Nicht alle dürfen Berufe-Luft schnuppern
Nur die Hälfte im Schüler-Praktikum

Die Schüler der neunten Klassen des Johannes-Althusius-Gymnasiums absolvierten jetzt ihre Praktika in den Betrieben. Allerdings: Nicht alle konnten praktische Erfahrungen sammeln, wie die Schüler aus der Stufe Q1 auf unserem Foto im vergangenen Jahr, weil nicht jeder Betrieb in Corona-Zeiten solche Praktika anbietet.
  • Die Schüler der neunten Klassen des Johannes-Althusius-Gymnasiums absolvierten jetzt ihre Praktika in den Betrieben. Allerdings: Nicht alle konnten praktische Erfahrungen sammeln, wie die Schüler aus der Stufe Q1 auf unserem Foto im vergangenen Jahr, weil nicht jeder Betrieb in Corona-Zeiten solche Praktika anbietet.
  • Foto: sz-Archiv
  • hochgeladen von Marc Thomas

sz Bad Berleburg. Praktikum in den neunten Klassen? Ist das in Corona-Zeiten überhaupt möglich? Die beiden SZ-Schüler-Praktikantinnen Nele Hartmann und Miriam Lauber vom Bad Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasiums hörten sich in ihrer Jahrgangsstufe um und erfuhren: Durch die Corona-Pandemie konnten die Praktika dieses Jahr nicht so durchgeführt werden wie in den vergangenen Jahren. Die Schule wollte ihren Schülern aber die Chance auf einen Einblick in die Berufswelt geben. Deshalb war es die individuelle Entscheidung der Betriebe, ob sie Praktikanten aufnehmen oder nicht. Dabei waren Berufe, die überwiegend draußen stattfinden oder wo nur wenige Leute im Büro sind, natürlich von Vorteil.

Da in der Corona-Zeit viele Firmen ihre eigenen Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt haben, war es für sie nicht einfach, Schülern einen Praktikumsplatz anzubieten. Viele Schüler erhielten aus diesem Grund eine kurzfristige Absage. Die beiden SZ-Mitarbeiterinnen fanden heraus: Schlussendlich haben 29 von 60 Schülern der Jahrgangsstufe 9 einen Praktikumsplatz erhalten.

"Ich habe gleich am ersten Tag miterlebt,
wie eine Katze eingeschläfert wurde."

Nele Born
Schülerpraktikantin beim Tierarzt

Diejenigen Schüler, die einen Praktikumsplatz erhielten, konnten diesen nicht lückenlos ausüben. „Es wurde sehr auf die Corona-Maßnahmen geachtet, aber man hat sich viel Mühe gegeben, um mir ein relativ normales Praktikum zu ermöglichen“, so Nele Born über ihr Praktikum bei einer Tierarztpraxis. Weiter berichtete sie traurig: „Ich habe gleich am ersten Tag miterlebt, wie eine Katze eingeschläfert wurde.“

Lange Anfahrt gelohnt

Einige Schüler haben sogar den täglichen Weg nach Siegen auf sich genommen, um einen einwöchigen Einblick in das Finanzamt zu gewinnen. „Trotz der einstündigen Zugfahrt, hat es sich aber echt gelohnt“, berichtete Albina Baftijari. Sie erzählte, dass das Praktikum eher als eine Art Seminar durchgeführt und ihr verschiedene Power-Point-Präsentationen vorgeführt wurden. Dadurch stellte man ihr bestimmte Sachverhalte dar, der direkte, persönliche Kontakt wurde aber vermieden.

Moritz Lauber absolvierte sein Praktikum bei der Firma „Weber“. Nach der Begrüßung musste er im Gegensatz zu vielen anderen an seinem ersten Tag einen Corona-Schnelltest durchführen. Nach seinem negativen Ergebnis führte er mit Maske und Abstand sein Praktikum durch. Das Konstruieren von dreidimensionalen Bauteilen und die Erstellung von Zeichnungen am Computer haben ihm besonders viel Spaß gemacht.

Wegen Corona nicht durchgehend geholfen

Eine andere Schülerin trat ihr Praktikum bei der Firma Otto, Luft- und Klimatechnik in Schwarzenau an. Sie wurde in den Bereich Einkauf und Kalkulation zugeteilt, da die Corona-Schutzmaßnahmen so am besten einzuhalten waren. Die meisten Praktikanten arbeiteten den größten Teil mit maximal einer Person oder ganz allein. Dadurch konnte ihnen nicht durchgehend geholfen oder „über die Schulter geblickt werden“.

„Ich musste viel allein arbeiten, aber das ist im Moment wahrscheinlich auch gar nicht anders möglich“, erklärte ein Schüler. „Ich hatte sehr viel Glück, dass ich in meinem Wunschbetrieb ein Praktikum absolvieren konnte. Es war natürlich anders, als wenn ich ein Praktikum in ,normalen’ Zeiten gemacht hätte. Beispielsweise mussten wir sehr auf die Corona-Maßnahmen achten, wir mussten durchgehend unsere Masken tragen und Abstand halten. Bei den Patienten hat man gemerkt, dass sie mich als volles Mitglied im Team akzeptieren. Mir hat mein Praktikum deshalb sehr viel Spaß gemacht“, beschrieb Neele Dreisbach, die einen Praktikumsplatz bei der Logopädie-Praxis „Logopädie in Wittgenstein“ in Erndtebrück erhielt.

Auf Hygienemaßnahmen geachtet

„Manche Abteilungen darf ich als Praktikant momentan gar nicht besuchen. Auch beim Einsammeln der Post in den verschiedenen Abteilungen wird in meinem Praktikumsbetrieb sehr auf die Hygienemaßnahmen geachtet. Mir hat das Praktikum viel Freude bereitet und ich bin mir nun sicher, etwas in Richtung Bürokauffrau zu meinem Beruf zu machen“, sagte Eileen Dreisbach über ihr Praktikum als Bürokauffrau.

„Ich konnte in meinem Praktikum bei einem Ingenieurbüro erfahren, wie der Büroalltag aussieht und durfte eigene, spannende Aufgaben machen, wie beispielsweise die 3D-Konstruktion eines Hauses anfertigen, meinte Till Becker, der die Möglichkeit hatte, sein Praktikum in einem Ingenieurbüro zu absolvieren und der sich in seinem Berufswunsch bestärkt fühlte. Auch eine weitere Schülerin erzählte begeistert von ihrer Stelle in einem Dentallabor, wo sie viele eigene Aufgaben übernehmen durfte und sogar ein wenig traurig war, dass das Praktikum nach dieser Woche schon wieder vorbei war.

Jeden Tag Liste verändert

„Durch den Zeitdruck wurde ich zwischenzeitlich etwas verunsichert. Ich habe jeden Tag die Liste verändert und aktualisiert, da immer wieder zu- oder abgesagt wurde. Aber ich bin wirklich sehr froh, dass letztendlich alles so gut funktioniert hat, erzählte JAG-Praktikumskoordinatorin Christiane Biechele.

Parallel zu dem einwöchigen Praktikum der 9 Jahrgangsstufe fanden auch in den achten Klassen des Johannes-Althusius-Gymnasiums drei Berufsfelderkundungstage statt. Die Schüler erhielten die Möglichkeit, einzelne Tage in verschiedenen Berufsbereichen zu verbringen. Hier war es ebenfalls betriebsabhängig, ob Praktikanten angenommen wurden. 26 von 42 Schüler bekamen ihren Erkundungsplatz.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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