Rothaarfestival hat ein Nachspiel

Berleburg: Anwohner beklagen extreme Lärmbelästigung / Ordnungsamt will Konsequenzen

mp/vö. Bad Berleburg. »Ich will, dass man dieses Lied bis unten ins Dorf hört«, forderte Oliver Schneider, Sänger der Band »Such A Surge«, beim Bad Berleburger Rothaarfestival auf dem Schützenplatz. Seinerzeit ahnte der Musiker wohl nicht, dass diese Aufforderung noch einmal eine ganz aktuelle Bedeutung bekommen würde. Denn nicht alle Berleburger freuten sich darüber, dass sie das »volle Programm« quasi kostenfrei in das heimische Schlafzimmer geliefert bekamen.

»Man wird als Querulant bezeichnet«

Und das auch, obwohl sie einige hundert Meter vom Veranstaltungsort entfernt das freie Wochenende genossen. So wie Hubert Bald aus der Schützenstraße. »Man hat als Bürger nichts gegen solche Veranstaltungen«, so Bald gegenüber der Siegener Zeitung. Doch das Rothaarfestival sei extrem laut gewesen. Er habe sich auf dem Balkon kaum noch unterhalten können und auch ein ruhiger Schlaf bei geöffnetem Fenster sei unmöglich gewesen. »Man wird als Querulant bezeichnet«, erklärt Bald, doch solche Lautstärken seien unerträglich.

Das zulässige Maß überschritten?

Die Musikanlage sei auf eine Leistung von 260000 Watt konzipiert, wie der genervte Berleburger betont. Diese Kapazität sei völlig übertrieben und den unfreiwilligen Mithörern der Odebornstadt nicht zuzumuten. Mit seiner Beschwerde und den daraus resultierenden Forderungen sieht sich der Berleburger keineswegs allein auf weiter Flur. Nachbarn und Bekannte hätten sich ähnlich geäußert und wollten die erheblichen Ruhestörungen in der Nacht vom 2. auf den 3. August nicht unkommentiert im Raum stehen lassen.

Behörde soll konsequenter handeln

Noch diese Woche soll ein Schreiben an das Ordnungsamt Bad Berleburg aufgesetzt werden, in dem deutliche Forderungen formuliert sind. Die Behörde soll konsequenter handeln und verbindliche Aussagen treffen. Hubert Bald hat bisher den Eindruck gewonnen, »dass uns das Ordnungsamt nicht wirklich ernst nimmt«. Notfalls werde es zu Unterschriftensammlungen kommen und – jedoch als letzte Möglichkeit – sei der Rechtsweg nicht ausgeschlossen.

Knebel: »Auflagen nicht eingehalten«

Im Rathaus ist das Problem bekannt. »Herr Bald hat nicht ganz Unrecht«, wie Ordnungsamtsleiter Günter Knebel auf Anfrage einräumt. Solche Belästigungen seien auch auf Dauer nicht zu dulden. Es müssten vielmehr Kompromisse gefunden werden, so der Berghäuser. Günter Knebel stellt fest, »dass das Rothaarfestival zu laut war und unseres Erachtens die Auflagen nicht eingehalten wurden«. Das Ordnungsamt möchte den Veranstalter des Festivals vorladen – mit deutlichen Vorgaben seitens der Behörde: »Werden bei diesem Gespräch keine Lösungsmöglichkeiten gefunden, findet die Veranstaltung in Zukunft höchstwahrscheinlich nicht mehr auf dem Schützenplatz statt oder in Bad Berleburg überhaupt nicht mehr.« Auch andere Open-Air-Veranstaltungen dieser Größenordnung seien davon möglicherweise betroffen.

»Können nicht halbe Lautstärke fahren«

»Wir können im nächsten Jahr nicht einfach auf halber Lautstärke fahren«, macht Veranstalter Dominik Eichbaum von DMM promotion & events deutlich. Er habe als Projektleiter des Rothaarfestivals alle Vorschriften eingehalten und versucht, die Lärmbelästigung der nicht teilnehmenden Bevölkerung möglichst gering zu halten, versichert der Erndtebrücker. Außerdem habe er wenig Einfluss darauf, wie der Wind an den Festivaltagen stehe, so dass letztlich der eine oder andere Bewohner in einem Wohngebiet etwas von der Musik mitbekomme.

»Leider null Bezug zu einem Festival«

Die Planung der Veranstaltung habe einen Zeitraum von einem dreiviertel Jahr in Anspruch genommen. Nicht zuletzt sei es im Vorfeld zu vielen Gesprächen mit dem Ordnungsamt und der Polizei gekommen, so Dominik Eichbaum: »Es wurde alles besprochen und abgeklärt.« Beschwerden wie die des Berleburgers Hubert Bald seien nur schwer nachvollziehbar. Solche Menschen hätten »leider null Bezug zu einem Festival in dieser Größenordnung«. Er müsse dem Herren den Vorwurf machen, »dass er sich im Vorfeld erst mal hätte informieren sollen«.

Über 2000 Besucher am Schützenplatz

Dominik Eichbaum zieht daher ein positives Fazit des Festivals, »wenn man an einem Wochenende insgesamt über 2000 Besucher auf den Bad Berleburger Schützenplatz lockt«. Es habe keinerlei gefährliche Zwischenfälle gegeben, die komplette Veranstaltung sei völlig friedlich abgelaufen. Er habe sogar zum Schutz der Nachbarn des Schützenplatzes vom Sicherheitsdienst Streife fahren lassen und vor allem das Bundesemissionsschutzgesetz eingehalten.

Veranstalter: »Zahlen sind übertrieben«

Außerdem sei die Musikanlage auch nicht zu Leistungen von 260000 Watt fähig gewesen. Laut Licht- und Tontechnikern habe die Musikanlage höchstens 70000 Watt gehabt und sei auch nicht auf volle Lautstärke geschaltet gewesen. Lediglich die Lichtanlage verfüge über eine Leistung von 180000 Watt. Und dies, so Dominik Eichbaum, hätte im Stadtgebiet niemanden stören dürfen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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