SZ

Nach Kaltrecycling-Verfahren
Neuer Versuch gegen die Risse in der Kreisstraße

Während beim Forsthaus Hülshof der Kurvenabschnitt mit einer groben Schicht versehen wurde, um zu sehen, ob die Risse damit repariert werden können, sind die Schäden im weiteren Verlauf der Kreisstraße 53 überall sichtbar. Foto: Holger Weber
2Bilder
  • Während beim Forsthaus Hülshof der Kurvenabschnitt mit einer groben Schicht versehen wurde, um zu sehen, ob die Risse damit repariert werden können, sind die Schäden im weiteren Verlauf der Kreisstraße 53 überall sichtbar. Foto: Holger Weber
  • hochgeladen von Holger Weber (Redakteur)

howe Richstein. Es sollte das ganz dicke Ding werden mit dem Kaltrecycling-Verfahren. Als sich vor fast fünf Jahren im Mai 2015 der große Kaltrecycler Meter für Meter nach vorne schob, um die Kreisstraße 53 zwischen Richstein und Bad Laasphe mit einer neuen Teerdecke zu versehen, da stand die „Prominenz“ staunend vor der Maschine. Erstmals überhaupt wendete der Landesbetrieb Straßenbau NRW damals ein solches Kaltrecycling-Verfahren an einer klassifizierten Straße an und präsentierte den Beobachtern – der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe sowie der Stadt Siegen – diese wunderbare Technik. Zumal ja die Kostenersparnis das große Thema sein sollte.

Die Anlage fräste nämlich 20 Zentimeter altes Material auf, mischte alles mit Zement und Wasser und trug das recycelte Gemisch wieder auf.

howe Richstein. Es sollte das ganz dicke Ding werden mit dem Kaltrecycling-Verfahren. Als sich vor fast fünf Jahren im Mai 2015 der große Kaltrecycler Meter für Meter nach vorne schob, um die Kreisstraße 53 zwischen Richstein und Bad Laasphe mit einer neuen Teerdecke zu versehen, da stand die „Prominenz“ staunend vor der Maschine. Erstmals überhaupt wendete der Landesbetrieb Straßenbau NRW damals ein solches Kaltrecycling-Verfahren an einer klassifizierten Straße an und präsentierte den Beobachtern – der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe sowie der Stadt Siegen – diese wunderbare Technik. Zumal ja die Kostenersparnis das große Thema sein sollte.

Die Anlage fräste nämlich 20 Zentimeter altes Material auf, mischte alles mit Zement und Wasser und trug das recycelte Gemisch wieder auf. Eine Walze wiederum zog hinterher und fuhr die Tragschicht glatt. Stolz berichteten die Akteure seinerzeit, dass mit besagtem Verfahren über 50 Prozent Kosten einzusparen seien. Hätte man nämlich die 6,5 Kilometer lange Strecke nach herkömmlicher Methode saniert, wären mal bestimmt rund 2,2 Mill. Euro fällig gewesen. So kostete der „Spaß“ nur die Hälfte.

Im Juli 2015 wartete alles auf die Fertigstellung der Baumaßnahme an der Kreisstraße 53, da ereilte die Verantwortlichen die erste Hiobsbotschaft. Denn der Rand, das so genannte Bankett, bröckelte ab. Damals hieß es, habe man zunächst einen Baustopp angeordnet, weil man nicht wisse, ob das Problem nicht auch auf der Fahrbahn der Fall sein könnte. Eine zusätzliche Baustoffanalyse durch ein unabhängiges Labor musste her. Derweil fand der Landesbetrieb eine Sprachregelung: Von „einer Verkettung unglücklicher Umstände“ war die Rede, von einem „örtlichen Problem“, weil sich das eingesetzte Material von seiner Beschaffenheit her stellenweise unterschieden habe.

In 2018 berichtete die Siegener Zeitung über Risse in der Fahrbahn, die wiederum mit Asphalt verfüllt wurden. Die Folge für die Autofahrer: Beim Befahren der Strecke hoppeln die Verkehrsteilnehmer über die Kreisstraße 53, weil sich zahlreiche Aufwürfe gebildet haben. Vor zwei Jahren hieß es dazu seitens des Landesbetriebs, das Kaltrecycling-Verfahren sei eigentlich „gut gelaufen, bis auf die Risse“. Man wolle nun den Winter abwarten und im Frühjahr 2019 geeignete Maßnahmen einleiten. Nach den Ursachen für die Risse-Bildung rätselte der Landesbetrieb.

Bis heute hat sich lange nichts getan – bis auf eine rund 200- bis 300-Meter-Strecke um das Forsthaus Hülshof. Dort hat der Landesbetrieb nach gesicherten SZ-Informationen auf dem dortigen Streckenabschnitt eine raue Schicht aufgetragen, um später zu sehen, ob die Querrisse dadurch verschlossen werden. Nach dem Winter soll der Abschnitt begutachtet werden, im Anschluss soll das weitere Vorgehen erörtert werden. Wie die SZ erfuhr, scheint der Landesbetrieb nicht sicher zu sein, ob das angewendete Verfahren auch von Erfolg gekrönt ist.

Die Siegener Zeitung sprach mit Ortsvorsteher Michael Sittler, der die Maßnahme des Kaltrecycling-Verfahrens grundsätzlich in Schutz nahm: „Die Topografie am Harfeld ist schwierig. Hier hat das wegen des unterschiedlichen Unterbaus offenbar nicht funktioniert.“ Man hätte im Grunde zahlreiche Bohrungen an unterschiedlichen Stellen vornehmen müssen, um auf Nummer sicher zu gehen. Ansonsten sei die Maßnahme ja deutlich billiger und somit wegen der Kostenersparnis durchaus attraktiv. Michael Sittler weiter: „So wie die Straße aber jetzt ist, kann sie auf jeden Fall nicht bleiben.“

Der Kreis Siegen-Wittgenstein meldete sich am Dienstag auf entsprechende Anfrage der Siegener Zeitung und stellte fest: „Die Situation an der K 53 ist uns bekannt. Hintergrund für die sichtbaren Riss-Schäden sind Veränderungen im Untergrund. Wir haben 2019 bereits eine kurze Teilstrecke des Straßenbelags saniert, eine Bewertung des Erfolges dieser Sanierung steht allerdings noch aus.“ Der Kreis stehe derzeit zu diesem Thema eng mit dem Landesbetrieb Straßenbau NRW in Kontakt und man prüfe gemeinsam, wie in diesem Fall weiter vorgegangen werden könne. Weitere Informationen zur Situation der Straße und den daraus folgenden Maßnahmen erwarte der Kreis „im Laufe der nächsten Woche“.

Während beim Forsthaus Hülshof der Kurvenabschnitt mit einer groben Schicht versehen wurde, um zu sehen, ob die Risse damit repariert werden können, sind die Schäden im weiteren Verlauf der Kreisstraße 53 überall sichtbar. Foto: Holger Weber
Inzwischen sind die in 2018 verfüllten Risse wieder aufgeplatzt, wie man an mehreren Stellen sehen kann. Der Landesbetrieb arbeitet an einer Lösung. Foto: Holger Weber
Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen