Seitensprung blieb nicht ohne Folgen

Bad Berleburger Laienspielgruppe brillierte dreimal mit „Der geplatzte Strohwitwer”

Bad Berleburg. „Hab’ ich dir schon gratuliert? Das hast du einfach toll gemacht!” Hans-Georg Saatz stand in der Garderobe im Bürgerhaus und bedankte sich bei Christina Koch, einer „Novizin” in der Laienspielgruppe Bad Berleburg. Sie war zum ersten Mal dabei, spielte die verliebte Erna in dem Stück „Der geplatzte Strohwitwer”. Sie winkte bescheiden ab, dabei hatte die junge Frau mit den blonden Haaren ein Stück harte Arbeit hinter sich gebracht, genau wie die anderen 14 Akteure vor und hinter der Bühne. Aber für Christina Koch war es das erste Mal gewesen, genau wie für Ulrike Dickel, die das Dienstmädchen Minna mimte.

Hannelore Blankenstein hatte kaum zu tun

Bei beiden – wie auch bei allen anderen – keine Spur von Lampenfieber, kein Hänger im Text. Hannelore Blankenstein, zu Beginn in die neue Flüstertüte – den Souffleurkasten – geleitet, hatte offenbar nur wenig zu tun. Hinter der Bühne zeugte kreatives Durcheinander von hektischer Arbeit, auf der Bühne aber bewiesen die Mitglieder der Laienspielgruppe am Freitag vor vollbesetzten Reihen Ruhe und sehr viel Spielfreude.

Hans-Georg Saatz übernahm die Regie

Schon seit Jahren garantiert das Ensemble locker-leichte Unterhaltung. Im Laufe der verschiedenen Darbietungen hat sich bei allen eine gewisse Professionalität breitgemacht, die durchaus als positiv zu bewerten ist. Hans-Georg Saatz, der die Regie übernahm, legte auch besonderen Wert auf Gestik und Mimik, so dass die Figuren auf der Bühne niemals hölzern herumstanden, sondern sich natürlich bewegten und gaben. Thomas Klante hatte wieder die aufwendige Arbeit des Bühnenbildes übernommen, und so fanden sich die Zuschauer im piekfeinen Wohnzimmer des Schuhwichsfabrikanten Gottlieb Dobermann (Michael James Cox) und seiner Gattin Pauline (Monika Mosch) wieder. Wie bei solchen Stücken üblich, sorgten auch an diesem Abend zahlreiche Verwicklungen für einen amüsanten Verlauf.

Junge Dame becirct Dobermann

Gottlieb Dobermann plant zusammen mit seinem Freund Gustav Henke (Wolfgang Roeser) drei tolle Tage, als seine Gattin verreist. Er hat durchaus amouröse Abenteuer im Sinn und fragt seinen Partner: „Gehen wir in die ,Fledermaus’ oder in die Emil-Wolff-Straße?” Den Weg kann er sich sparen, denn eine junge Dame, Isabella Bellini (Claudia Saßmannshausen) betritt irrtümlich das Haus und Dobermann sieht für sich eine Chance – ganz zum Leidwesen Henkes, der laut schimpfend von dannen zieht. Doch das junge Glück mit der charmanten Isabella dauert nicht lange. Im Hause Dobermann haben selbst die Wände Ohren – und besonders Haushaltshilfe Minna. Ihre Spezialität ist es, Schlüssellöcher abzustauben, damit man dadurch besser hören kann. Minna schickt der gehörnten Ehefrau ein Telegramm: „Seitensprung im Gange. Sofort zurückkehren!” und bereitet für das zärtliche Beisammensein ein Abendessen vor, in das Ehefrau Pauline platzt.

Da hilft nur noch der Rechtsanwalt

Von nun an verwickelt sich Dobermann in Widersprüche und haarsträubende Lügereien, die nur noch durch den Anwalt Dr. Kurt Renner alias Dieter Dickel bereinigt werden können, der in die junge Erna verliebt ist. Er schafft es auch, den eifersüchtigen Ehemann Isabellas, Enrico Bellini (Rudolf Koch), zu besänftigen, so dass schließlich wieder eitel Sonnenschein im Hause Dobermann herrscht.

Akteure spielten Rollen überzeugend

Wahl-Berleburger Michael James Cox, Gastronom aus England, beherrschte seine Rolle als überforderter Schuhwichsfabrikant perfekt, ebenso wie seine Rollengattin Monika Mosch. Dieter Dickel und Christina Koch spielten sehr überzeugend ihre Rolle als Verliebte, wogegen Wolfgang Roeser die Lacher mit seiner Berliner Schnauze auf seiner Seite hatte. „Mensch, Jottlieb” konnte er nur noch ob der „tollen Räubergeschichte” sagen, wogegen Ulrike Dickel als Minna selten die Worte fehlten. Man merkte ihr förmlich den Zorn an, den sie auf den untreuen Dobermann hatte. Die Wut ging sogar so weit, dass sie völlig ihre gute Kinderstube vergaß und beim Servieren nur fragte: „Wo soll ich die Fressalien hinstellen?”

Viel Applaus war der verdiente Lohn

Als weiteres Original und Unikum bereicherte Hans-Georg Saatz die Szenen. Als leicht verschrobener Diener Anton bot er Michael James Cox Paroli. Claudia Saßmannshausen gelang es sehr gut, den Wandel von einer anfangs schüchternen jungen Frau zu einer Xanthippe zu schaffen. Last but not least belebte Rudolf Koch als italienischer Hitzkopf, der sogar mit einer Pistole hantierte, das Spiel, so dass nicht enden wollender Applaus auch an den anderen beiden Spieltagen im Bürgerhaus zu hören war. GR

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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