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Heftige Kritik in Richtung Arnsberg
Regionalplan: Heimische Landwirte fürchten um ihre Existenz

Die heimischen Landwirte wollen den Entwurf des Regionaplans nicht akzeptieren. Sie fordern deutliche Nachbesserungen.
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  • Die heimischen Landwirte wollen den Entwurf des Regionaplans nicht akzeptieren. Sie fordern deutliche Nachbesserungen.
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ako Raumland. Seit der Entwurf des neuen Regionalplans veröffentlicht wurde, hagelte es quasi durchgehend Kritik. Das war auch am Mittwoch nicht anders, als der Landwirtschaftliche Kreisverband Siegen-Wittgenstein zum Pressetermin auf den Hof von Bernd Henk in Raumland eingeladen hatte. Denn das über 5000 Seiten umfassende Papier aus Arnsberg tritt bei den Landwirten in Siegen-Wittgenstein nicht auf fruchtbaren Boden. Im Gegenteil: Betroffene Bauern und Verantwortliche des Verbandes wollen den Entwurf in seiner jetzigen Form nicht akzeptieren und fordern deutliche Nachbesserungen.

ako Raumland. Seit der Entwurf des neuen Regionalplans veröffentlicht wurde, hagelte es quasi durchgehend Kritik. Das war auch am Mittwoch nicht anders, als der Landwirtschaftliche Kreisverband Siegen-Wittgenstein zum Pressetermin auf den Hof von Bernd Henk in Raumland eingeladen hatte. Denn das über 5000 Seiten umfassende Papier aus Arnsberg tritt bei den Landwirten in Siegen-Wittgenstein nicht auf fruchtbaren Boden. Im Gegenteil: Betroffene Bauern und Verantwortliche des Verbandes wollen den Entwurf in seiner jetzigen Form nicht akzeptieren und fordern deutliche Nachbesserungen.

"Alle gut beraten, einfach mal abzurüsten"

Regionalplan trifft die Landwirte bis ins Mark

Hintergrund ist, dass der Entwurf zur Neuaufstellung des Regionalplans Arnsberg – Räumlicher Teilplan MK-OE-SI – die Land- und Forstwirte in der Region bis „ins Mark“ treffe. Wertvolle Landwirtschaftsfläche, Wald und Hofstellen sind laut Kreisverband für die Zukunft von einer Art „Stilllegung“ bedroht. Auch der bisher erfolgreich praktizierte kooperative Naturschutz könne durch neues Ordnungsrecht ausgehebelt werden.

Der Blick auf Auszüge des Regionalplans sorgt bei Henner Braach, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein, Georg Jung, Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Kreisverbände Siegen-Wittgenstein und Olpe, Bernd Henk, Landwirt aus Raumland und Kreislandwirt Lothar Menn (v. l.) für Verärgerung. Sie wollen den Entwurf so nicht akzeptieren.
  • Der Blick auf Auszüge des Regionalplans sorgt bei Henner Braach, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein, Georg Jung, Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Kreisverbände Siegen-Wittgenstein und Olpe, Bernd Henk, Landwirt aus Raumland und Kreislandwirt Lothar Menn (v. l.) für Verärgerung. Sie wollen den Entwurf so nicht akzeptieren.
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Beim Ortstermin auf dem Betrieb der Familie Henk in Raumland machte Henner Braach, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein, auf die ganze Dramatik aufmerksam: „Dieser Entwurf begleitet nicht die Entwicklung, sondern verhindert diese.“ Bauernfamilien hätten das aus landwirtschaftlicher Sicht benachteiligte Wittgenstein zu einem Naturparadies gestaltet, in dem gleichzeitig auch eine erträgliche Landwirtschaft möglich sei. Der kooperative Naturschutz sei vorbildlich.

Dass für zukünftige Entwicklungen im neuen Regionalplan eine „Quasi-Unterschutzstellung“ wertvoller Landwirtschaftsflächen festgeschrieben werden soll, komme einer Schließung vieler Betriebe gleich: „Menschen, die hier wohnen, brauchen eine Bleibe-Perspektive. Wir haben als Landwirte das Gefühl, dafür bestraft zu werden, dass wir sorgsam mit der Natur umgehen“, betonte Henner Braach, der eine deutliche Überarbeitung forderte.

Kreislandwirt Lothar Menn mit harscher Kritik am Regionanplan

Kreislandwirt Lothar Menn bewertete den Entwurf des Regionalplans aus fachlicher Sicht als kontraproduktiv. Im Kreis Siegen-Wittgenstein gebe es etwa 660 landwirtschaftliche Betriebe, die rund 20.000 Hektar Nutzflächen bewirtschaften. „Etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzflächen hier im Kreis werden ökologisch bewirtschaftet. Damit sind wir mit großem Abstand Spitzenreiter in NRW“, erklärte Lothar Menn. Zusätzlich würden 3500 Hektar Grünland extensiv genutzt.

„Über 300 landwirtschaftliche Betriebe führen auf ihren Flächen Naturschutzmaßnahmen durch und haben hierüber Verträge mit dem Kreis abgeschlossen.“ Dem Kreislandwirt zufolge werden zudem insgesamt 2286 Hektar Fläche (10 Prozent) von 330 Bauernfamilien im Rahmen des Vertragsnaturschutzes bewirtschaftet. Naturschutz werde von heimischen Landwirten sehr ernst genommen, „mit den im Regionalplan vorgesehenen BSN-Flächen – Bereich zum Schutz der Natur – tun wir uns aber schwer“, betonte Lothar Menn, Diese würde in Zukunft zu enormen Einschränkungen führen: „Dagegen wehren wir uns. Wir erwarten, dass die Bezirksregierung den Plan überarbeitet.“

Betrieb von Bernd Henk in Raumland existenziell bedroht

Welche Auswirkungen diese Einschränkungen konkret haben können, zeigt sich am Beispiel des Betriebs von Bernd Henk. Der Landwirt aus Raumland findet seinen ganzen Hof in einem sogenannten BSN-Gebiet wieder – und versteht deshalb die Welt nicht mehr: „Man nimmt uns die wirtschaftliche Grundlage. Meine Tochter hat Agrarwissenschaften studiert und will den Hof übernehmen und weiter Landwirtschaft betreiben. Aber wenn das so durchgesetzt wird, geht es unserem Betrieb an die Existenz.“

Landwirte fordern deutliche Nachbesserungen beim Regionalplan

Georg Jung prangerte neben dem Inhalt vor allem die Vorgehensweise der Bezirksregierung an: „Wir hatten gerade einmal drei Monate Zeit, uns mit dem komplizierten Karten- und Textwerk vertraut zu machen. Das war eine Herkulesaufgabe“, so der Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Kreisverbände Siegen-Wittgenstein und Olpe, die wie auch viele Kommunen eine fristgerechte Stellungsnahme bei der Bezirksregierung eingereicht hatten: „Jetzt hoffen wir, dass die Einwendungen der in Olpe und Siegen-Wittgenstein betroffenen ca. 1500 Bauernhöfe alle gesichtet und berücksichtigt werden.“

Die heimischen Landwirte wollen den Entwurf des Regionaplans nicht akzeptieren. Sie fordern deutliche Nachbesserungen.
Der Blick auf Auszüge des Regionalplans sorgt bei Henner Braach, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein, Georg Jung, Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Kreisverbände Siegen-Wittgenstein und Olpe, Bernd Henk, Landwirt aus Raumland und Kreislandwirt Lothar Menn (v. l.) für Verärgerung. Sie wollen den Entwurf so nicht akzeptieren.
Autor:

Alexander Kollek

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