Polizei überführte Drogenhändler

Erndtebrücker gestern zu zweijähriger Bewährungsstrafe und 2500 E Geldbuße verurteilt

Bad Berleburg. Ohne einen Gefühlsausbruch oder eine Regung in seinem Gesicht verfolgte gestern der 25-jährige Angeklagte das Geschehen im Verhandlungssaal des Bad Berleburger Amtsgerichtes. Über seinen Verteidiger ließ der Erndtebrücker ausrichten, dass er sich zu den Vorwürfen gegen ihn nicht äußern werde. Das überraschte die Beobachter im Gerichtssaal nicht wirklich, denn die Beweise gegen ihn schienen erdrückend. Trotz seines beharrlichen Schweigens lieferte die gestrige Verhandlung einen recht intensiven Einblick in die – leider – vorhandene Wittgensteiner Drogenszene.

Staatsanwalt Wolfgang Nau führte in der Anklageschrift gleich mehrere Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz auf. Im September vergangenen Jahres und im Januar dieses Jahres habe die Polizei bei dem Angeklagten nicht geringe Mengen an Haschisch, Amphetaminen, Ecstasy und Marihuana sicher gestellt. Außerdem sei Zubehör gefunden worden, der die Schlussfolgerung zulasse, dass der 25-Jährige mit den Betäubungsmitteln einen florierenden Handel betrieben habe.

Zeuge verweigerte die Aussage

Ein 22-Jähriger Mann, der zum Kundenstamm des Erndtebrückers gehört haben soll und sich momentan einer Drogentherapie unterzieht, brachte jedoch gestern wenig Licht in das Drogendickicht. Er werde sich zu dem Thema nicht äußern, weil gegen ihn selbst noch ein Verfahren laufe und er sich möglicherweise selbst belaste. Folge: Das Gericht konzentrierte sich gestern auf die Aussagen der drei Polizeibeamten, die an den Ermittlungen gegen den Erndtebrücker Metzger beteiligt waren. Ein Beamter der Bad Laaspher Polizeiwache, der im September bei einer Fahrzeugkontrolle auf den 25-Jährigen aufmerksam wurde, sprach von »einer unglaubwürdigen Geschichte«, die der Polizei präsentiert worden sei. Die in seinem Auto vorgefundenen Betäubungsmittel habe er lediglich im Auftrag nach Frankenberg transportieren sollen.

»Das habe ich ihm nicht abgekauft«

»Das habe ich ihm nicht abgekauft«, so der Ermittler gestern. Außerdem seien in dem Golf des Angeklagten mehrere kleine Zettel mit Telefonnummern und Namen aufgetaucht. Ein Mitarbeiter der Bad Berleburger Kriminalpolizei lieferte Details von einer Wohnungsdurchsuchung des Angeklagten im Januar dieses Jahres. Neben verschiedenen Mengen Rauschgift seien seinerzeit in Erndtebrück 925 e in bar sichergestellt worden, »in unterschiedlicher Stückelung, gefaltet, geknüllt und geordnet«. Ein Indiz dafür, dass es sich um Einnahmen von Kunden handeln könnte. Der Angeklagte, so der Kripo-Mann, habe »die Story vom großen Unbekannten aufgetischt, dem die Drogen angeblich gehören«. Dies habe allerdings wenig plausibel geklungen.

Sein Kripo-Kollege, ein Kenner der Wittgensteiner Drogen-Szene, untermauerte die Darstellung. Die Anordnung des Bargeldes sei »sehr ungewöhnlich« gewesen, außerdem habe der eingesetzte Drogenhund neben Amphetaminen weiße Anhaftungen an einer CD-Hülle sowie potenzielles Händler-Zubehör – Digitalwaage und Klappmesser – gefunden.

Staatsanwalt Wolfgang Nau verwies die »Einlassung von dem großen Unbekannten« in das Reich der Fabel. Er komme nach der Beweisaufnahme zu der Schlussfolgerung, »dass es sich bei dem Angeklagten um einen Rauschgifthändler handelt«. Der Erndtebrücker sei zwar strafrechtlich nicht vorbelastet, die enorme Menge der sicher gestellten Drogen sei jedoch enorm. Der Strafantrag Wolfgang Naus: zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung, 2500 e Geldbuße, Beschlagnahmung des Führerscheins und Verfall der sichergestellten 925 e bei der Wohnungsdurchsuchung.

Verteidiger Axel Ludwig sprach ebenfalls von »eindeutigen und klaren Fakten«. Jedoch sei seinem Mandaten der Handel mit Drogen nicht zweifelsfrei nachzuweisen, auch wenn die Vermutung natürlich nahe liege. Der Angeklagte habe die unrühmliche Vergangenheit mit den Drogengeschichten hinter sich gelassen und habe sich aus diesem Umfeld gelöst. Um eine Freiheitsstrafe zwischen zwölf und 24 Monaten sowie eine Geldbuße komme sein Mandant natürlich nicht herum, »doch die Sicherstellung der Fahrlizenz halte ich für nicht gerechtfertigt«. Der 25-Jährige sei keine Gefahr für den Straßenverkehr.

Führerschein wurde nicht eingezogen

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Torsten Hoffmann verurteilte den Erndtebrücker zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldbuße von 2500 e. Die 925 e aus der Durchsuchung werden ebenfalls einbehalten. Den Führerschein darf der 25-Jährige indes behalten. Aufgrund der Gesamtumstände sei das Gericht von einem Drogenhandel überzeugt, argumentierte Torsten Hoffmann. Und weiter: »Es gibt viele Indizien, die eine sichere Verurteilung zulassen.« Bewährung komme deshalb zum Tragen, »weil der Angeklagte eine sichere Arbeitsstelle hat und sein Fehlverhalten offenbar korrigieren will«. Diese Annahme ließ zumindest das Schlusswort des Beschuldigten zu: »Was passiert ist, war mir mit Sicherheit eine Lehre.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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