Selbstanzeige und Geständnis alsZeichen von Scham und Schuld

Sexueller Missbrauch: 18-monatige Bewährungsstrafe für Laaspher

Bad Berleburg. Wegen des sexuellen Missbrauchs seiner sechsjährigen Nichte musste sich gestern ein 26-jähriger Laaspher vor dem Bad Berleburger Amtsgericht verantworten. Am Ende verhängten der Richter Hans-Jürgen Niediek und seine beiden Schöffen eine 18-monatige Freiheitsstrafe gegen den jungen Mann. Diese wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, in dieser Zeit wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Außerdem muss er eine Geldbuße in Höhe von 5000 DM zahlen.

„Entgleisung” oder „klare Neigung”

Direkt zu Beginn der Verhandlung stellte der Amtsgerichtsdirektor eine außerordentlich wichtige Frage. War das Ganze „eine schlichte Entgleisung” oder liegen hier „klare pädophile Neigungen” vor? Das Ganze, das waren in diesem Fall zwei Anklagepunkte, die der Staatsanwalt Wolfgang Nau in der Verhandlung vortrug. Zunächst einmal soll der junge Mann im Juni, dann noch einmal im Oktober 1999 seine Nichte sexuell belästigt haben.

Mädchen ausgezogen und gestreichelt

Beim ersten Mal habe er die damals Sechsjährige in einer Feldscheune komplett ausgezogen, dann im Intimbereich geküsst und gestreichelt. Ähnliches wiederholte sich dann im Herbst im Zimmer des Angeklagten. Die Anklageschrift deckte sich mit dem, was das Mädchen als Zeugin bei der Polizei ausgesagt hatte und was ihr Onkel nach seiner Selbstanzeige bei der Polizei angegeben hatte. Zur Selbstanzeige war es gekommen, da das Kind seiner Mutter von beiden Vorkommnissen erzählt hatte. Diese hatte dann den Laaspher vor die Wahl gestellt, entweder gehe er zur Polizei oder sie selbst. Und auch gestern machte der Angeklagte keine abweichenden Angaben von dem, was seine Nichte ausgesagt hatte, und war weiterhin voll geständig. Damit wurde der Kleinen eine erneute Aussage vor Gericht erspart. Zweifelsohne zu ihrem Besten, denn sie musste nach den beiden Vorfällen rund ein halbes Jahr lang jede Woche einen Therapeuten besuchen, der sie von den immer wiederkehrenden Albträumen nach der sexuellen Belästigung befreite. Inzwischen belaste das Erlebnis das Mädchen nach Einschätzung seiner Mutter nicht mehr, es sei wieder „völlig normal”.

„Haben Sie Angst vor sich selbst?”

Die Frage nach einer Therapie, die muss nun auch der Angeklagte für sich erwägen. Er hat bereits mit drei Sitzungen begonnen und zeigte sich gestern auch bereit, die Therapie fortzusetzen. Inzwischen meidet er nämlich sehr bewusst den Kontakt zu dem Mädchen, so dass Hans-Jürgen Niediek fragte: „Haben Sie Angst vor sich selbst?” In diesem Zusammenhang hielt der Richter eine Therapie für sinnvoll: „Sie müssen mit sich leben.”

„Gewisse Schwere” der Handlungen

In seinem Plädoyer hielt Wolfgang Nau dem Angeklagten die Selbstanzeige, das Geständnis, die gegenwärtige Situation des Mädchens und seine bisherige Unbescholtenheit zugute, die sexuellen Handlungen hätten allerdings schon eine „gewisse Schwere” besessen. Außerdem habe er das familiäre Vertrauen seiner Nichte missbraucht, was in der engsten Verwandtschaft besonders verwerflich sei. Deshalb stellte er genau den Antrag, dem das Schöffengericht am Ende exakt entsprach. Und Albrecht Beitzel als Verteidiger schloss sich in seinen Ausführungen der Einschätzung des Staatsanwaltes weitestgehend an.JG

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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