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Automobilzulieferer reduziert Fertigung auf zwei Standorte
SCS richtet Produktion neu aus – in Marokko

Dem Stammsitz von SCS Cable Systems steht ein erheblicher Umbau bevor: Die Serienproduktion von Bowdenzügen und Entriegelungssystemen wird eingestellt, dafür will das Unternehmen die Logistik für Mittel- und Nordeuropa ausbauen.
  • Dem Stammsitz von SCS Cable Systems steht ein erheblicher Umbau bevor: Die Serienproduktion von Bowdenzügen und Entriegelungssystemen wird eingestellt, dafür will das Unternehmen die Logistik für Mittel- und Nordeuropa ausbauen.
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vö Berghausen. Der Berghäuser Automobilzulieferer SCS Cable Systems forciert den laufenden Umbau des Unternehmens und stellt sich mittelfristig in seiner Struktur neu auf. Auch am Stammsitz in Berghausen: Ab 2024 werden in Wittgenstein keine Bowdenzüge und Entriegelungssysteme mehr gefertigt, die Serienproduktion konzentriert sich dann auf den Standort in Zhejiang (China), der noch ausgebaut wird, und auf Marokko. In der stark aufstrebenden Industriestadt Tanger in der Nordwestspitze des nordafrikanischen Landes, die Bestandteil einer Freihandelszone ist, baut SCS eine neue Produktion auf, um von dort aus die Kunden in Europa zu bedienen.

Berghausen. Der Berghäuser Automobilzulieferer SCS Cable Systems forciert den laufenden Umbau des Unternehmens und stellt sich mittelfristig in seiner Struktur neu auf. Auch am Stammsitz in Berghausen: Ab 2024 werden in Wittgenstein keine Bowdenzüge und Entriegelungssysteme mehr gefertigt, die Serienproduktion konzentriert sich dann auf den Standort in Zhejiang (China), der noch ausgebaut wird, und auf Marokko. In der stark aufstrebenden Industriestadt Tanger in der Nordwestspitze des nordafrikanischen Landes, die Bestandteil einer Freihandelszone ist, baut SCS eine neue Produktion auf, um von dort aus die Kunden in Europa zu bedienen.

In Berghausen sitzt auch in Zukunft die Firmenzentrale, hinzu kommen Forschung, Entwicklung, der weltweite Vertrieb und ein Logistikbereich, um von hier aus die Kunden in Mittel- und Nordeuropa zu bedienen. „Wir sind davon überzeugt, dass wir zukunftsgerichtet unterwegs sind und dass die Neuausrichtung eine nachhaltige Lösung ist“, sagte Geschäftsführer Friedemann Faerber am Donnerstag in einem Video-Pressegespräch. Der Unternehmens-Chef ließ nicht unerwähnt, dass der Neuaufbau einer Logistik nicht alles an Arbeitsplätzen auffangen könne, was durch die Beendigung der Produktion in Berghausen wegfalle. Demzufolge werde sich die Belegschaft hier von derzeit 113 Mitarbeitern mittelfristig auf 80 bis 85 Beschäftigte verkleinern.

Belegschaft umfassend informiert

Über den geplanten Schritt sei die Belegschaft umfassend informiert worden: „Natürlich waren die Kollegen ein Stück weit ernüchtert, aber sie haben auch Verständnis aufgebracht. Letztlich müssen wir diesen Schritt gehen.“ Denn: Es sei der letzte Schritt im laufenden Prozess zur Neuaufstellung. Alle Maßnahmen seien „ganz klar auch ein Bekenntnis zum Standort in Berghausen“. Die Entscheidungen seien Resultat intensiver Gespräche mit den Kunden und einer Kundenbefragung in Europa, so Friedemann Faerber. „Die Kunden wollen ein Mehr-Geschäft mit uns, weil sie unsere Kompetenzen im Bereich Bowdenzüge schätzen. Aber sie wollen die Fertigung so, dass wir kostengünstiger anbieten können.“ Und das sei unter den bisherigen Bedingungen mit sechs Produktionsstandorten und hohen Fixkosten nicht möglich. Hinzu komme, dass sich die Lohn- und Gehaltsspirale in Osteuropa – gemünzt auf die SCS-Niederlassungen in Polen und Ungarn – deutlich nach oben schraube.

Die geplante Neuausrichtung habe man den Kunden bereits signalisiert – und die hätten umgehend reagiert: „Wir haben in den ersten drei Monaten des Jahres fünf neue Großprojekte gewonnen.“
Dass in allen Bemühungen die Corona-Krise zur absoluten Unzeit gekommen sei, daraus machte Friedemann Faerber kein Geheimnis. Die SCS-Gruppe habe das Jahr 2020 mit einer Umsatzreduktion von 17 Prozent abgeschlossen, natürlich resultierend aus den Einbrüchen im Frühjahr und Sommer: „Das war ein deutlicher Einschlag für uns.“ Der Verantwortliche dankte allen Mitarbeitern, die mitten in der Krise „ein ganz starkes Zeichen gesetzt“ hätten und von April bis Oktober in die Kurzarbeit gewechselt seien. Dieser Verzicht – neben den persönlichen Einschränkungen der Corona-Krise – sei nicht selbstverständlich. Deshalb sei auch der vereinbarte Corona-Bonus ausgezahlt worden. Um die Liquidität stabil zu halten, seien außerdem die Unterstützung der Gesellschafter in schwierigen Zeiten und eine Landesbürgschaft in Anspruch genommen worden. „Wir sind nach den Jahren des Umbruchs noch nicht robust genug, um eine Krise dieser Größenordnung allein stemmen zu können. Ziel muss es aber ganz klar sein, dass wir dauerhaft ohne fremde Hilfe auf eigenen Beinen stehen.“

Umstieg vieler Hersteller auf die E-Mobilität

Was SCS in diesen Zeiten außerdem zu spüren bekomme, sei der Umstieg vieler Hersteller auf die E-Mobilität. Das führte bei den Produzenten zu höheren internen Kosten, die dann an anderer Stelle eingespart werden sollten. Der Preisdruck sei enorm – zumal der Wettbewerb ähnliche Probleme habe und sehr aggressiv auf dem Markt unterwegs sei. Hinzu komme, so Friedemann Faerber, die momentan starke Verknappung der Rohstoffe. Das betreffe beispielsweise Kunststoffgranulat, Metall und Draht. Preissteigerungen seien unausweichlich. Die gute Nachricht aus SCS-Sicht: „Durch aktives Managen konnten wir unsere Lieferkette halten und alle Verpflichtungen erfüllen.“ Andernorts seien ja durchaus Werksschließungen an der Tagesordnung.

Dennoch: Die Kombination aus steigendem Preisdruck und teuren Rohstoffen „ist für uns derzeit keine gute Gemengelage“, brachte es Friedemann Faerber auf den Punkt. Das ändere aber nichts an der Tatsache, dass SCS Cable Systems langfristig einer der weltweiten Marktführer in seinem Bereich werden wolle. Er gehe davon aus, so der Geschäftsführer, dass der Markt einen Verdrängungswettbewerb erleben werde. „Wir möchten definitiv zu denen gehören, die übrig bleiben.“

1100 Mitarbeiter, 60 Millionen Umsatz Als mittelständisches Unternehmen in der Automobilzulieferer-Branche beschäftigt SCS Cable Systems weltweit 1100 Mitarbeiter, rund 10 Prozent davon arbeiten in der Zentrale in Berghausen. Der erwirtschaftete Jahresumsatz beläuft sich nach Angaben von Geschäftsführer Friedemann Faerber auf rund 60 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2024 soll die Gruppe so umgebaut werden, dass sich die Zahl der Produktionsstandorte von aktuell sechs auf zukünftig zwei reduziert. Erweitert wird die Produktion in Zhejiang (China), außerdem wird SCS Cable Systems in Zukunft in der Industriestadt Tanger (Marokko) Bowdenzüge und Entriegelungssysteme fertigen. Am Stammsitz in Berghausen bleibt die Zentrale, hinzu kommen Forschung, Entwicklung, der weltweite Vertrieb und die Logistik für Mittel- und Nordeuropa. In Kanada wird ein Vertrieb erhalten, während die Standorte in Polen und Ungarn in den Zukunftplanungen der Berghäuser keine Rolle mehr spielen.
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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