Humor kommt durch die Hintertür
Picknick hinter dem Dorfgemeinschaftshaus

„Ein Sommerabend 2“, die Veranstaltungsreihe des Jugendfördervereins Bad Berleburg, kam am Donnerstagabend ohne Regen aus, und auf der Wiese kam tatsächlich die Atmosphäre eines Familienpicknicks auf.
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schn Rinthe. Tobias Beitzel begrüßte seine Gäste einmal mehr in der „weltbesten Location“, die diesmal hinter dem Dorfgemeinschaftshaus in Rinthe zu finden war. „Ein Sommerabend 2“, die Veranstaltungsreihe des Jugendfördervereins Bad Berleburg, kam am Donnerstagabend ohne Regen aus, und auf der Wiese kam tatsächlich die Atmosphäre eines Familienpicknicks auf. Rund 80 Menschen aus der Umgebung wollten Singer-Songweiter August Klar und Poetry-Slammerin Luca Swieter hören. Die „Rinthe-Challenge“, die Tobias Beitzel in der vergangenen Woche ausgerufen hatte, konnten die Gäste dann doch nicht erfüllen.

Der Arfelder hatte angekündigt, dass man einen Materialgutschein des Jugendfördervereins verlosen werde, wenn mehr Gäste als die 120 Einwohner von Rinthe zum Picknick kommen würden. Immerhin zwei Drittel der notwendigen Gäste waren anwesend, der Gutschein aber ging an die Dorfgemeinschaft in Rinthe. Dort wisse man ganz bestimmt etwas damit anzufangen, befand Sandra Janson vom Jugendförderverein.

Wie gemacht für Kleinkunst-Open-Air

Die Location in Rinthe bietet sich für den Sommerabend geradezu an. Direkt hinter dem Dorfgemeinschaftshaus öffnet sich eine Wiese mit natürlicher Bühne, das ganze umgeben von einer Hecke und Sträuchern. Wie gemacht für Kleinkunst-Open-Air – und bei vielen bisher wohl nicht auf dem Schirm. Zahlreiche Gäste hatten sich ihre eigenen Sitzgelegenheiten und Verpflegung mitgebracht. Die Dorfgemeinschaft ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, ein zusätzliches Getränkeangebot zu unterbreiten. Das Publikum – Jung und Alt – macht das charmante Konzept der Veranstaltungsreihe aus, die eine Form des Kulturbetriebs nach Wittgenstein gebracht hat, die in den vergangenen Jahren hier noch unterrepräsentiert war. Poetry-Slam und Stand-up-Comedy sind eher im großstädtischen Umfeld zu Hause – finden aber, nicht ohne Grund, auch hier viele Fans.

Luca Swieter versucht es mit der Kraft ihrer Worte. und erzählt Geschichten aus dem Leben.
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Das Konzept von Tobias Beitzel ist einfach: Auf der eher improvisierten Bühne stehen junge Künstler und präsentieren ihre Programme. Die sind oft schräg, kantig, und der Humor kommt oft durch die Hintertür. Natürlich ist auch hier das Tempo genau durchchoreografiert, die Lacher sind geplant und die Gags gut getestet, doch die Damen und Herren auf der Bühne wirken dabei immer ein wenig anarchisch. Die klassische Humorkultur auf der Bühne geht anders.

Man muss die Dorfkinder nicht von Weitem erkennen

Gerade das macht das Konzept spannend und für die heimische Region interessant. Nicht ohne Grund soll der Sommerabend auch nach Corona weitergeführt werden. Tobias Beitzel freute sich über die vielen neuen Gesichter, die im Jahr 2020 und beim Auftakt in der vergangenen Woche noch nicht dabei waren. Die bekamen auch gleich einen Seitenhieb auf das Dorfleben zu hören. Der Arfelder fragte sich, warum er immer mehr Schüler sehe, „die mit Engelbert-Strauss-Klamotten in die Schule gehen“. Es müsse doch echt nicht sein, dass man die Dorfkinder schon von Weitem erkenne.

Die Dichte an karierten Hemden auf dem Schützenfest und die Menge der Baseball-Kappen mit Bezug zu Traktorenmarken hätten doch gerade erst wohltuend abgenommen, so Beitzel: „Also warum?“ Er sei ja echt gegen Mobbing, aber hier müsse man ansetzen. Er schreibe alles in sein Handy, jeden dummen Gedanken: „99 Prozent davon sind Müll.“ Und genau den trug er als Stimmungsmacher am Donnerstagabend in Rinthe vor.

Eine Band mit nur einer Stimme

Einen ganz anderen Weg geht August Klar. Neben schrägen und doch leicht vorhersehbaren Texten setzt er vor allem auf seine Stimme. Die verbiegt er, auch dank Technik, ganz ordentlich. Als Beatboxer schafft er es, eine Band nur mit seiner Stimme zu ersetzen. Das kommt beim Publikum immer gut an. Dabei springt er gekonnt zwischen den Genres hin und her, bietet Pop und Rock, Jazz und Schlager.
Luca Swieter dagegen versucht es mit der Kraft ihrer Worte. Sie erzählt Geschichten aus dem Leben. Da wird die Frage, wie man dem Partner das Schnarchen abgewöhnt, ohne das Thema anzusprechen, zur Abhandlung über die menschliche Psyche. Ihr Vortragsstil ist schnell, fast ohne Pause bildet sie eine Schlange aus Wörtern. Wer da folgen will, muss genau zuhören, Unterbrechungen zum Verarbeiten gibt es kaum.

„Ein Sommerabend 2“, die Veranstaltungsreihe des Jugendfördervereins Bad Berleburg, kam am Donnerstagabend ohne Regen aus, und auf der Wiese kam tatsächlich die Atmosphäre eines Familienpicknicks auf.
Luca Swieter versucht es mit der Kraft ihrer Worte. und erzählt Geschichten aus dem Leben.
Autor:

Guido Schneider aus Siegen

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