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Der Wald im Wandel (SZ-Serie)
Plädoyer für Einsatz von Rückepferd und Forstmaschine

Pferderücker Oliver Junker-Matthes und sein Kaltblut „Samson“ sind gegenwärtig nur wenig gefragt.
  • Pferderücker Oliver Junker-Matthes und sein Kaltblut „Samson“ sind gegenwärtig nur wenig gefragt.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

ako Diedenshausen. Wenn umgestürzte oder bewusst gefällte Bäume heutzutage aus dem Wald entfernt werden, dann kommt dabei in der Regel moderne Technik zum Einsatz. Es gibt aber auch viele Bereiche, die für schwere Maschinen kaum zugänglich sind. Mit Pferden lässt sich dagegen fast jede Stelle erreichen – das weiß auch Oliver Junker-Matthes. Der Waldarbeiter aus Diedenshausen ist seit mehreren Jahren auch als Holzrücker tätig. 1991 hatte er mit dem Rückepferdgespann angefangen, das jedoch nach und nach dem industriellen Holzrücken weichen musste.
„Ich habe etwa zehn Jahre lang mit dem Pferd Holz gerückt, doch es gab immer weniger Aufträge. Dann habe ich zehn Jahre mit einer Seilmaschine gearbeitet“, sagt Oliver-Junker Matthes, der heute so ziemlich alle Waldarbeiten verrichtet.

ako Diedenshausen. Wenn umgestürzte oder bewusst gefällte Bäume heutzutage aus dem Wald entfernt werden, dann kommt dabei in der Regel moderne Technik zum Einsatz. Es gibt aber auch viele Bereiche, die für schwere Maschinen kaum zugänglich sind. Mit Pferden lässt sich dagegen fast jede Stelle erreichen – das weiß auch Oliver Junker-Matthes. Der Waldarbeiter aus Diedenshausen ist seit mehreren Jahren auch als Holzrücker tätig. 1991 hatte er mit dem Rückepferdgespann angefangen, das jedoch nach und nach dem industriellen Holzrücken weichen musste.
„Ich habe etwa zehn Jahre lang mit dem Pferd Holz gerückt, doch es gab immer weniger Aufträge. Dann habe ich zehn Jahre mit einer Seilmaschine gearbeitet“, sagt Oliver-Junker Matthes, der heute so ziemlich alle Waldarbeiten verrichtet. Im Gespräch mit der Siegener Zeitung macht der 54-Jährige darauf aufmerksam, dass der Einsatz von modernen Kranmaschinen – „eigentlich heute Standard, ich selbst kann die aber nicht bedienen“ – die Arbeitsabläufe von Holzrückern wirtschaftlich effizienter gemacht hat: „Man ist wesentlich schneller.“ Dennoch spreche heute immer noch vieles für das traditionelle Holzrücken mit Pferden.

Das Pferd macht bei Nässe keine Schäden“

Egal ob Böschungen, hügelige Pfade oder schlammiger Untergrund: Dort, wo große Maschinen nicht hinkommen oder gar nicht erst hindürfen, haben die Nutztiere einen Vorteil. Denn sie kommen überall hin und schonen auf ihrem Weg den Waldboden: „Das Pferd macht bei Nässe keine Schäden“, betont Oliver Junker-Matthes. Ganz anders sieht es bei den schweren Fahrzeugen aus. Vollernter wie zum Beispiel der Forwarder wiegen mehrere Tonnen und fahren auf Rückegassen – unbefestigte forstwirtschaftliche Wege mit einer Breite von drei bis vier Metern. Der Abstand zwischen diesen Gassen beträgt im Wald meist 20 bis 40 Meter. Durch das Befahren der Wege können die Maschinen das Holz zwar schnell transportieren, auf diese Art und Weise würden die Fahrzeuge allerdings den Boden beschädigen und am Rand zum Teil sogar zerstören, wie der Waldarbeiter berichtete.
Hinzu komme, dass die Maschinen laut Oliver Junker-Matthes in einem „umweltsensiblen“ Bereich eingesetzt werden. Dabei wird viel Treibstoff, meist Diesel, verbraucht – und in der Folge große Mengen Abgase ausgestoßen. „Die Arbeit mit dem Pferd ist bestandsschonend.“
Doch beim maschinellen Arbeitsablauf tritt noch ein weiteres Problem auf. Die Arme von Kranmaschinen reichen oft nur bis zu zehn Meter in den Wald hinein. Bei einem Rückegassenabstand von 40 Metern kann so nicht jeder Stamm erreicht werden, wie Oliver Junker-Matthes betont. Die Räume dazwischen eigneten sich aber „hervorragend“ für die Pferde. Deshalb plädiert der 54-Jährige auch dafür, z. B. beim Durchforsten – Pflegemaßnahme, bei der aus einem Baumbestand eine größere Anzahl Bäume gezielt entnommen wird – das maschinenunterstützte Holzrücken mit dem Einsatz von Rückepferden zu verbinden.

Arbeit körperlich sehr anspruchsvoll

Weil die Tiere die gefällten Stämme zu den Maschinen bringen, könnten die Rückegassenabstände laut dem Diedenshausener deutlich erweitert werden, „was dem Waldboden zugute kommt“. Die „Kombination“ aus Pferderücker und Kranmaschine wäre demnach nicht nur am „wirtschaftlichsten“, sondern auch am „nachhaltigsten“. Oliver Junker-Matthes weist aber auch darauf hin, dass diese Verbindung nicht überall Sinn machen würde. Bei einem der vielen durch den Borkenkäfer verursachten Kahlschläge – in der Forstwirtschaft das planmäßige Fällen aller ausgewachsenen Bäume auf einer bestimmten Waldfläche – sollten dem Waldarbeiter zufolge nur Maschinen zum Einsatz kommen: „Da betreiben wir ja Leichenfledderei“, merkt der 54-Jährige an. Auch wenn „ganz dicke“ und besonders schwere Stämme aus dem Wald geholt werden müssen, die ein Kran „einfach greifen kann“, sei ein maschineller Arbeitsablauf von Vorteil. Bei allen Forstarbeiten gelte generell aber, die Naturverjüngung möglichst aufrechtzuerhalten – „das ist meine Empfehlung“, merkt Oliver Junker-Matthes an.
Neben dem Holzeinschlag, dem Bau von Wildzäunen oder der Kulturpflege führe er derzeit auch einige wenige Holzrücker-Aufträge durch. Da der verheiratete Familienvater von drei erwachsenen Kindern derzeit keine eigene Seilmaschine besitzt, nutze er die vor Ort bereitstehenden Gerätschaften der Auftraggeber. „Ich habe jetzt aber auch wieder einen Auftrag fürs Pferderücken bekommen. Das sind aber nur 40 Stämme“, betont Oliver Junker-Matthes.
Wie viele Bäume der Holzrücker mit seinem etwa 850 Kilogramm schweren Kaltblüter „Samson“ an einem Tag aus dem Wald ziehen kann, hänge von mehreren unterschiedlichen Faktoren ab. „Das kann man pauschal nicht sagen. Man arbeitet draußen in der Natur, vielleicht 30 Festmeter. Das kommt aber auch auf das Gelände und das Wetter an.“ Zudem sei der Zeitaufwand beim Holzrücken mit Rückepferden größer und die Arbeit körperlich sehr anspruchsvoll. „Natürlich dauert es mit dem Pferd etwas länger, aber es ist eine sehr schöne Arbeit.“

Hier finden Sie alle Artikel zur SZ-Serie "Der Wald im Wandel" im Überblick.

Autor:

Alexander Kollek

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