Ausnahmesituation in Wittgenstein
Nur noch eine Drehleiter im ganzen Altkreis

Die Bad Laaspher Drehleiter, hier bei einem Einsatz im Februar 2018, ist momentan die einzige ihrer Art, die in Wittgenstein noch einsatzfähig ist. Das macht umfangreiche Absprachen für den Fall der Fälle notwendig. Archivfotos: Björn Weyand (2)/Martin Völkel (1)
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  • Die Bad Laaspher Drehleiter, hier bei einem Einsatz im Februar 2018, ist momentan die einzige ihrer Art, die in Wittgenstein noch einsatzfähig ist. Das macht umfangreiche Absprachen für den Fall der Fälle notwendig. Archivfotos: Björn Weyand (2)/Martin Völkel (1)
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bw/vö Wittgenstein. „Status 6“ heißt es für die Bad Berleburger Drehleiter. Sie ist damit außer Dienst, nicht einsatzbereit. „Status 6“ heißt es auch für den Teleskopmast der Erndtebrücker Feuerwehr, der ebenfalls nach einem Defekt ausfällt. Es ist eine echte Ausnahmesituation, mit der die Feuerwehren im Altkreis Wittgenstein derzeit umgehen müssen. Viele Telefonate hat Dirk Höbener, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Bad Laasphe und gleichzeitig stellvertretender Kreisbrandmeister, geführt, nachdem feststand, dass die beiden immens wichtigen Fahrzeuge in den beiden Nachbarkommunen längerfristig ausfallen werden. „Letztlich muss ja die Frage geklärt werden: Wie können wir das Gebiet abdecken?“

Die Antwort ist zunächst klar: In erster Linie muss das nun die Drehleiter aus Bad Laasphe und damit der Kernstadt-Löschzug aus der Lahnstadt tun. Das Ganze wird aber nach einem Routing-System funktionieren, wie Dirk Höbener im Gespräch mit der Siegener Zeitung erläutert. Darin wird die Bad Laaspher Drehleiter zunächst bei einem entsprechenden Einsatzszenario als erste alarmiert. Dann ergeben sich diverse Abfolgen, wenn ein Einsatz länger dauert:

• Hat die Laaspher Drehleiter einen Einsatz im eigenen Stadtgebiet, der absehbar länger als 30 Minuten dauert, rückt automatisch die Netphener Feuerwehr mit der Drehleiter nach Erndtebrück aus und besetzt dort das Feuerwehrgerätehaus. „Für Netphen wird die Versorgung dann über Siegen sichergestellt“, erklärt Dirk Höbener den „Domino-Effekt“.

• Rückt die Bad Laaspher Drehleiter hingegen zu einem längeren Einsatz nach Bad Berleburg oder nach Erndtebrück aus, ist die Drehleiter aus Biedenkopf die stille Reserve für Bad Laasphe. Im Fall der Fälle ist die Landesgrenze also kein Hindernis.

Die ersten Einsätze mit der Drehleiter in den beiden Nachbarkommunen hat die Laaspher Feuerwehr schon gefahren, auch wenn es sich „nur“ um ausgelöste Brandmeldeanlagen handelte. „Die Mannschaft ist für die Lage sensibilisiert“, betont Dirk Höbener. Klar ist aber: Auf Dauer kann die Bad Laaspher Feuerwehr alleine nicht mit der Drehleiter den gesamten Altkreis abdecken, denn alle Kameraden leisten ihren Dienst im Ehrenamt. Sinnvoll wäre, findet der Bad Laaspher Feuerwehr-Chef, wenn Erndtebrück und/oder Bad Berleburg für den Übergang, bis beide Kommunen Ersatz beschaffen konnten, eine Leihdrehleiter bekommen könnten.

In Erndtebrück laufen derzeit die Überlegungen in der Gemeindeverwaltung, wie es nach dem Ausfall des Teleskopmastes weitergehen soll. „Es werden momentan sowohl die Wirtschaftlichkeit einer Reparatur geprüft als auch alternative Handlungsmöglichkeiten“, teilte die Gemeindeverwaltung auf Anfrage knapp mit, um darauf hinzuweisen, dass „die Sicherheit im Gemeindegebiet jederzeit gewährleistet ist, da ein anderes Fahrzeug in dem Fall alarmiert würde“. Trotzdem dürfte sich die Frage stellen, ob die Gemeinde den ohnehin geplanten Kauf einer Drehleiter als Ersatz für den Teleskopmast nach vorne ziehen wird. Eigentlich war die Anschaffung für 2020 vorgesehen, dafür stehen für 2019 bereits 400.000 Euro im Haushalt (als Anzahlung) und für 2020 sind weitere 300.000 Euro eingeplant. Allerdings: Selbst wenn die Gemeinde die neue Drehleiter jetzt sofort in Auftrag gibt, bleibt eine Lieferzeit von Minimum zwölf Monaten. Der Kauf eines gebrauchten Fahrzeug ist kein Thema, weil der Markt keines hergibt.

In Bad Berleburg absolvierte die Drehleiter ihren mit großer Wahrscheinlichkeit letzten Einsatz beim Brand des Ayurveda-Zentrums an der Astenbergstraße. Danach meldete Peter Mengel, in der Stadtverwaltung Abteilungsleiter Ordnung und Sicherheit, den Schaden an der 25 Jahre alten Drehleiter. Das Eindringen von Wasser in die Technik – wahrscheinlich aber schon seit längerer Zeit – habe zu einem aufwändigen Schaden geführt. Dass die Erneuerung der Drehleiter irgendwann kommen musste, sei kein Geheimnis, sagte Bad Berleburgs Wehrführer Klaus Langenberg im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Dies sei auch Bestandteil des Brandschutzbedarfskonzeptes. Nur: „Der Ausfall kommt ein halbes Jahr zu früh für uns.“ Die Kompensationslösung mit den Kameraden aus Bad Laasphe könne sicherlich nur eine Variante für eine Übergangszeit sein – bis das Problem behoben sei.

Die Wehrführung befinde sich, so Klaus Langenberg, in einem ständigen Austausch mit der Stadtverwaltung, „wir arbeiten intensiv an einer Lösung“. Dennoch bringe es nichts, die Problematik auszuklammern, die dahinter stecke. Im Normalfall müsse man für den Zeitraum von der ersten Planung über alle politischen Beschlüsse bis zur Auslieferung einen Zeitrahmen von 30 Monaten kalkulieren: „Allein der Bau einer Drehleiter schlägt mit geschätzten 18 Monaten zu Buche.“

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