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Fürstlicher Erbstreit um 500 Millionen Euro
Prinz gegen Prinz

Der Rechtsstreit um das Vermögen des Fürstenhauses zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg wird am Oberlandesgericht in Hamm fortgesetzt. Auch das Schloss Berleburg gehört zur Erbmasse.
  • Der Rechtsstreit um das Vermögen des Fürstenhauses zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg wird am Oberlandesgericht in Hamm fortgesetzt. Auch das Schloss Berleburg gehört zur Erbmasse.
  • Foto: Martin Völkel
  • hochgeladen von Tim Lehmann (Redakteur)

vö Hamm/Bad Berleburg. Was das Oberlandesgericht (OLG) Hamm als „Beschwerde gegen Entscheidungen in Familiensachen“ ankündigt, ist nichts weniger als ein Erbschaftsstreit in gewaltigen Dimensionen: Am Dienstag geht es in zweiter Instanz um das millionenschwere Erbe des Bad Berleburger Fürstenhauses. Dem Vernehmen nach steht ein Streitwert von rund 500 Millionen Euro im Raum. Dazu ist das für Bad Berleburg so prägende Schloss ebenso zu zählen, wie die rund 13.000 Hektar Fläche, die der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer zuzuordnen sind – nicht weniger als der größte Privatwald in NRW.

Hamm/Bad Berleburg. Was das Oberlandesgericht (OLG) Hamm als „Beschwerde gegen Entscheidungen in Familiensachen“ ankündigt, ist nichts weniger als ein Erbschaftsstreit in gewaltigen Dimensionen: Am Dienstag geht es in zweiter Instanz um das millionenschwere Erbe des Bad Berleburger Fürstenhauses. Dem Vernehmen nach steht ein Streitwert von rund 500 Millionen Euro im Raum. Dazu ist das für Bad Berleburg so prägende Schloss ebenso zu zählen, wie die rund 13.000 Hektar Fläche, die der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer zuzuordnen sind – nicht weniger als der größte Privatwald in NRW.

Ludwig-Ferdinand legte Rechtsmittel ein

In erster Instanz hatte das Landwirtschaftsgericht Bad Berleburg im April 2019 entschieden – und die Ansprüche von Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg anerkannt. Allerdings legte Ludwig-Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, Cousin von Prinz Gustavs verstorbenem Vater Prinz Richard, Rechtsmittel gegen den Beschluss in der Odebornstadt ein – und versucht jetzt sein Glück in der nächsthöheren Instanz.

In Hamm wird ab 9.15 Uhr nicht-öffentlich verhandelt, wie Dr. Julia Nolting, stellv. Pressesprecherin am OLG Hamm, auf SZ-Anfrage erklärte. Und bei der Nicht-Öffentlichkeit wird es bis zu einer Entscheidung des OLG auch bleiben: „Eine offizielle Stellungnahme im Anschluss an den Termin würde inhaltlich lediglich beinhalten können, dass eine Anhörung stattgefunden hat, der Senat nun auf Grundlage der Anhörung die umfangreiche und komplizierte Sache zu beraten haben und zu einem noch nicht näher bestimmten Zeitpunkt einen schriftlichen Beschluss erlassen wird. Mit einer Entscheidung ist am Dienstag definitiv nicht zu rechnen“, so die stellv. Pressesprecherin weiter.

Landwirtschaftsgericht entschied für Prinz Gustav

Der Termin in Hamm sollte eigentlich bereits am vergangenen Donnerstag stattfinden, war aber noch einmal verlegt worden, „da wegen der Vielzahl der Beteiligten zur Einhaltung der aufgrund der Pandemiebekämpfung gebotenen Abstände ein größerer Sitzungssaal erforderlich geworden ist“, so Julia Nolting. In der nichtöffentlichen Sitzung werde eine Anhörung der Beteiligten erfolgen. Am Schluss der Sitzung werde keine Entscheidung verkündet, da es sich um ein Familiengerichts-Verfahren handele. Vielmehr werde später ein Beschluss im schriftlichen Verfahren ergehen. Wann dies der Fall sei, stehe derzeit noch nicht fest.

Worum geht es konkret? Mit dem Beschluss des Landwirtschaftsgerichtes Bad Berleburg zugunsten von Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg hatte dieses auch den Antrag von Ludwig-Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg abgewiesen, der bekanntlich seinerseits Anspruch auf das Fürstenerbe erhoben hatte. Das Gericht erkannte in der Beziehung von Prinz Gustav mit Lebensgefährtin Carina Axelsson keinen Grund, ihn aus der Erbfolge auszuschließen.

70 Jahre altes Testament

Der Rechtsstreit basiert auf einem mehr als sieben Jahrzehnte alten Testament, verfasst von Gustav Albrecht Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Der Vater von Prinz Richard wurde seit 1944 als Soldat der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg in Russland vermisst und 1969 offiziell für tot erklärt. Fürst Gustav Albrecht vererbte das Familienvermögen nicht seinem Sohn, sondern seinem damals noch nicht geborenen ältesten Enkelsohn. Eine Bedingung des Testaments, die in der Öffentlichkeit immer wieder zitiert wird: Der Erbe müsse eine adelige, evangelische und arische Frau heiraten.

Offenbar ist das jedoch nur ein Aspekt, den das Bad Berleburger Gericht zu prüfen hatte. Darüber hinaus ging es auch um die Frage der Wirtschaftsfähigkeit von Prinz Gustav, die von der Gegenseite angezweifelt wird.

NS-Gedankengut keine rechtliche Grundlage

Dass das Landwirtschaftsgericht in Bad Berleburg zu seinen Gunsten entschieden hatte, begrüßte Prinz Gustav im Frühjahr 2019 in einer kurzen Stellungnahme gegenüber der SZ: Er fühle sich in seiner Rechtsauffassung bestätigt. Dr. Ralf Beke-Bramkamp hatte als Sprecher von Prinz Gustav nach der Anhörung in Bad Berleburg am 8. März klargestellt: Für Prinz Gustav und für seine Familie sei selbsterklärend, dass NS-Gedankengut keine rechtliche und moralische Grundlage mehr habe und heute nicht mehr als Anspruchsgrundlage für eine Erbberechtigung herangezogen werden könne.

Weiter hieß es nach der Anhörung: „Prinz Gustav ist auch weder verheiratet, noch lebt er – wie von der Gegenseite behauptet – in eheähnlicher Gemeinschaft.“ Ludwig-Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, Cousin von Prinz Gustavs Vater Prinz Richard, blieb seiner Linie treu und äußerte sich wie schon zuvor nicht zu dem familiären Rechtsstreit. Sein Rechtsbeistand Dr. Henrich Schleifenbaum stellte gegenüber der Siegener Zeitung fest, dass ja ein solches Verfahren um eine Hof-Folge nicht ganz zu Unrecht nicht-öffentlich sei. Ohne sich zu den Inhalten zu äußern, gab der renommierte Jurist eine Einschätzung zu dem Feststellungsbeschluss des Bad Berleburger Gerichts ab: „Wir halten diese Begründung für nicht relevant.“ Es sei klar, dass sein Mandant gegen diese Entscheidung Rechtsmittel und Beschwerde beim Oberlandesgericht (OLG) in Hamm einreichen werde. Die in Bad Berleburg unterlegene Seite erhofft sich in nächster Instanz eine andere Einschätzung und Auslegung des Testaments.

Rentkammer größter Forstbetrieb in NRW

In Bad Berleburg verfolgt man den Erbstreit mit großem Interesse, weil allein in der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer rund 60 Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden. Die 13.000 Hektar Wald – nur ein geringer Teil davon nicht in Wittgenstein – sind prägend für die Region. Wie viele kleinere Waldbesitzer steht der größte Forstbetrieb in NRW derzeit angesichts der Borkenkäferplage vor riesigen wirtschaftlichen Herausforderungen.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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