Noch neun Monate ohne Pappe

Nach Urteil in Berleburg will der Anwalt des Dränglers Berufungsgeld auch gern mitnehmen

howe Bad Berleburg. Ein merkwürdiger junger Mann, der jetzt auf der Anklagebank im Bad Berleburger Amtsgericht Platz nahm: 22 Jahre, Hilfsarbeiter aus dem ostwestfälischen Verl, sichtbare Tätowierungen und rasierte Haare. Nur ein einziger Satz kam dem Beschuldigten zu Beginn der Verhandlung von den Lippen: »Ich möchte nichts zum Vorfall sagen.« Staatsanwalt Wolfgang Nau warf dem 22-Jährigen Gefährdung des Straßenverkehrs unter Alkoholeinwirkung vor. Im Januar soll der junge Mann auf der Strecke von Aue nach Erndtebrück unterwegs gewesen sein und einen vor ihm fahrenden Verkehrsteilnehmer in die Bredouille gebracht haben.

Der Zeuge, ein 41-jähriger Mann aus Aue, schilderte den Vorfall wie folgt: Der Angeklagte habe immer wieder versucht, zu überholen. Mitunter an den unmöglichsten und gefährlichsten Stellen. Er habe auch angesetzt zum Überholen – trotz Gegenverkehrs, sei ein Stück gefahren und sei dann kurz vor einem möglichen Zusammenstoß nach rechts eingeschert. Er selbst habe die Vorgänge im Rückspiegel beobachtet und Angst bekommen. Auf sein Hupen habe der Beschuldigte genauso wenig reagiert wie auf die Zeichen der Autos aus dem Gegenverkehr. Soweit der Zeuge. Überaus arrogant trat der Paderborner Rechtsanwalt des Beschuldigten auf – wohl im Bewusstsein, aus der großen weiten Welt zu kommen und einen Gerichtstermin auf dem Lande zu haben. Er sprach von »kalkuliertem Wahnsinn«. Schließlich sei der Überholvorgang seines Mandanten abgebrochen worden. Der 41-jährige Zeuge verriet unterdessen, er habe über Handy die Polizei alarmiert und ihr den Weg des »Irrfahrers« beschrieben.

In Netphen kassierte eine 24-jährige Polizistin den Verkehrsraudi ein. »Er hatte eine Fahne«, erläuterte sie. Ein Alkotest ergab auch den Wert: 1,34 Promille. Durch zu dichtes Auffahren sei schon eine konkrete Gefahr gegeben, betonte Wolfgang Nau und zitierte damit ein frisches Urteil des Bundesgerichtshofs. Er fordere eine Strafe über 60 Tagessätze zu 20 e, überdies beantrage er, den Führerschein ein weiteres Jahr einzuziehen. Und dann wollte sich der 22-jährige Beschuldigte doch noch zu einer Stellungnahme durchringen: »Es tut mir sehr leid. Ich habe sehr darunter gelitten, die Arbeitsstelle dadurch verloren und kann meine Tochter nicht mehr abholen.«

Richter Torsten Hoffmann schloss sich dem Antrag des Staatsanwaltes an, setzte den Führerscheinentzug allerdings auf »nur« neun Monate fest. Der Zeuge und die Verkehrsteilnehmer auf der Gegenspur hätten gehupt und signalisiert, dass hier eine Gefahr bestanden habe, erläuterte Torsten Hoffmann. Der Zeuge habe die Gefahr auch eindringlich geschildert. Für das Urteil hatte der Anwalt des Angeklagten nur Kopfschütteln übrig – und die wirklich unmögliche Bemerkung: »Na, dann kann ich mir ja das Berufungsgeld auch noch mitnehmen.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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