Seniorin Sparbuch geklaut und dann 2000 E abgehoben

Ex-Praktikantin zu 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt

JG Bad Berleburg. »Diese Tat ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten«, gab Berleburgs Richter Torsten Hoffmann gestern einer Angeklagten in seinem Urteil mit auf den weiteren Lebensweg. 200 Stunden gemeinnützige Arbeit soll die 19-jährige Wittgensteinerin ableisten, die sich wegen Betrugs und Urkundenfälschung in Tateinheit verantworten musste. Und was der Richter mit seinem Satz meinte, macht das Geschehen deutlich – das die Arbeitslose in Gänze einräumte.

Rechtmäßige Besitzerin war über 80

Knapp ein Jahr lang hatte sie nach dem Fachabitur ein Praktikum in einem Wittgensteiner Seniorenheim absolviert, drei Tage vor Ablauf der Jahresfrist klaute sie allerdings einer über 80-jährigen Frau aus dem Altersheim das Sparbuch. Die Praktikantin schrieb sich selbst auf einen Ringblock-Zettel eine Vollmacht auf einen falschen Namen aus und erlaubte sich so, 2000 e von dem Sparbuch der Seniorin abzuheben. Nachdem sie eine falsche Adresse – eine Hausnummer neben ihrem richtigen Zuhause – beim Schalterbeamten angegeben hatte, nahm sie das frisch abgehobene Geld mit.

Als es knapp wurde, Geld zurückgebracht

Doch dann kam die Geschichte dem Banker doch noch komisch vor, er sprach mit der Betreuerin der alten Dame und die wusste nichts vom Geldabheben. Allerdings war dem Mann dann eingefallen, dass er die junge Frau vielleicht doch irgendwoher kannte. Daraufhin rief er deren Mutter – die er besser kannte – an. So in die Enge getrieben, brachte die junge Frau am folgenden Tag das Geld vollständig der alten Dame wieder und entschuldigte sich. Weshalb sie das Ganze gemacht habe, wusste sie nicht genau zu sagen: Ihr leiblicher – und von der Mutter geschiedene – Vater sei Trinker und habe sie immer wieder um Geld angebettelt, ihm habe sie helfen wollen. Sie selbst bekomme kein Taschengeld, wenn sie etwas brauche, frage sie ihre Mutter.

Ungläubiges Staunen über die Vollmacht

»Das hat ausgereicht?«, verwundert wedelte Staatsanwalt Wolfgang Nau mit der beschlagnahmten Vollmacht und konnte es nicht fassen, wie einfach und problemlos die Angeklagte an die 2000 e gekommen war. Er forderte eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 10 e – und wollte Erwachsenenstrafrecht angewendet wissen, entgegen der Empfehlung der Siegener Jugendgerichtshilfe. Diese sah bei der jungen Frau eine Reifeverzögerung – wegen der gewaltsamen Trennung der Eltern vor Jahren, wegen ihres fehlenden Umgangs mit eigenem Geld und einer Angst-Problematik, die professionell behandelt werden müsse.

»Ich mach das nie wieder. Ich bin geheilt.«

Torsten Nau sah das Ganze dann eher wie die Gerichtshilfe und verurteilte die 19-Jährige nach Jugendstrafrecht. 200 Stunden gemeinnützige Arbeit soll sie nun ableisten. Die 19-Jährige, die eine Ausbildung als Krankenschwester anstrebt, würde gern in einem Altenheim oder einem Krankenhaus arbeiten. Der Richter warnte sie daraufhin, dass solch eine Geschichte aber nie wieder vorkommen dürfe. Die Wittgensteinerin versicherte ihm daraufhin: »Ich mach das nie wieder. Ich bin geheilt.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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