder aufgestellt werde.

Bad Berleburg. Aus seinen Vorstellungen macht Waldemar Grytz kein Geheimnis: Dass der neue Bad Berleburger Goetheplatz auch ein klares Zeichen für die Demokratie setzen soll, steht für den gebürtigen Odebornstädter außer Frage. „Heldenkaiser? Nein danke!“ – so ist sein persönlicher Appell überschrieben, den er am Wochenende per E-Mail öffentlich machte. Adressaten seines Schreibens: Vertreter von Parteien und Kirchengemeinden, Mitglieder von Institutionen und Bürger, die sich in Sachen Neugestaltung des Goetheplatzes engagieren.

Es könnte nicht sein, macht der Stuttgarter, der regelmäßig zwischen der schwäbischen Metropole und Bad Berleburg pendelt, deutlich, dass „das mit dem Goetheplatz übernommene Kriegerdenkmal“ kommentarlos wieder aufgestellt werde. Denn: Kein Demokrat im Jahre 2021 brauche eine unreflektierte Erinnerung an einen „Heldenkaiser“ (siehe Extrakasten). Das sei auch nicht mit den Ehrenmälern in den Dörfern zu vergleichen, wie er das schon mal gehört habe. Verwaltung, Politik und die Zivilgesellschaft der Stadt Bad Berleburg seien aufgerufen, diesem zweifelhaften Hintergrund bei der Neugestaltung des Platzes angemessen Rechnung zu tragen und eine geschichtsvergessene Lösung zu verhindern.

An Vitalisierung durchaus Gefallen

An der Vitalisierung des Goetheplatzes generell findet Waldemar Grytz durchaus Gefallen. Auch den Verlust der Bäume halte er „für nicht so tragisch, wie ihn einige Menschen dargestellt haben“. Denn auch Bäume hätten ein gewisses Lebensalter, das begrenzt sei. Dann sei es eben Zeit für etwas Neues.

Sein Thema sei allerdings, so Waldemar Grytz, das Kriegerdenkmal. Mit seinem Appell wolle er einen Impuls setzen für eine Diskussion, die er sich eigentlich öffentlich gewünscht hätte. „Das ärgert mich, dass der Arbeitskreis, der sich damit beschäftigt, außerhalb der Öffentlichkeit arbeitet. Es wird dann wieder darauf hinauslaufen, dass der Bürgermeister ein Konzept aus der Tasche zieht, das schon vorher beschlossen wurde.“ Er wolle, so der Verfasser des Appells, zu einem sensiblen Umgang mit der Geschichte animieren. Er gehe ziemlich sicher davon aus, dass das Kriegerdenkmal nicht einfach verschwinden werde – aus Gründen des Denkmalschutzes.

Moderne Gestaltungsformen und Informationstafeln

Allerdings müsse dann zwingend nach einer vernünftigen Lösung geschaut werden. Er denke an moderne Gestaltungsformen und Informationstafeln, die den Hintergrund kritisch beleuchteten. Das funktioniere zudem mit einer App für die Besucher des Goetheplatzes. Vielleicht funktioniere ein Kontrast aus Alt und Neu. „Aber einfach den Adler hoch zu hängen, das funktioniert nicht.“

Grytz sieht schwierigen Hintergrund Waldemar Grytz erläutert in seinem Appell den Hintergrund, warum das Kriegerdenkmal einer genauen historischen Betrachtung bedürfe: Das Denkmal sei 1901 „von deutsch-national und antisemitisch gesinnten Bürgern der Stadt Berleburg errichtet“ worden. Es erinnere an Wilhelm I. von Preußen, den deutsch-französischen Krieg und die Gründung des Reichs durch Otto von Bismarck im Spiegelsaal von Versailles im Januar 1871. Nach heute gültigem Völkerrecht handele es sich um einen Angriffskrieg, verbunden mit Terror gegen die Zivilbevölkerung und der Zerstörung schutzwürdiger kultureller Güter. Den Wahlkreis Siegen/Wittgenstein/Biedenkopf habe um das Jahr 1901 „der Antisemit und evangelische Hassprediger Adolf Stöcker im Reichstag vertreten“. Die politischen Vertreter der örtlichen Spender hetzten in dieser Tradition, so Waldemar Grytz weiter, gegen den Friedensvertrag von Versaille. Sie seien damit Wegbereiter und Bündnispartner des Nationalsozialismus schon vor 1933 gewesen.
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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