Sams besuchte Wittgensteiner Kinder in Weidenhausen

Einen Tag nach dem Auftritt der Kastelruther Spatzen: »Theater auf Tour« erzählte die Geschichte des kleinen Kobolds / Gut besuchter Nachmittag

db Weidenhausen. Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, drei Wünsche frei zu haben? Bei den meisten wäre die oberste Priorität, noch mehr Wünsche zur Verfügung zu haben. Bruno Taschenbier heißt der Glückspilz, dem so etwas Ähnliches passiert ist. An einem Samstag steht es auf einmal vor ihm. Quirlig, lebhaft und mit feuerroten Stachelhaaren: das Sams. Seine Signalfrisur ist nicht das Einzige, was ins Auge sticht. Das ganze Gesicht ist bedeckt von kleinen blauen Punkten, so genannten Wunschpunkten.

Das Sams ist ein koboldartiges Wesen aus der Familie der Pumuckels und Pinnochios, und das genaue Gegenteil von dem schüchternen und ängstlichen Regenschirmdesigner. Es verkörpert alles was Taschenbiers Leben bisher fremd war: Spontaneität, Lebenslust und Fröhlichkeit. Die Unterschiede zwischen Beiden sorgen nicht selten für unangenehme Situationen. Doch das Taucheranzug tragende Wesen kann auch anders. Es macht seinem »Papa« oft Mut und hilft ihm in schwierigen Zeiten. Im Rahmen der Ferienspiele in Wittgenstein machte es jetzt, begleitet vom »Theater auf Tour«, Halt im Weidenhäuser Festzelt – dort wo tags zuvor die Kastelruther Spatzen gastierten (siehe großer Bericht im Kulturteil).

Und wie sollte es anders sein, braucht auch hier Herr Taschenbier seine Unterstützung. Auf dem Weg ins Büro, genauer gesagt im Fahrstuhl begegnet er »ihr«. Doch anstatt Frau März direkt anzusprechen, bekommt der eingeschüchterte Mann nur ein Stottern heraus. Sie geht ihm nicht mehr aus dem Kopf und ist von da an Mittelpunkt seines Alltags. Das geht dem Sams schnell auf die Nerven und Eifersucht macht sich breit. Und die nicht zuletzt auf die »wunderschöne Nase« der Frau, von der ihr Papa ständig schwärmt und gegen die es mit seinem Rüssel keine Chance hat. Es könnte doch alles so einfach sein. Der über beide Ohren Verliebte nutzt einfach einen der Wunschpunkte des Sams.

Doch genau das ist nicht mehr machbar. Hat er sich doch seine ganzen Probleme weg gewünscht und alle blauen Punkte aufgebraucht. Diese Tatsache führt auch immer öfter zu Spannungen zwischen den beiden. Als es dem Sams dann zu viel wird, beschließt es, das Geheimnis preis zu geben, wie es wieder zu neuen Wunschpunkten kommt. Bei Vollmond müssen beide auf das Dach klettern und den Tag, an dem es aufgetaucht ist, rückwärts aussprechen. Der Haken an der Sache: Herr Taschenbier ist nicht schwindelfrei. Da das Sams aber so Mitleid mit seinem Vater hat, beginnt es, ihn zu trainieren. Zwei Wochen und unzählige »Tischbesteigungen« später, ist die Höhenangst zwar nicht weg, aber der Zeitpunkt um auf das Dach zu steigen, ist gekommen.

Als die Turmuhr Zwölf schlägt, geschieht etwas, das ganz anders geplant war. Aus Angst und Verzweiflung schreit Bruno: »Gatsmas«. Anstatt des Sams hat jetzt er die blauen Punkte im Gesicht. Beide befinden sich von nun an in ungewohnter Position. Und so müssen sie erstmal mit der neuen Situation zu Recht kommen. Herr Taschenbier macht die Erfahrung, dass das Verschwinden eines Punktes kitzelt und ein komisches Gefühl ist. Wehren gegen die Ausführung eines Wunsches ist unmöglich und so kommt leicht die eine oder andere peinliche Situation zu Stande. Das Sams entdeckt hingegen, dass Wünschen gelernt sein will.

So bekommt es als Hamburger nicht den gewünschten Fast-Food, sondern zwei waschechte Bewohner der Hansestadt. Am Reime liebenden Sams ist es nun, seinen Papa glücklich zu machen. Schließlich kann nur es sich Wünsche erfüllen lassen. Ihm fällt es nicht gerade leicht, mit der Liebe zwischen seinem Vater und Frau März umzugehen. Als es ihm aber seinen Herzenswunsch erfüllt, bedeutet das für den ehemals schüchternen Mann den letzten Schritt in die Selbstständigkeit. Das »Theater auf Tour« brachte die Geschichte des kleinen Sams kindgerecht dar, ohne den Eltern das Gähnen ins Gesicht zu treiben.

Nicht zuletzt die selbst gemachten Kostüme und Bühnenelemente zeugten von den mehr als zehn Jahren Erfahrung. Die Gruppe ist im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs und hat es sich zum Ziel gemacht, Kinder- und Jugendliteratur möglichst unverfälscht und originalgetreu auf die Bühne zu bringen. Das Stück wurde vom Kinderbuch-Autor Paul Maar geschrieben. Der 1937 in Schweinfurt geborene Schriftsteller beschäftigt sich aber nicht nur mit dem schreiben eigener Bücher. Zusammen mit seiner Frau übersetzt er auch englischsprachige Literatur ins Deutsche. Das Sams ist wohl eines seiner beliebtesten und bekanntesten Geschichten, was die große Anzahl an Besuchern in Weidenhausen beweist.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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