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Vamed reagiert auf sinkende Patientenzahl
Pflegepersonal in Kurzarbeit

Die Corona-Krise hat längst den Reha-Standort Bad Berleburg erreicht. Voraussichtlich ab 20. April wird Vamed für einen Großteil der Mitarbeiter das Instrument der Kurzarbeit ziehen.
  • Die Corona-Krise hat längst den Reha-Standort Bad Berleburg erreicht. Voraussichtlich ab 20. April wird Vamed für einen Großteil der Mitarbeiter das Instrument der Kurzarbeit ziehen.
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vö Bad Berleburg. Dass eine Krise nie zum richtigen Zeitpunkt kommt, liegt auf der Hand. Für den Reha-Standort Bad Berleburg durchkreuzt „Corona“ allerdings ehrgeizige Planungen im Jahr 2020. Der Gesundheitsanbieter Vamed hatte erst vor wenigen Monaten intensive Umstrukturierungen in der Odebornstadt eingeleitet: Das Gebäude der Baumrain-Klinik wurde aufgegeben, die dort angebotenen Indikationen (Schwerpunkt Orthopädie) wurden mit hinüber genommen in den großen Klinik-Komplex am Arnikaweg, wo bis dato neurologische und psychosomatische Erkrankungen behandelt wurden. Das Ziel: Alle Indikationen unter einem Dach zu konzentrieren, Synergien zu nutzen, kürzere Wege herzustellen.

Dann kam „Corona“.

Bad Berleburg. Dass eine Krise nie zum richtigen Zeitpunkt kommt, liegt auf der Hand. Für den Reha-Standort Bad Berleburg durchkreuzt „Corona“ allerdings ehrgeizige Planungen im Jahr 2020. Der Gesundheitsanbieter Vamed hatte erst vor wenigen Monaten intensive Umstrukturierungen in der Odebornstadt eingeleitet: Das Gebäude der Baumrain-Klinik wurde aufgegeben, die dort angebotenen Indikationen (Schwerpunkt Orthopädie) wurden mit hinüber genommen in den großen Klinik-Komplex am Arnikaweg, wo bis dato neurologische und psychosomatische Erkrankungen behandelt wurden. Das Ziel: Alle Indikationen unter einem Dach zu konzentrieren, Synergien zu nutzen, kürzere Wege herzustellen.

Dann kam „Corona“. Und mit dem Virus folgten direkte Auswirkungen auf die Akut-Krankenhäuser, die Kapazitäten schaffen mussten für Corona-Patienten. Und indirekte Folgen für die Reha-Sparte, weil nicht unbedingt notwendige Operationen verschoben wurden. Die einfache Formel daraus: keine Operationen – keine Reha-Patienten. In Bad Berleburg verdichteten sich zuletzt Gerüchte, nach denen Vamed für die Beschäftigten am Reha-Standort Bad Berleburg das Instrument der Kurzarbeit einsetzen muss. Entsprechende SZ-Informationen bestätigte Klinik-Geschäftsführerin Sabine Raimund am Donnerstag auf Anfrage.

„Aufgrund der sinkenden Patientenzahlen werden wir in der Vamed-Rehaklinik Bad Berleburg in einzelnen Bereichen Kurzarbeit einführen müssen. Zwar finden notwendige Reha-Maßnahmen beispielsweise nach Schlaganfällen oder dringenden Operationen statt, übliche Heilverfahren wie die Reha bei Tinnitus-Beschwerden sind dagegen seit Wochen ausgesetzt.“ Damit sei die Belegung dramatisch zurückgegangen. Die über 500 Betten der Vamed-Rehaklinik Bad Berleburg seien nur noch zu 30 Prozent ausgelastet. Ambulante Therapien seien ebenfalls abgesagt. Durch die sich daraus ergebenden fehlenden Einnahmen stehe die Rehaklinik vor großen finanziellen Herausforderungen, die allein durch den Rettungsschirm nicht kompensiert werden könnten, erläuterte die Geschäftsführerin.

Laut Bundestag sei Kurzarbeit ein fester Bestandteil des Rettungsschirms und solle in Kombination mit den beschlossenen Aufstockungszahlungen das Überleben der Gesundheitseinrichtungen sichern. Mit dem Kurzarbeitergeld könnten wegfallende Einnahmen zumindest teilweise ausgeglichen werden.

Sabine Raimund machte deutlich, dass vor dem Instrument Kurzarbeit alle anderen Optionen genutzt worden seien: „Unsere Mitarbeiter arbeiten derzeit ab, was liegen geblieben ist, ziehen ihren Urlaub vor, bauen Überstunden ab und teilweise Minusstunden auf. Mitarbeiter aus der Therapie-Abteilung unterstützen die Pflegekräfte bei pflegefernen Tätigkeiten auf den Stationen, Ärzte helfen bei entsprechender Qualifikation in den anderen Fachbereichen aus – für die meisten Abteilungen und Berufsgruppen ließ sich das Thema Kurzarbeit so zunächst umgehen.“

Aktuell sei mit dem Betriebsrat besprochen worden, dass Vamed indikationsbezogene Kurzarbeit einführen werde. Dazu werde eine entsprechende Betriebsvereinbarung vorbereitet. Der Fachbereich der Neurologie sei nicht betroffen. „Damit unsere Mitarbeiter die Auswirkungen so wenig wie möglich spüren, stocken wir das Kurzarbeitergeld auf 93 Prozent und für Mitarbeiter mit Kindern auf 95 Prozent der gewöhnlichen Vergütung auf. Selbstverständlich werden wir die Maßnahme nur so lange aufrechterhalten wie unbedingt nötig. Wir sind uns unserer Verantwortung voll bewusst und bereiten uns sorgfältig auf alle denkbaren Szenarien vor“, so die Geschäftsführerin abschließend.

Vamed-Sprecherin Antje Gröpl-Horchler ergänzte, dass das Mittel der Kurzarbeit im Reha-Bereich aller Voraussicht nach ab 20. April greife. Natürlich sei die große Hoffnung da, dass diese Phase nicht sehr lange andauere – denn irgendwann müssten ja alle aktuell verschobenen Operationen nachgeholt werden: „Sicherlich ist das etwas der Blick in die Kristallkugel. Aber die Hoffnung ist da, dass es in Zukunft wieder verstärkten Bedarf an Reha-Maßnahmen geben wird.“ Die Akut-Klinik in Bad Berleburg – ebenfalls unter der Trägerschaft von Vamed – sei von der Kurzarbeit nicht betroffen. Hier greife ein Rettungsschirm, der die entgangenen Einnahmen zu 100 Prozent abdecke, so Antje Gröpl-Horchler.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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