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„Der tiefe Fall des Wolfram Harth“
Neues Drama von Rainer Daus

„Wer einmal stigmatisiert wurde, der wird immer stigmatisiert“, sagt der Bad Berleburger Autor Rainer Daus.
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ako Bad Berleburg/Raumland. Der mäßig erfolgreiche Schriftsteller Wolfram Harth wird zu einer Live-Sendung nach Köln eingeladen, um mit anderen Teilnehmerinnen über „Die Rolle und Bedeutung der Frau in der zeitgenössischen Literatur“ zu diskutieren. Während dieser Sendung kommt es zum Eklat: Harth wird von der Feministin Isolde Schlingenflechter-Hatz, die ihm frauenfeindliche Passagen in seinen Romanen vorhält, als „Sexist“ bezeichnet.
Nach der Live-Übertragung unterläuft Harth ein folgenschwerer Fehler. Ein Shitstorm rollt über ihn hinweg, er ist als Schriftsteller erledigt. Doch dann nimmt die Situation eine dramatische Wendung. Es geschieht das, was Harth nur im Affekt seinem Freund Sebastian sagte. Damit gerät er ins Fadenkreuz polizeilicher Ermittlungen.

ako Bad Berleburg/Raumland. Der mäßig erfolgreiche Schriftsteller Wolfram Harth wird zu einer Live-Sendung nach Köln eingeladen, um mit anderen Teilnehmerinnen über „Die Rolle und Bedeutung der Frau in der zeitgenössischen Literatur“ zu diskutieren. Während dieser Sendung kommt es zum Eklat: Harth wird von der Feministin Isolde Schlingenflechter-Hatz, die ihm frauenfeindliche Passagen in seinen Romanen vorhält, als „Sexist“ bezeichnet.
Nach der Live-Übertragung unterläuft Harth ein folgenschwerer Fehler. Ein Shitstorm rollt über ihn hinweg, er ist als Schriftsteller erledigt. Doch dann nimmt die Situation eine dramatische Wendung. Es geschieht das, was Harth nur im Affekt seinem Freund Sebastian sagte. Damit gerät er ins Fadenkreuz polizeilicher Ermittlungen. So lässt sich in groben Zügen der Inhalt des neuen Dramas „Der tiefe Fall des Wolfram Harth“ (Dorante Edition) zusammenfassen, das der Bad Berleburger Autor Rainer Daus nun publiziert hat. „Das Werk ist meine persönliche Erinnerung an Covid-19“, sagte Rainer Daus kürzlich bei einem Pressegespräch im Landgasthaus Wittgenstein in der Odebornstadt.
Produziert habe er das zeitgenössische Drama – „es ist kein klassisches Drama nach 5-Akt-Muster, sondern ein 1-Akter, welches indes, was die dramaturgische Komposition betrifft, wie ein klassisches Drama aufgebaut ist“ – während des Lockdowns. Geschrieben wurde das Stück zwischen dem 11. April und dem 3. Juni. Nach „Der Männerabend“ (2016) ist es das zweite Drama vom Berleburger Autor. Das Kernthema des Werkes sei Rainer Daus zufolge nicht Sexismus, sondern Stigmatisierung und die Gnadenlosigkeit der Medien. Der Impuls für die Genese habe „schon länger in mir gearbeitet“.
Den Schauplatz der Talkshow im Live-TV habe er in seinem fiktiven Werk bewusst gewählt – in Anlehnung an die TV-Formate der Realität: „Da wird immer einer eingeladen, der den Büttel spielt, der nicht dem Mainstream entspricht“, betonte der Autor. Des Weiteren greift Rainer Daus in seinem Drama auch die Problematik auf, welche weitreichenden Konsequenzen ein einziger Satz haben kann, der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Der Protagonist Wolfram Harth spricht nach der Live-Sendung hinter der Bühne in einem privaten Telefongespräch mit seinem Freund Sebastian darüber, dass er seiner Kritikerin Isolde Schlingenflechter-Hatz den Tod wünsche. „Ein Satz der im Affekt fällt“, merkte Rainer Daus an. Als die umherlaufenden Mitarbeiter des Senders das mitbekommen, dauert es nicht lange, bis die gesprochenen Worte von einer deutschlandweiten Nachrichtenagentur aufgegriffen und veröffentlicht werden.
Die Karriere des Schriftstellers scheint vorbei. Doch der Satz hat nicht nur für den beruflichen Werdegang von Wolfram Harth Konsequenzen, sondern auch für seine Kritikerin. An dieser Stelle erinnerte Rainer Daus an den Fall von Walter Lübcke. Am 14. Oktober 2015 - auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise - sagte der damalige Kasseler Regierungspräsident bei einer öffentlichen Bürgerversammlung einen Satz, den viele aus der rechtsextremen Szene als Provokation auffassten und den eine örtliche Pegida-Gruppe noch am selben Tag ins Internet stellte. Knapp vier Jahre später ist Walter Lübcke mit einem gezielten Kopfschuss ermordet worden. Der mutmaßliche Täter gehört der rechtsextremen Szene an. Dieser reale Fall verdeutliche Rainer Daus zufolge die weitreichenden Konsequenzen eines Satzes, der in der Öffentlichkeit gesagt wurde - „und jemanden zu einer Tat motivierte.“
Die dritte Problematik, auf die der Berleburger Autor in seinem Werk aufmerksam machen will, ist die Rolle des Sündenbocks - „wer einmal stigmatisiert wurde, der wird immer stigmatisiert“ - und die damit einhergehende Macht der Medien. Hierbei schreibe Rainer Daus in seinem Werk über einen Umstand, den er selbst als Schriftsteller am eigenen Leib erfahren habe. Bei seinem im Jahr 2019 veröffentlichten Gedichtband „Die Jungfrau aus dem Norden“ habe er einen „großen Fehler“ gemacht: „Und zwar habe ich in einem Gedicht mit Greta Thunberg eine reale Figur der Zeitgeschichte genannt.“
Laut Rainer Daus hätten sich die Journalisten in ihrer Berichterstattung über das 124 Seiten lange Werk, das zahlreiche Gedichte umfasst, lediglich auf „dieses eine Gedicht und auf zwei/drei Aussagen in diesem Gedicht“ konzentriert: „Die suchten nur das Sandkorn“, betonte der Autor, der darauf Aufmerksam machte, dass diese Tatsache für ihn Konsequenzen nach sich zog. Die „Macht von Journalisten“ sei folglich auch die Intention für das Stück „Der tiefe Fall des Wolfram Harth“ gewesen: „Es geht um das Kernthema Medien. Die können dich hochschreiben oder kaputt machen“, betonte Rainer Daus.
Beim literarischen Stil des Werkes bleibt der Berleburger Autor seiner generellen Schreibweise treu. Er arbeitet überwiegend mit direkter Rede und verzichtet auf Anglizismen. Häufig vorkommende kurze Sätze und Ellipsen bringen zudem Tempo und Dynamik in den Lesefluss, sodass der Rezipient schnell und flüssig durch das 80 Seiten umfassende Werk navigieren kann. Mit dem durchaus sehr konservativen Frauenbild, das der Protagonist Wolfram Hartz vertritt, will Rainer Daus provozieren und zu einer kontroversen Diskussion anregen: „Das Werk hat einen breiten Hintergrund. Es ist ein schönes Stück für die Oberstufe.“ Ein Novum: Stefanie Lückel, diplomierte Grafikdesignerin aus Erndtebrück und Mitglied der Wittgensteiner Kunstgesellschaft, hat die Covergestaltung übernommen: „Eine herausragende Künstlerin mit Potenzial. Das Cover trifft das Stück zu 100 Prozent“, betonte Rainer Daus, der auch in Zukunft mit der jungen Künstlerin kooperieren will.
Als nächstes Vorhaben plant der Berleburger Autor das Drama „Der tiefe Fall des Wolfram Harth“ auf die „Bühne“ (Theater) zu bringen. Zu seinen weiteren Projekten gehören die Veröffentlichung eines neuen Gedichtbandes - „der liegt schon beim Verleger“ - sowie ein dritter Teil über den Lokführer Maximilian Brandt: „Daran arbeite ich schon. Es soll ein Roman werden mit dem Titel ,Brandts Weg‘.“

Autor:

Alexander Kollek

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