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Waldbesitzer werden entschädigt (mit Kommentar)
Rotwild und Wildschweine richten mehr Schäden als Wisente an

Wisente fressen Buchenrinde. Das ist nichts Neues. Allerdings sind die Schäden laut Wissenschaft bei weitem nicht mit denen zu vergleichen, die Wildschweine, Rehe oder Hirsche anrichten.
  • Wisente fressen Buchenrinde. Das ist nichts Neues. Allerdings sind die Schäden laut Wissenschaft bei weitem nicht mit denen zu vergleichen, die Wildschweine, Rehe oder Hirsche anrichten.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

howe Bad Berleburg. Bürgermeister und Trägervereins-Chef Bernd Fuhrmann hatte es einmal in einem Interview gesagt – nämlich dass die Region aktuell andere Probleme und viel immensere Schäden durch die Käferkalamitäten hat als irgendwelche Rinden-Schälungen durch Wisente. In der Tat rücken die bei allem Borkenkäfer-Ungemach in den Hintergrund, wenngleich sich die Gerichte auf höchster Instanz weiterhin mit der Thematik auseinandersetzen. Fakt ist: Der Wisent-Trägerverein hat nach den ersten richterlichen Instanzen seine Hausaufgaben gemacht und das Management verbessert. Fütterungs- und Flächenmanagement funktionieren gut.

howe Bad Berleburg. Bürgermeister und Trägervereins-Chef Bernd Fuhrmann hatte es einmal in einem Interview gesagt – nämlich dass die Region aktuell andere Probleme und viel immensere Schäden durch die Käferkalamitäten hat als irgendwelche Rinden-Schälungen durch Wisente. In der Tat rücken die bei allem Borkenkäfer-Ungemach in den Hintergrund, wenngleich sich die Gerichte auf höchster Instanz weiterhin mit der Thematik auseinandersetzen. Fakt ist: Der Wisent-Trägerverein hat nach den ersten richterlichen Instanzen seine Hausaufgaben gemacht und das Management verbessert. Fütterungs- und Flächenmanagement funktionieren gut. „Mit der Ablenkfütterung können die Wisente im Winter erfolgreich von Wirtschaftsflächen ferngehalten werden“, erklärt Kaja Heising als wissenschaftliche Koordinatorin des Auswilderungsprojekts. Im Winter – wohlgemerkt.

Waldbauern werden für Schäden durch Wisente entschädigt

Ansonsten bleibt das Thema „Schälschäden“ aktuell, solange die Wisent-Herde die Privatwälder im benachbarten Sauerland betritt und dort an den Buchen knabbert. „Als Äser fressen Wisente nicht nur Gras, sondern auch Laub, Waldfrüchte oder Rinde. Rinderarten wie der Wisent benötigen faserreiche Nahrung“, sagt Kaja Heising. „Diese Struktur ist in Rinde zu finden. Das ist keine Besonderheit.“
Warum Wisent nun mal so gerne Buchenrinde fressen, darüber ist schon viel berichtet worden. Angeblich sollen den Tieren die Nährstoffe fehlen. Kaja Heising weiß aber, dass dies eine der vielen Hypothesen sei, die man widerlegt habe. „Wir arbeiten mit Universitäten und Studierenden zusammen, um kontinuierlich Informationen zu dem Thema zu erheben. Je mehr man weiß, umso besser lassen sich Lösungsansätze finden.“ Und die Schälschäden in den Wäldern? Anders als in einem Naturwald könnten in einem Wirtschaftswald „monetäre Schäden“ entstehen. Ein dafür eingerichteter Schadensfonds werde jährlich mit 50.000 Euro gespeist und ausgeschöpft. Heißt: Die Sauerländer Waldbauern werden definitiv für die angerichteten Schälungen entschädigt.

Rotwild und Wildschweine richten deutlich mehr Schäden an

Dabei ist wichtig zu wissen, dass die finanziellen Schäden, die durch die Wisente auftreten, „deutlich unter den Summen liegen, die in unserer Region durch Rotwild oder Wildschweine und in anderen Regionen durch Biber oder Wildgänse verursacht werden“, so Kaja Heising. Weil die Biologin auch nur die biologische Sichtweise vertritt, unterscheidet sie auch zwischen wirtschaftlichen Schäden und dem biologischen Einfluss. „Aus biologischer Sicht kann man nicht von Schälschäden sprechen“, erklärt die Fachfrau. Die bisherigen Erkenntnisse zeigten, dass es keinen Anlass zur Annahme gebe, dass der Wald als Ökosystem gefährdet sei.
„Ein wichtiger Hinweis ist zum Beispiel, dass die Buchen-Naturverjüngung, also die natürliche Ansamung von Buchen, durch die Wisente kaum beeinflusst wird. Die Vitalität der Bäume ist lediglich teilweise und an Hotspots beeinträchtigt.“ Allerdings werde mit den geschälten Stücken wiederum neuer Lebensraum geschaffen. Aus biologischer Sicht sei dies selbst eine Bereicherung.

Kommentar: Perverse Diskussion Die große Diskussion dreht sich ja aktuell gar nicht darum, wie sich die Wisente in der Landschaft bewegen und welche Auswirkung ihre Anwesenheit auf das Ökosystem hat. Längst schon wurden die Tiere von vereinzelten, klagenden Waldbauern aus dem Sauerland und der Politik auf juristische Streitgegenstände reduziert. Statt dem Natur- und Artenschutz zu folgen – gerade in Deutschland machen hier Behörden aus Mücken Elefanten, wenn Gänseblümchen irgendwo wachsen und Bauvorhaben deswegen untersagt werden –, reibt man sich jahrelang an überflüssigen Fragestellungen: Ob die Tiere Bäume schälen dürfen oder nicht, ob sie herrenlos sind, wem sie gehören usw. Allein diese Diskussionsführung ist pervers, weil 22 der 25 ausgewilderten Wisente in der Natur geboren wurden. Die Tiere leben frei und somit herrenlos. Und man möchte die Herren aus dem Nachbarkreis fragen, warum sie nicht schon während der Machbarkeitsstudie deutlich interveniert haben und warum damals die große Mehrheit der Befragten eindeutig für die Wisente votierte. Zu fragen wäre auch, für wieviel Euro die angefressenen Buchen denn noch so verkauft werden auf dem Markt. Denn es besteht der Verdacht, dass der Schadensfonds sogar ein Zubrot darstellt. Denn das bisschen Rinde spielt nicht die große Rolle. Und nicht zuletzt sollte mal die Frage nach historischen Zusammenhängen gestellt werden: Geht es den genannten Waldbauern nicht vorrangig darum, dass sie sich von einem Wittgensteiner „Fürsten“ damals nichts aufoktroyieren lassen wollten?
Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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