Pluralismus heißt nicht Beliebigkeit

Erkenntnis des Evangelischen Bundes: Christliche Mission sichert schöpferische Differenzen

JG Raumland. »Wir müssen den Begriff Mission für uns zurückgewinnen«, kämpferisch formulierte Dr. Dirk Spornhauer beim Pressegespräch gestern das Ziel. Anlass war die zweitägige Landesversammlung des Evangelischen Bundes Westfalen und Lippe im Kirchenkreis Wittgenstein, die kurz zuvor im Raumländer Gemeindehaus zu Ende gegangen war. Wobei der örtliche Pfarrer Spornhauer nicht nur den Begriff, der über Jahre hinweg in der Landeskirche ungern in den Mund genommen wurde, von anderen, vielleicht fundamentalistischen Gruppen zurückhaben wollte, nein auch den Inhalt des Wortes müsse man für die Gegenwart neu definieren.

Auch die katholischen Kollegen kamen

Und so stellte die Versammlung ins Zentrum der theologischen Arbeitstagung, zu der neben Predigern des evangelischen Bundes auch die heimischen evangelischen Pfarrer sowie die beiden katholischen Pastoren Albert Filthaut und Karl-Heinz Böckelmann gehörten: »Mission Dei heute. Mission in pluralistischer Gesellschaft.« Dr. Henning Wrogemann füllte als Dozent des Hermannsburger Missionsseminars und Raumländer Referent den sperrigen Titel mit Inhalt.

Die feste Position als Garant der Freiheit

Seine verblüffende These: Mission stellt keine Gefährdung für den Pluralismus dar, sondern sichert erst die Vielfalt. Langsam und zum Mitdenken entwickelt sich seine Argumentation folgendermaßen: Da Standpunkte und Weltanschauungen heute immer weniger bindend sind, wächst – bei genauer Betrachtung – der Pluralismus nicht, stattdessen entsteht ein Brei der Beliebigkeit. Dieser ist in seiner gleichmachenden Art die eigentliche Gefahr für den Pluralismus. Die Mission, die in meinungsschwachen Zeiten eine feste Position deutlich macht, ist somit ein Garant für die freie Äußerung einer Meinung. Und deshalb müssen Beliebigkeit und Pluralismus strikt auseinandergehalten werden. Wobei Henning Wrogemann unterstrich: »Gott will Unterschiede zwischen den Menschen. Damit schöpferische Differenzen bleiben, brauchen wir christliche Mission.«

Für Glauben werben mit Lebenszeugnis

Als Möglichkeiten der christlichen Mission sprach der Dozent für Missionswissenschaft vor allem von einem: Der Christ solle mit seinem »Lebenszeugnis« – mit seinem Wesen, Auftreten und erzählen – Werbung für seinen Glauben machen. Eine andere Wrogmannsche Werbemaßnahme für den christlichen Glauben: »schöne Gottesdienste feiern«.

Entfremdung von der Kirche nimmt zu

Und dieses müssen sich wohl auch die Wittgensteiner Pfarrer ins Stammbuch schreiben lassen. Denn wenn es auch hier noch nicht die großstädtische Kirchenflucht gibt, so stellte Superintendent Hans-Jürgen Debus fest: »Auch hier nimmt die Entfremdung von der Kirche zu.« Und fühle sich mal jemand der Gemeinde verbunden, dann könnte trotzdem schon eine kleine Unstimmigkeit zu einer Trennung führen. Die Menschen weichen heute Ärger schneller aus.

15 Gäste predigten in ganz Wittgenstein

Deshalb formulierte Gerrit Noltensmeier, die Missionsorte seien nicht mehr ferne Länder, sondern die Wohnungen der Nachbarn. Der Superintendent der Lippischen Landeskirche war mit 14 weiteren Predigern des Evangelischen Bundes Westfalen und Lippe bereits seit Sonntag in Wittgenstein. Morgens predigten sie – in ihrer Freizeit – in den heimischen Kirchen, nachmittags schloss sich ein Gemeindenachmittag im Berleburger Jugendheim im Herrengarten an. Vor rund 70 Leuten thematisierte Gerrit Noltensmeier »Der Glaube bleibt nicht stumm… Missionarische Kirche in unserem Land«. Und auch er betrachtete Gewohntes aus einem anderen Blickwinkel. Mission müsse heißen, aus der sicheren Geborgenheit der Gleichgesinntengruppe hinauszugehen. Öffentlich Werbung zu machen für den Trost, den Gott gebe, das sei eine wichtige Grundlage für aktiven, lebendigen Glauben. Damit tut sich also auch der Missionierende mit seinen Aktivitäten selbst einen Gefallen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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