Plädoyer für eine bessere Prävention

Einen fundierten Einblick erhielten die Besucher des Seminars „Fußamputation – Altes und Neues“ in der Baumrainklinik. Renommierte Fachärzte aus der gesamten Bundesrepublik waren angereist und klärten auf. Foto: tika
  • Einen fundierten Einblick erhielten die Besucher des Seminars „Fußamputation – Altes und Neues“ in der Baumrainklinik. Renommierte Fachärzte aus der gesamten Bundesrepublik waren angereist und klärten auf. Foto: tika
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tika Bad Berleburg. Amputationen sind ein bis heute gesellschaftlich tabuisiertes Thema. Dementsprechend wenig ist die Forschung und Entwicklung bei der Prävention von Amputationen voran geschritten. Die häufigste Ursache: Diabetes mellitus. Dass Menschen, die mit Amputationen leben müssten, seinen Respekt hätten, erklärte Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann am Samstag anlässlich der Tagung „Fußamputation – Altes und Neues“ in der örtlichen Baumrainklinik. Manchmal seien sie die einzige Möglichkeit, um das Leben eines Individuums zu erhalten. „Dieses Thema ist von extremer Wichtigkeit“, konstatierte Bernd Fuhrmann - und erhielt dafür große Zustimmung.

So erklärte der Geschäftsführer des Reha-Zentrums „Baumrainklinik“, Elmar Knoche, „dass die Zahl der Amputationen bedauerlicherweise in den letzten Jahren nicht gesunken ist“. Dies sei vor allem durch fehlende Prävention bedingt. Bewegung und eine gesunde Lebensweise seien der Schlüssel, Diabetes und damit eine drohende Amputation von Gliedmaßen zu verhindern. Deutliche Worte fand auch der Chefarzt der Orthopädie der Klinik, Dr. Ralf-Achim Grünther: „Es herrscht eine Unter- und Fehlversorgung bei Fußamputationen.“ So besage eine Statistik, dass alle 19 Minuten einem an Diabetes erkrankten Menschen in der Republik ein Fuß oder gar ein Bein amputiert werde. „Ein Drittel stirbt innerhalb eines Jahres nach der Operation.“ Insgesamt gebe es rund 116 000 dieser Fälle jährlich – 69 Prozent litten an der Zuckerkrankheit. „Diese Zahlen belegen einiges“, erklärte Ralf-Achim Grünther.

Neben ihm waren renommierte Fachärzte aus ganz Deutschland angereist, darunter Prof. Siegmar Blumentritt aus Duderstadt, Dr. Marcus Altmeier aus Dortmund, Dr. Georg Neff aus Berlin sowie Spezialisten aus der Region und angrenzenden Bundesländern. Während des gesamten Tages unterrichteten sie die etwa 100 Besucher des Seminars über grundlegende Kenntnisse der Anatomie. Darüber hinaus bekamen die Zuhörer theoretische Einblicke in eine Fußamputation aus Sicht eines Unfall-, eines Gefäß- und eines plastischen Chirugen sowie eines Orthopäden.

Behandlungsmethoden, präventive Maßnahmen – sie waren Thema des Tages. „Im Bereich der Prothesenforschung“, erklärte Ralf-Achim Grünther im Gespräch mit der Siegener Zeitung, „hat sich viel getan.“ Die Prävention, für die 1989 eigens ein Konzept entwickelt worden sei, stagniere allerdings. Das sei nicht nur bedauerlich, sondern ärgerlich, denn das resultiere wohl vordergründig aus Habgier: „Oberschenkelamputationen werden öfter angewandt als Fußamputationen. Manchmal ist beides unnötig.“ Vor allem aber stünden sich die Ärzte bei einer Beseitigung eines ganzen Schenkels finanziell besser, als bei der bloßen Eliminierung eines Fußes. „Das gibt schlichtweg mehr Geld“, kritisiert der Orthopäde scharf. Effizienter sei eine Therapie: Vorbehandlung in einer Fachklinik, im Anschluss eine fundierte Rehabilitation.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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