Rock gegen Rechts mäßig besucht

Nur wenige fanden den Weg in die Dotzlarer Kulturhalle / Die zeigten aber Flagge

db Dotzlar. Die Vorzeichen sahen viel versprechend aus: sechs Bands, darunter der Finalist eines Nachwuchswettbewerbes, die richtige Location sowie gute Licht- und Soundqualität. Und das alles vor einem durch und durch lobenswerten Hintergrund. Einzig die Resonanz ließ beim zweiten »Rock gegen Rassismus« mehr als zu wünschen übrig. Es brauchte nicht gerade viele Hände, um die Anzahl der meist jugendlichen Besucher festzustellen. Freute sich Bad Berleburgs Bürgermeister Hans-Werner Braun in seiner Ansprache noch über »die vielen jungen Leute, die Gesicht zeigen«, sprach der Sänger der Band Projekt Mutante das aus, was wohl auch den Verantwortlichen, den Berleburger Jusos, auf der Zunge lag: »Wir hätten uns schon gefreut, wenn mehr los wär«. Der »fetzigen Musik«, wie sie Hans-Werner Braun bezeichnete, tat dies aber keinen Abbruch. »On Air« war eine der Gruppen des Abends in der Dotzlarer Kulturhalle.

Einigen wird der Name vielleicht noch durch das Rothaarfestival in den Ohren sein. Benjamin Dienst (Gitarre), Oliver Hof (Bass, Gesang), Bryan Bendfeldt (Schlagzeug) und Christian Dohle (Gitarre, Gesang) spielen »alles, was rockt«. So beherrschen sie neben eigenen Stücken auch viele Coverversionen. Benni und Bryan hätten die Idee zur Gründung einer Band gehabt, so die vier Jugendlichen. Als im November 1999 die Truppe dann endgültig stand, hatten sie langes Experimentieren mit den verschiedensten Bandanwärtern hinter sich. Nicht ganz ohne Stolz sagen On Air: »Bei uns im Kreis haben wir schon einiges erreicht.« Gemeinsam gegen Intoleranz und Rechtsradikalismus, getreu diesem Motto spielten auch Projekt Mutante auf. Die Bad Laaspher Combo blickt schon auf einige Erfahrung zurück. Dieses Jahr nahmen die vier Musiker zum zweiten Mal am Emergenza Wettbewerb für Nachwuchsbands teil, und erreichten sogar das Finale in Köln. Steffen Dörr (Gitarre), Tarek Metwaly (Bass), Matthias Nickel (Gesang, Gitarre) sowie Hussein Gaafar am Schlagzeug spielen nach eigenen Angaben Melodic Hardcore Punkrock, eine bunte Mischung aus allem. Ihre spaßigen und unpolitischen Texte reichen von banalem Schimpfen, über utopische Träume, idealistischen Ansprüchen bis hin zu persönlichen Proklamationen. Seit ihrer Gründung im Sommer 2000 haben sich die Lahnstädter nicht nur in ihrer Heimatstadt einen Namen gemacht. Des Bürgermeisters Forderung, Flagge zu zeigen, kamen auch »Nichts gelernt« aus Mainz nach. Ihr melodischer Punkrock verfolgt das Ziel, »die Zeichen der Zeit halbwegs intelligent zu kommentieren«.

Hinter ihrem, wie in der Punk-Szene oft üblich, seltsamen Namen steckt durchaus Hintergrund. Er ist eine Anlehnung an ein Stück der Band »Stunde X« und beschreibt den Zustand der westlichen Zivilisation. Diese habe nämlich aus all den Kriegen und Katastrophen »nichts gelernt«. Putzi (Bass, Gesang), Herr Nick (Gitarre), Matze (ebenfalls an der Gitarre) und Jan, seit Juni dieses Jahres der neue Schlagzeuger, planen für 2004 ein neues Album. Bisher sind sie neben eigenen Platten auch auf diversen Punk-Samplern vertreten. Die Meerbuscher »Massendefekt« haben schon Auftritte mit bekannten Bands wie den Donots oder Such a Surge hinter sich. Ihre durchweg deutschen Texte werden im nächsten Jahr auch auf einer Deutschland-Tour zu hören sein. »Massendefekt« sind: Mike Duda (Bass), Claus Pütz (Gitarre), Christian Olejnik (Gesang), Sebastian Beyer (Gitarre) und Sascha Utecht (Schlagzeug). Auch hatten die Jungsozialisten »Betontod« eingeladen. Deren Discographie weist ganze elf CD's auf. Neben ihren Eigenproduktionen sind sie auch auf Samplern vertreten gewesen. Dieses Jahr standen Eule (Gitarre, Gesang), Meister (Gesang), Uli (Schlagzeug) sowie Mamoj (Gitarre) und Ado van Goldkante (Bass) bereits auf zwei von Europas größten Festivals auf der Bühne. Mit politischem Punkrock trafen »Die optimale Härte« den Gehörgang der Zuschauer. Die Koblenzer haben eine EP mit Namen »Nazischwein« veröffentlicht und waren somit prädestiniert für Rock gegen Rechts. Genau das war es auch, was Bürgermeister Hans-Werner Braun erfreute. Denn nur durch Veranstaltungen wie diese kann etwas bewegt werden. Gerade zur Zeit, wo die Nazi-Debatte wieder den Weg auf die Büro-Tische der Politiker und die Küchentische der Bevölkerung findet, ist ein antifaschistisches Zeichen wie das der Jusos die richtige Antwort.

Der Gedanke der rechten Ideologie verbreitet sich genauso unbemerkt wie ignoriert immer weiter, gerade bei jungen Leuten. Und immer dann, wenn wie jetzt in München ein Teil dieser Bewegung bekannt wird, ist das Entsetzten groß. Jeder ist erstaunt über die Ausmaße, da solch ein Ereignis ja unvorstellbar gewesen sei. Dabei sind es nicht die Großstädte, in denen das rechte Gedankengut Platz zum Wachsen findet, sondern ländliche Gegenden wie Siegen-Wittgenstein. Auch wenn nur wenige den Weg in die Kulturhalle gefunden haben, ist der Anteil an Jugendlichen, die »Flagge zeigen«, wie Hans-Werner Braun es so schön ausgedrückt hat, viel größer. Punk ist aber nun mal keine Musikrichtung, die keine allzu große Geschmacksvielfalt zulässt. Aber die Idee ist lobenswert und gut, so dass mit einigen Überlegungen auch mehr Leute angesprochen werden könnten, für die Rassismus und Rechtsradikalismus Fremdwörter sind.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Der Weltsparmonat für Groß und Klein

ThemenweltenAnzeige
Eine glänzende Zukunft ist einfach
2 Bilder

Eine glänzende Zukunft ist einfach
Der Weltsparmonat für Groß und Klein

Die erste Erinnerung an die Sparkasse Für viele reicht sie in die Kindheit zurück. Die volle Spardose unterm Arm ging es Jahr für Jahr Ende Oktober zum Weltspartag in die nächste Filiale der Sparkasse. Dabei hat der Weltspartag eine fast hundertjährige Tradition: Zum ersten Mal fand am er 31. Oktober 1925 statt. Das Ziel: Mit kleinen Beträgen über die Jahre ein Vermögen aufbauen – und so den Wert des Geldes schätzen lernen. Sparen, so hieß es damals „ist eine Tugend und eine Praktik, die...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen