Sexuell genötigt auf dem Sportplatz?

Strafverfahren gegen 37-jährigen Coesfelder gestern im Berleburger Amtsgericht vertagt

Bad Berleburg. Die Halloween-Party in der Nacht zum 1. November 2005 in der Raumländer Sporthalle hatte möglicherweise ein sehr unschönes Nachspiel. Und zwar nicht in der Halle selbst, sondern auf dem angrenzenden Kunstrasen. Dort soll ein 37-jähriger Coesfelder eine 45-jährige Berleburgerin sexuell genötigt haben, so ging aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Siegen hervor.

Staatsanwalt Wolfgang Nau legte dem 37-jährigen selbstständigen Einzelhandelskaufmann gestern im Berleburger Amtsgericht zur Last, dass er die Berleburgerin mit Gewalt zu sexuellen Handlungen habe nötigen wollen. Er habe die Frau von der Sporthalle weggedrückt und anschließend über den Kunstrasen gezogen. Dabei habe die Frau ihre Schuhe und ihre Handtasche verloren. Er habe sie dann zu Boden gedrückt und ihr zwischen die Beine gefasst. Erst als herbei eilende Zeuginnen der Frau zu Hilfe geeilt seien, habe er von seinem Opfer abgelassen.

Der Angeklagte hatte eine andere Sicht der Dinge. Er habe mit Freunden an der Halloween-Party teilgenommen und sei mit seiner Lebensgefährtin in Raumland gewesen. Nach Beendigung der Veranstaltung habe er sich mit seiner Freundin ein Taxi rufen wollen, sei aber schon mal nach draußen gegangen, um dort zu urinieren. 50 bis 60 Leute hätten sich zu diesem Zeitpunkt vor der Halle befunden. Er habe dann gesehen, »als eine Person auf dem Sportplatz gefallen und liegen geblieben ist«. Er sei der Person zu Hilfe geeilt und habe bei der Frau schnell den Eindruck gewonnen, dass sie unter starkem Alkoholeinfluss stehe. Er habe der Frau hoch geholfen. Möglich sei, dass man dann einige Meter über den Sportplatz gestolpert sei, weil sich die Koordination sehr schwierig gestaltete: »Wir sind dann beide hingefallen. Da ist es natürlich möglich, dass ich auf sie gefallen bin.« Plötzlich habe er um sich herum lautes Geschrei wahrgenommen, »ich wusste im ersten Moment nicht, was passiert war«.

Die 45-jährige Berleburgerin, die gestern an der Seite von Rechtsanwalt Frank Henk als Nebenklägerin auftrat, hatte indes sehr unschöne Erinnerungen an das Geschehen: »Er zog mich mit sich, wollte mich unter dem Geländer durchdrücken.« Sie habe sich sowohl mit Tritten als auch mit ihrer Handtasche gewehrt. Doch auf dem rutschigen Kunstrasen habe sie keinen Halt gefunden, als er sie über den Sportplatz gezogen habe. Schließlich habe er auf ihr gelegen und versucht, ihre Beine auseinander zu drücken, erinnerte sich die Berleburgerin. Die Frage von Richter Torsten Hoffmann, ob der Angeklagte sie im Geschlechtsbereich berührt habe, beantwortete die Zeugin mit einem klaren Ja. Ihre Strumpfhose sei zerrissen gewesen, sie habe Verletzungen davon getragen. Sie habe mittlerweile Angst, gehe nicht mehr auf Feste, sagte die 45-Jährige aus.

Schwer belastet wurde der Coesfelder durch die Aussage einer 22-jährigen Zeugin, die das Geschehen aus einem Auto heraus in unmittelbarer Nähe beobachtet hatte. Es sei gegen 4.30 Uhr gewesen, als sie zu dem Auto gegangen sei, um sich einen Pullover zu holen. Sie habe zunächst ein Pärchen gesehen, das sich umarmte: »Beide waren nach meiner Einschätzung alkoholisiert.« Dann habe sich die Situation jedoch verändert. Der Mann habe offenbar mehr gewollt, während sie bei der Frau den Eindruck gewonnen habe, dass sie nach Hause gehen wollte, so die Zeugin. Und weiter: »Umso mehr sie sich wegdrücken wollte, desto mehr hat er sie festgehalten.« Als es dann zu Tritten und Schreien gekommen sei, habe sie Unterstützung bei Freundinnen in der Sporthalle geholt und man sei der Frau gemeinsam zu Hilfe geeilt. Sie habe den Angeklagten sofort erkannt.

Die Anhörung des Angeklagten und der beiden Zeugen zog sich gestern bereits bis in die Nachmittagsstunden hin. Draußen wartete noch mehr als ein halbes Dutzend Zeugen, deren Aussagen zumindest gestern nicht mehr benötigt wurden. Denn die Verteidigung beantragte wegen gesundheitsbedingter Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten eine Vertagung der Hauptverhandlung. Diesem Antrag gab das Schöffengericht unter Vorsitz von Torsten Hoffmann statt. In zwei Wochen wird an gleicher Stelle neu verhandelt. Die Verteidigung kündigte allerdings möglicherweise eine Erklärung des Angeklagten innerhalb der nächsten 14 Tage an. Eventuell werde man die weiteren Zeugen nicht mehr benötigen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.