Mehr Sicherheit für Verkehrsteilnehmer und Tiere
Reflektoren sollen Wild auf Straße vergrämen

Sie wollen die gestiegene Zahl von Wildunfällen nicht kampflos hinnehmen: Nicolas Loerkens (l.) und Sven Göbel mit den neuen Reflektoren, die Wild und Autofahrer vor folgenschweren Kollisionen schützen sollen.  Foto: fhe
  • Sie wollen die gestiegene Zahl von Wildunfällen nicht kampflos hinnehmen: Nicolas Loerkens (l.) und Sven Göbel mit den neuen Reflektoren, die Wild und Autofahrer vor folgenschweren Kollisionen schützen sollen. Foto: fhe
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fhe Raumland. Zu unbeabsichtigten Aufeinandertreffen von Mensch und Wildtier kommt es auf den heimischen Straßen immer wieder – mit einem oft für das Tier tödlich endenden Verlauf. Gerade im vergangenen Jahr haben die Unfälle zugenommen: Bedingt durch den heißen Sommer und wenig Gras auf den Flächen, war das Wild gezwungen, immer wieder den Weg zum Gewässer aufzusuchen und somit auch die Straßen dorthin zu überqueren. Auch in Raumland hat man dieses Problem nicht nur erkannt, sondern Gegenmaßnahmen ergriffen: Seit Ende Mai sind etwa 200 Reflektoren an den Leitpfosten auf der Bundesstraße 480 und der Landesstraße 553 zu finden.

Ziel: Das Wild von den viel befahrenen Straßen fernzuhalten – und somit sowohl das Wild selbst, als auch die Autofahrer vor Unfällen zu bewahren. Dafür gesorgt haben in Eigeninitiative die Raumländer Jäger Sven Göbel, Thorsten Laaber und Nicolas Loerkens – eine Gegenmaßnahme zu den im Vergleich zum vergangenen Jahr erhöhten Unfallzahlen mit Rehwild. Als mögliche Ursachen machte Nicolas Loerkens im Gespräch mit der Siegener Zeitung vor allem zwei Dinge aus: Da ist zunächst ein für das Rehwild geringer gewordener Einstand – also weniger Äsungsflächen, die den Tieren zur Verfügung stehen. Sich ändernde Strukturen in Wald- und angrenzenden Wohngebieten, aus denen ein kleinerer Lebensraum für die Tiere resultiere, hätten so auch Auswirkungen auf das Verhalten des Rehwildes. „Die zweite Ursache entstand durch das trockene Wetter im vergangenen Jahr, das die Tiere öfter als sonst Richtung Eder getrieben hat.“ Bedingt dadurch, dass die Tiere nicht genug Futter auf den Wiesen gefunden hätten, mit dem das Wild sonst seinen Flüssigkeitsbedarf decken könne, „mussten die Tiere zwangsläufig auch die Straßen überqueren“.

Ein weiteres ungewolltes Aufeinandertreffen im Straßenverkehr ergibt sich während der Paarungszeit, in der geläufigen Waidmannsprache auch Brunft- oder Blattzeit genannt. In den Sommer- und Herbstmonaten kommt es vor allem in den Morgen- und Abendstunden zu erhöhtem Wechsel von Schalenwild im Straßenverkehr. „Dieses nicht zu unterschätzende Sicherheitsrisiko kann mit entsprechender Aufmerksamkeit und der Tageszeit angepasster Fahrgeschwindigkeit zwar minimiert, jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden“, machte Sven Göbel die Gefahr für Mensch und Tier deutlich. Im Ortsteil Raumland wurden auch aus diesem Grund die blau leuchtenden Wildwarnreflektoren als Schutzmaßnahme angebracht. „Das Scheinwerferlicht der sich auf die Reflektoren zu bewegenden Autos wird durch die Prismenstruktur in den Wildwarnreflektoren gebrochen und in die angrenzenden Straßen respektive Waldränder gespiegelt. Das heranwechselnde Wild wird dadurch vergrämt – also vertrieben – und vor dem Wechsel auf die befahrene Straße gehindert“, erklärte Sven Göbel das Prinzip im SZ-Gespräch.

Blau sind die Reflektoren, da das Rehwild ein anderes Farbspektrum hat und Blautöne deutlich besser wahrnimmt als Rotlicht. Die Möglichkeit, im Raumländer Jagdrevier etwas gegen die gehäuften Unfälle zu tun, wollten die Jäger daher keinesfalls ungenutzt lassen und ergriffen daher direkt im Frühjahr die Initiative – denn schließlich seien die Maßnahmen nicht nur aktiver Naturschutz, sondern auch ein Gewinn für alle. Ob die Wildwarnreflektoren schon Wirkung zeigen, lässt sich derzeit allerdings noch nicht sagen. Eine Einschätzung wird wohl erst im folgenden Jahr möglich sein – dann mit einem hoffentlich positivem Trend für Wild und Autofahrer.

Dennoch bitten die Jagdaufseher weiterhin um Vorsicht: Bei allen pro-aktiven Wildschutzmaßnahmen kann es trotzdem jederzeit zu Verkehrsunfällen mit Schalenwild kommen. „Lässt sich ein Zusammenprall durch eine Vollbremsung nicht mehr vermeiden, muss nach einem Unfall die zuständige Polizeibehörde zur Unfalldokumentation für die Versicherung und – sofern die Telefonnummer zur Hand ist – der zuständige Jäger verständigt werden“.

Autor:

Franziska Henk aus Siegen

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