Pfefferspray und Ohrfeigen wirkten

Polizist »streckte« Sache in Bad Laasphe selbst / Geldauflage für Angeklagte

howe Bad Berleburg. Ein Actionfilm im Amtsgericht? Die Schilderung eines Polizeibeamten klang jetzt so. Feucht fröhlich hätten sich die beiden Angeklagten in den Armen gelegen. Jeder habe eine Pulle Bier in der Hand gehalten, als seine Kollegin und er die Männer in Bad Laasphe angehalten habe. »Ich fragte nach den Personalien. Das wurde abgelehnt.« Dann habe er zunächst den 28-Jährigen abgetastet und im Portemonnaie den Personalausweis entdeckt. Bei dem anderen Mann, einem 23-Jährigen, habe er zumindest Führerschein und Fahrzeugschein gefunden. »Ich habe die Daten über Funk abgeglichen und wollte den Beiden die Ausweise aushändigen. Das lehnten sie ab«, schilderte der Beamte.

Mit der Bierflasche auf ihn zugegangen

Mehrmals habe er sie aufgefordert, die Papiere endlich an sich zu nehmen. Fehlanzeige. Ich habe denen die Ausweise einfach vor die Füße fallen lassen, so der Polizist. Da seien die Männer rebellisch geworden. Der 28-Jährige sei mit der Bierflasche in der Hand auf ihn zugegangen. »Ich habe Pfefferspray eingesetzt, was aber zunächst keine Wirkung zeigte. Und dann habe ich ihm eine Ohrfeige verpasst.« Ebenfalls mit der Bierflasche gestikulierend sei der 23-Jährige auf ihn losgegangen. Dem habe er nach einer kräftigen Prise Pfefferspray auch eine Watschen gegeben. Anschließend hätten die Männer eine Flasche geöffnet und sich mit dem Bier die Augen ausgewaschen. Wenig später sei er zur Feststellung des Sachverhaltes zur Gaststätte gefahren, brachte der Beamte den Sachverhalt recht nüchtern zu Gehör.

»Habe mich nicht schuldig gefühlt«

Somit war die Verhandlung vor dem Bad Berleburger Amtsgericht auch am eigentlichen Beginn der Sache angelangt. In der Gaststätte sollen die beiden Angeklagten nämlich einen 28-jährigen Studenten bedroht haben. Der Student erklärte, man habe ihn grundlos in die Rippen gestoßen, und weil er Angst hatte, habe er die Polizei gerufen. Der Kreis der Geschichte schloss sich dort, wo der Polizeibeamte die Männer später aufgegriffen hatte. Die Version der Beschuldigten klang völlig anders. Was die Auseinandersetzung mit dem Studenten betreffe, sei es zu Beleidigungen von beiden Seiten gekommen. Geschlagen habe man den Gast nicht. Und zum Vorfall mit dem Polizeibeamten: Die Ausweise hätten sie in der Tat nicht vorzeigen wollen. »Ich habe mich nicht schuldig gefühlt«, so der 28-jährige Angeklagte. Und weiter: »Der Polizist hat uns zuerst geschlagen, erst dann habe ich mich gewehrt. Ich habe gesagt, wenn Du kein Bulle wärst, hätte ich Dir jetzt eine reingehauen.« Bierflaschen hätten sie keine mitgenommen und die Augen hätten sie sich beim Fluss ausgewaschen – eine interessante Geschichte, die Richter Torsten Hoffmann und Staatsanwalt Wolfgang Nau aufgetischt bekamen.

Je 250 E – und die Sache ist erledigt

Viel sei im Grunde gar nicht passiert, so Wolfgang Nau. Die Körperverletzung gegen den Studenten bewege sich an der unteren Grenze. Beim Vorwurf des Widerstands gegen einen Vollstreckungsbeamten half der Polizeibeamte schlichtend nach. Richtig erhoben habe niemand die Hand. Die beiden Männer hätten eher seitlich mit der Flasche gefuchtelt. Außerdem seien sie durch den Einsatz des Pfeffersprays herumgetorkelt und hätten die Kontrolle verloren. Das Gericht einigte sich darauf, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen: Je 250 e in die Staatskasse, und die Sache ist erledigt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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