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Schöffengericht Bad Berleburg
Opfer von sexuellem Übergriff

Nach einem sexuellem Übergriff fiel vor dem Schöffengericht in Bad Berleburg ein Urteil.
  • Nach einem sexuellem Übergriff fiel vor dem Schöffengericht in Bad Berleburg ein Urteil.
  • Foto: Archiv
  • hochgeladen von Timo Karl (Redakteur)

howe Bad Berleburg. Die Verhandlung im Bad Berleburger Amtsgericht hatte am Freitag was Gutes: Torsten Hoffmann, Vorsitzender des Schöffengerichts, bedankte sich am Ende bei allen Beteiligten für die „Verhandlungsatmosphäre“. Denn nach einem gut einstündigen Rechtsgespräch – unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Nebenraum – präsentierte das Gericht im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft, Verteidigung und der Nebenklage eine vernünftige Lösung für eine Verfahrensbeendigung. Dabei lag das Hauptaugenmerk darauf, dass man der Geschädigten, eine junge Frau aus Bad Laasphe, die Aussage in der unangenehmen Sache ersparte.

howe Bad Berleburg. Die Verhandlung im Bad Berleburger Amtsgericht hatte am Freitag was Gutes: Torsten Hoffmann, Vorsitzender des Schöffengerichts, bedankte sich am Ende bei allen Beteiligten für die „Verhandlungsatmosphäre“. Denn nach einem gut einstündigen Rechtsgespräch – unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Nebenraum – präsentierte das Gericht im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft, Verteidigung und der Nebenklage eine vernünftige Lösung für eine Verfahrensbeendigung. Dabei lag das Hauptaugenmerk darauf, dass man der Geschädigten, eine junge Frau aus Bad Laasphe, die Aussage in der unangenehmen Sache ersparte.
Aber von vorn: Auf der Anklagebank saß ein 23-jähriger Mann aus dem Sauerland, der seine Wittgensteiner Bekanntschaft vor über eineinhalb Jahren in einem Flirt-Portal im Internet kennengelernt hatte. Die beiden, so schilderte es Verteidiger Marcel Tomczak (Olpe), hätten sich einzig mit dem Ziel getroffen, Sex zu haben. Allerdings, und das war Gegenstand der Anklage der Staatsanwaltschaft, muss die Sache an einem Tag im Juni vorigen Jahres anders gewesen sein. Da habe die junge Frau gegen ihren Willen an dem Mann sexuelle Handlungen vornehmen sollen. Die beiden saßen im Auto, er auf dem Fahrer- und sie auf dem Beifahrersitz. Da forderte der 23-Jährige die Bekanntschaft zum Oralverkehr auf. Sie lehnte ab. Er drehte dagegen die Lehne nach hinten, legte sich auf sie und begann, sie am Körper zu berühren. Dabei, so hieß es in der Anklageschrift, seien auch der Genitalbereich und die Brüste angefasst worden. Sie habe sich gewehrt, seine Hand festgehalten und ihm deutlich gemacht, dass sie das nicht wolle.
Schließlich zog er ihr aber das T-Shirt hoch und begann, auf sie zu masturbieren – bis zum Ende. Dass die Situation in dem Auto durchaus im Groben so gewesen sein konnte, stellte auch Verteidiger Marcel Tomczak fest. „Der Sachverhalt stimmt, aber das war einvernehmlich.“ Die junge Frau hätte jederzeit gehen können. „Uns ist nicht plausibel, warum sie das angezeigt hat.“ Zumal man sich ja seit eineinhalb Jahren ständig getroffen habe, wie der Angeklagte erläuterte. „Wir hatten Sex im Auto im Wald oder bei ihr zuhause. Normalen Sex, auch oral.“ Sie hätten dabei nicht verhütet, weil sie die Pille nehme. Marcel Tomczak zog im Gerichtssaal einen Trumpf: Man habe einen Whats-App-Chat vorliegen, der die Sache etwas anders darstelle.
Tatsächlich nahm das Schöffengericht den Chat-Verlauf unter die Lupe. Ob man sich nicht spontan treffen wolle oder nicht ein bisschen „chillen“ könne - hatte der Angeklagte seine Bekanntschaft damals angeschrieben – wobei Verteidiger Marcel Tomczak versicherte, dass in dem Chat mit „chillen“ immer „Sex haben“ gemeint gewesen sei. Jedenfalls antwortete die junge Frau auf die eindeutige Frage mit dem Satz „Jo, wird schon geil.“
Wenige Augenblicke später holte er sie ab und sie stieg in sein Auto. Dass hier ein Einvernehmen vorliege, sei eindeutig, so die Verteidigung. Das Gericht sah das offenbar etwas anders, denn Richter Torsten Hoffmann stellte etliche Fragen, die der 23-Jährige nicht zu beantworten wusste. Schließlich, so der Angeklagte, könne er sich an den Abend nicht mehr erinnern. Das sei schon zu lange her. Aber wenn doch alles in Ordnung und einvernehmlich gewesen sei, fragte der Richter, warum habe die Geschädigte denn dann den Angeklagten bei WhatsApp blockiert? Und die Praktiken im Auto? „War das auch immer so Usus?“, wollte Torsten Hoffmann wissen. „Und haben Sie eine Erklärung, warum Ihre Bekannte Anzeige erstattet hat?“ Rechtsanwältin Vanessa Roth, die das Opfer in der Nebenklage vertritt, legte nach: Mit dem Tag, als der letzte Vorfall im Auto passiert sei, sei die Beziehung beendet gewesen. „Haben Sie sich nach eineinhalb Jahren Beziehung nicht gewundert, warum?“ Warum er die Frau nicht nochmal kontaktiert habe, schließlich gebe es SMS oder Facebook. Fragen über Fragen, zu denen dem 23-Jährigen keine Antworten einfielen.
Torsten Hoffmann nutzte die Gelegenheit und schlug allen Beteiligten vor, ein Rechtsgespräch zu führen – wohl auch unter der Maßgabe, das Verfahren im Sinne des Opfers möglichst zügig zu beenden und es nicht noch durch eine Aussage zusätzlich zu belasten. Denn schon zum Auftakt der Gerichtsverhandlung hatte die junge Frau einen Weinkrampf bekommen. Eine Stunde lang rangen Schöffengericht, Staatsanwaltschaft, Verteidiger des Angeklagten und Anwältin der Nebenklägerin um eine Lösung.
Mehrfach mussten Einzelgespräche mit Verteidiger und dem 23-Jährigen dazwischen geschoben werden – bis das Gericht schließlich zusammenkam und die Möglichkeit einer Verständigung erörterte. Dabei sei es inhaltlich um die strafmildernde Wirkung eines Geständnisses gegangen, erläuterte Torsten Hoffmann, eingebunden in eine vergleichsweise Verpflichtung zur Zahlung eines Schmerzensgelds. Im Rahmen einer Adhäsion hatte das Gericht im Vorfeld die zivilen Ansprüche gleich mit berücksichtigt.
Jetzt verpflichtet sich der 23-Jährige, in Form eines Vergleichs zur Zahlung von 1000 Euro an die Geschädigte. Als Strafrahmen legte das Gericht eine acht- bis zwölfmonatige Bewährungsstrafe fest. „Mein Mandant räumt die Tatvorwürfe in der Anklage ein“, formulierte Verteidiger Marcel Tomczak. Das Schöffengericht verurteilte den 23-Jährigen schließlich zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und der Vergleichszahlung von 1000 Euro. Damit sind alle Ansprüche des Opfers in diesem Falle erledigt.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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