Randalierer ruhte sich in der Zelle aus

Erndtebrück. Weil er wohl zu tief ins Glas geschaut hatte, randalierte am Sonntag gegen 1.45 Uhr ein 45-Jähriger an der Tür seiner Ex-Frau in Erndtebrück. Laut Polizeibericht weckte der Mann die übrigen Hausbewohner des Mehrfamilienhauses an der Martin-Luther Straße auf. Die Ordnungshüter verwiesen den lautstarken Gesellen von dem Ort, jedoch tauchte der Randalierer nach zehn Minuten wieder auf und störte die Ruhe der schlafenden Menschen erneut. Den Beamten blieb nur die Ingewahrsamnahme zur Ausnüchterung übrig. Eine Anzeige wird folgen.Elsoff. Leuchtend farbige Gewänder, wohlbeleibte Farbige, die mit voluminöser Stimme sowie aussagekräftiger Gestik Gott – »The Lord« – preisen und eine Gemeinde, die zu diesen jazzigen Takten zwischen den Kirchenbänken sich beinahe in Ekstase tanzt: Wer an Gospel denkt, hat zwangsläufig das oben beschriebene Bild im Kopf. Filme wie »Sister Act« haben mittlerweile auch uns Europäern einen Eindruck davon vermittelt, wie die afro-amerikanische Bevölkerung in der neuen Welt seit den 20er Jahren ihre Gottesdienste begeht. Dass indes die Tradition des Gospels in jüngster Zeit auch nach Deutschland übergeschwappt ist und sich hier – wenn auch oftmals außerhalb der Gotteshäuser – längst etabliert hat, spricht sich nur langsam herum.

Formation verbindet die Sangeslust

Und dass jene Gruppen, welche sich hierzulande der Aufgabe verschrieben haben, die von Jazz und afro-amerikanischer Volksmusik geprägte Stilrichtung auch in unseren Breiten populär zu machen, ein ganz anderes Gesicht besitzen als ihre schwarzen Vorbilder in den USA, erfuhren jetzt die Elsoffer am Beispiel der »Spirit Singers«. Die 1996 auf Initiative des Kantors Matthias Bender in Berlin-Spandau gegründete Formation ist ein lockerer Zusammenschluss von derzeit zwölf jungen Menschen, zumeist Abiturienten und Studenten, welche ihre gemeinsame Lust am Singen verbindet.

Tournee führte auch in das Ederdorf

Im Rahmen einer kleinen Tournee vorwiegend in Westdeutschland machten sie jetzt auch in dem Ederdorf und damit erstmals in Wittgenstein überhaupt Station und bewiesen, dass moderne christliche Popmusik durchaus eine Alternative zu dem bewährten deutschen Liedergut darstellen kann. Im Mittelpunkt des rund zweistündigen Programms standen vor allem die besinnlichen Spirituals, die Vorgänger des Gospel, deren Grundlage europäische Kirchenlieder sind und deren Texte aus dem Alten Testament stammen, sich jedoch auf die konkrete soziale Situation der Farbigen im 18. und 19. Jahrhundert beziehen.

Garantierte Gänsehautschauer

Im Chor oder mit beeindruckenden Solostimmen dargeboten, garantierten sie den Gänsehautschauer den Rücken hinab. Doch auch flottere Gospels sowie weltliche Hits wie »Tears in heaven« von Eric Clapton oder Auszüge aus dem Musical »Fame« fanden die ihnen gebührende Würdigung. Wer sich unter den leider nur rund fünfzig, dafür aber alle Altersstufen vom Enkel bis zur Oma abdeckenden erschienenen Zuhörern jedoch auf bunte Satinroben und groß gestikulierende Sänger gefreut hatte, wurde enttäuscht: In elegantem Schwarz gekleidet und allenfalls begleitend klatschend und mit den Fingern schnippsend trugen die »Spirit Singers« ihre Lieder vor und nahmen ihr Publikum mit dem Reiz ihres ganz persönlichen Stils gefangen: »Das Medium Gospel und Spiritual«, so Matthias Bender, der an diesem Abend zugleich dirigierte, am elektrischen Klavier begleitete und durch das Programm führte, ist längst in das deutsche Kulturgut mit eingeflossen. Wir wollen nicht die schwarzen Gospelsänger imitieren, sondern das wiedergeben, was uns Spaß macht.«

Lieder traditionell in Englisch

Der Spaß am Singen schwappt zuweilen auch vom geistlichen ins weltliche, wodurch auch Popklassiker aus den Hitparaden zum Repertoire gehören. Gesungen wird jedoch traditionell in Englisch, und dass auch bei Kompositionen moderner deutscher Kirchenmusiker, die mit ihrer Arbeit in Anlehnung an den Gospel wohl am überzeugendsten beweisen, dass die Gottesdienstmusik der afro-amerikanischen Christen auch in Deutschland auf dem besten Weg ist, salonfähig zu werden. »Deutsche Tondichter wie Ralf Grössler beispielsweise«, so Matthias Bender, »bringen die Jugend wieder zum Singen.«

Applaus war durchaus erwünscht

Während in der Nachkriegszeit das Troubadix-Verhalten – »Wer eine Klampfe in die Hand nahm und sang, wurde garantierte mit einem Knebel im Mund an den nächsten Baum gebunden«, scherzte der Kantor über die Musikmoral seiner Altersgenossen – verpönt war, sei Singen heute hingegen wieder erlaubt: »Man singt wieder gerne und tut es einfach, ohne dass es gleich wieder etwas Besonderes werden muss«, beschrieb Bender die in seinen Augen erfreuliche Entwicklung. Eines übrigens verband die Intention der »Spirit-Singers« jedoch durchaus mit ihren farbigen »Kollegen« auf dem Kontinent jenseits des Großen Teichs: Applaus war nicht nur gestattet, sondern auch ausdrücklich erwünscht.

Fußspitzen schwangen mit

Gospel muss schließlich gefeiert werden. Und das ließen sich ihre Elsoffer Zuhörer nicht zweimal sagen: Mit reichlich Beifall bedachten sie die Berliner Musiker nach jedem Lied und hielten auch während der jazzigen Stücke die Hände nicht still. Zwischen den Bänken hingegen sah man niemanden tanzen. Dagegen gab es aber kaum eine Fußspitze, die nicht im Takt mitschwang.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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