SZ

Friseure in der Corona-Krise
Ohnmacht, Existenzangst, Hoffnung

Schon vor der staatlich verordneten Schließung setzten Marina Marchel und ihr Team in Bad Berleburg auf hohe Hygienestandards – wie Abstand und Mundschutz –, um mit stützenden Maßnahmen die Verbreitung des Virus’ einzudämmen. Jetzt ist der Salon bis auf Weiteres geschlossen. Foto: Unternehmen
  • Schon vor der staatlich verordneten Schließung setzten Marina Marchel und ihr Team in Bad Berleburg auf hohe Hygienestandards – wie Abstand und Mundschutz –, um mit stützenden Maßnahmen die Verbreitung des Virus’ einzudämmen. Jetzt ist der Salon bis auf Weiteres geschlossen. Foto: Unternehmen
  • hochgeladen von Sarah Benscheidt (Redakteurin)

sabe Wittgenstein. Im Kampf gegen das Corona-Virus treten immer mehr Maßnahmen in Kraft. Mit dem neuesten Beschluss müssen nun auch sämtliche Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege schließen. Davon betroffen sind etwa Friseure, Kosmetikstudios oder auch Massagesalons. Am vergangenen Freitag steckte Friseurmeisterin Marina Marchel von der „Frisier-Zone“ in Bad Berleburg also noch in einer Corona-Zwangslage – ohne offiziell verordnete Schließung hätte ihr Salon bei einer Außerkraftsetzung des Betriebs in Eigeninitiative laut Infektionsschutzgesetz keinen Anspruch auf die staatlichen Hilfen gehabt.

sabe Wittgenstein. Im Kampf gegen das Corona-Virus treten immer mehr Maßnahmen in Kraft. Mit dem neuesten Beschluss müssen nun auch sämtliche Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege schließen. Davon betroffen sind etwa Friseure, Kosmetikstudios oder auch Massagesalons. Am vergangenen Freitag steckte Friseurmeisterin Marina Marchel von der „Frisier-Zone“ in Bad Berleburg also noch in einer Corona-Zwangslage – ohne offiziell verordnete Schließung hätte ihr Salon bei einer Außerkraftsetzung des Betriebs in Eigeninitiative laut Infektionsschutzgesetz keinen Anspruch auf die staatlichen Hilfen gehabt.

So hatten sich Marchel und ihr Team vor offizieller Beschlussfassung in Eigenleistung beholfen – gehört die Branche doch bei unvermeidbar engem Körperkontakt offenkundig zur Hochrisikogruppe. Mundschutz, Desinfektion, jeweils ein freier Frisierplatz zwischen den Kunden. Schon vor der staatlich verordneten Schließung eine schwierige Situation: „Wir konnten längst nicht mehr das Pensum schaffen, was sonst möglich war“, so Marina Marchel. Jetzt bleibt die „Frisier-Zone“, wie Salons bundesweit, bis auf Weiteres geschlossen. Eine Maßnahme, die Marchel begrüßt – „zum Schutz der Mitarbeiter und der Kunden“. Trotzdem, die Ohnmacht bleibt, die Ungewissheit wiegt schwer. „Wie soll das alles werden?“ Marina Marchel hat 2013 den Friseurbetrieb in der Odebornstadt von Karl-Heinz Mettken übernommen, in einem SZ-Interview im Sommer – da war Marchel für den Ausbildungsbetrieb des Jahres von der Handwerkskammer Südwestfalen nominiert worden – zeigte sich die Selbständige voll frohen Mutes: „Wenn man etwas schaffen will, dann schafft man es auch.“

Ein Motto, für das die Geschäftsfrau lebt: 1996 Neustart in ihrer Wahlheimat Bad Laasphe, Selbständigkeit, Meisterschulung. Die gebürtige Kasachin stemmt nicht nur alles aus eigener Kraft, sondern auch aus der eigenen Tasche. Selbst private Schicksalsschläge werfen Marchel nicht aus der Bahn, sie hält an ihrem Traum fest: Im letzten Sommer kann sie sich das erste Mal ihren Lohn überweisen. „Vorher ging alles in den Aufbau des Ladens, die Schaffung eines Teams, die Weiterbildung“, sagt sie. Mit sieben Mitarbeitern, die jeweils einen florierenden Kundenstamm halten und einem prosperierenden Salon, blickte Marchel beflügelt in die Zukunft – zwei Auszubildende sollen im Sommer das Team noch verstärken. Mit Corona kamen der Bruch, die Ohnmacht, die Rückschritte, die Existenzängste. Ihr eigenes Gehalt habe sie bis auf Weiteres gestrichen, sie sei froh, sagt sie, dass sie in ihrem Privathaushalt nicht die Alleinverdienerin sei, das Glück hätten längst nicht alle. „Der finanzielle Aspekt ist schlimm. Aber ich denke auch an all die Mühe, die Kraft...“

Kündigungen sind für Marchel keine Option. Den Laden in seiner Gänze und dem vollständigen Team zu retten, das sei für sie das höchste Ziel. Rückendeckung erhält sie dabei von ihren Mitarbeitern. „Mein größter Dank gilt dem Verständnis meiner Kollegen.“ Maßnahmen wie temporäre Aussetzungsverträge nach Absprache mit drei 450-Euro-Kräften, also ein einmonatiger Verzicht auf das Gehalt sowie Kurzarbeit der restlichen Mitarbeiterinnen, machen es der Selbständigen und ihrem Team überhaupt erst möglich, zu überleben.

Die Hoffnung bleibt, dass das Virus womöglich bis dahin eingedämmt ist, und die Arbeit –„ohne Gesundheitsschäden“– wieder aufgenommen werden kann. Womöglich greifen bis dahin Hilfspakete unbürokratisch. In Sachen staatliche Corona-Entschädigung zeigt sich die Friseurmeisterin beklommen: „Was kommt, wie schnell?“ Kredite, Schulden – für Marina Marchel schwer zu tragende Lösungen. Trotzdem, sie will abwarten: „Die Anträge werden ja jetzt erst gestellt, wir wissen noch gar nicht wie, wo, was.“ Und damit, so Marchel, stünde man im Gewerbe längst nicht allein da. „Konkurrenzdenken hin oder her, jetzt müssen wir zusammenhalten.“ Ihr Aufruf: Netzwerken, Gemeinschaften schaffen – „wie kommen wir alle gemeinsam aus der Situation raus, Fragen untereinander klären, miteinander sprechen, Hilfestellung leisten.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen